HOP – OSTERHASE ODER SUPERSTAR?

Hop – Osterhase oder Superstar      (Hop. USA, 2011)

Regie: Tim Hill. Drehbuch: Cinco Paul, Ken Daurio u. Brian Lynch. Kamera: Peter Lyons Collister. Musik: Christopher Lennertz. Produktion: John Cohen, Michele Imperato u. Christopher Meledandri
Mit: James Marsden (Fred), Kaley Cuoco (Samantha), Elizabeth Perkins (Bonnie), David Hasselhoff (er selbst) und den Stimmen von Alexander Fehling (E. B.), Wolfgang Stumph (E. B.’s Vater, der Osterhase), Detlev Buck (Carlos) u. a.
95 Minuten     (4 von 10 Punkten)

Synopsis: Rapa Nui, Pazifik, Gegenwart: Auf der Osterinsel liegt tief unter den Steinköpfen die Schokoladenfabrik des Osterhasen. Der alte Meister hofft, das Zepter in zwei Wochen pünktlich zum Fest an den Sohn E. B. weiterzugeben. Der aber büxt nach Los Angeles aus, weil er Schlagzeuger in einer Band werden will. Dort trifft er auf Fred, Ende 20, Taugenichts, der von den reichen Eltern zwecks Suche nach einem Job vor die Tür gesetzt wurde. Derweil braut sich auf den Osterinseln ein Putsch zusammen: Riesenküken und Fabrikvorarbeiter Carlos will neuer Osterhase werden.

Kritik: Bei manchen Filmen empfiehlt sich auch eine obere Altersbegrenzung: „FSK 0 bis 10 Jahren, Eltern nur in Begleitung von Kindern“. Als Warnung vor den Werbezeilen auf den Filmplakaten, die im Fall von HOP mit den Produzenten von ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH (2010) locken (der zweifellos einer der besseren Trickfilme der vergangenen Jahre war), während aber vom Niveau her weitaus mehr der brave und kindgerechte ALVIN UND DIE CHIPMUNKS (2007) drin steckt.

Denn HOP ist – schlicht und ergreifend – harmlose Unterhaltungskost für Kinder bis maximal vierter Grundschulklasse. Jeder, der die Schwelle zu den zweistelligen Lebensjahren genommen hat, wird ebenso mäßig amüsiert sein wie die 9-jährige Felicia, ihres Zeichens die Tochter meiner Freundin, die sich den Film zum gemeinsamen Sonntagsausflug ausgesucht hatte. Das Kino war gut besucht, aber trotz der Majorität der Kinder auf den Plätzen waren hörbare Lacher an zwei Händen abzählbar. Und wenn’s die Zielgruppe schon nicht von den Sitzen reißt, wen dann?

Dabei liegt es nicht an der visuellen Qualität des Films. HOP ist als Symbiose von Trick- und Realfilm zweifellos auf der Höhe der Zeit und unser Heldenhase harmonisch in die Echtwelt Hollywoods hineingepixelt. Augenmerk wurde sogar auf natürliche Bewegungsmuster gelegt: So hoppelt und springt E. B. mehr durchs Bild als dass er auf zwei Beinen läuft und behält auch sonst seine Körperformen in allen Situationen bei. Seine Gesichtszüge sind angenehm anzuschauen und werden bei manchem jungen Zuschauer den Wunsch nach „Haben!“ auslösen.
So tendiert HOP leider in Richtung „brav und niedlich“ und selten zu „wild und ausgelassen“. Der Film vermag auf der Realebene leider keine Begeisterung zu entfachen. Kaum eine Szene, in der die Leinwand auf den Kopf gestellt wird und E. B. so wie seine ungleich berühmteren Vorgänger Bugs Bunny oder Roger Rabbit agiert, dass es dem Publikum ob solcher Reizüberflutung Sehen und Hören verging. Hier wird mit angezogener Handbremse gefahren.

Ist E. B. nur ein halbwegs frecher Junge in Hasengestalt, so tappt James Marsden als Echtmensch Fred durchweg wie ein Grinsebaby durch die Handlung und fällt im Vergleich zu seinem langohrigen Partner deutlich ab. Noch schlimmer ist es um seine Co-Darsteller bestellt: Selten eine Dialogzeile oder Aktion, die aus ihnen mehr als blasse Randfiguren einer auf die Protagonisten zugeschnittenen Handlung machen. Bezeichnend für die Qualität des Films ist, dass einzig David Hasselhoffs beiden Miniauftritte (er spielt sich selbst) als Karikatur seiner selbst für (unfreiwillige?) Lacher sorgt.

Die quietschbunte CGI-Welt der Schokoladenfabrik, die unweigerlich Bilder aus Tim Burtons Film ins Gedächtnis ruft, ist sowohl für Kinder als auch das erwachsene Publikum weitaus anregender gestaltet. Sie beinhaltet zudem mit dem intriganten Carlos den heimlichen Star des Films. Zu seinen Szenen (mit gelungener Synchronisation durch Detlev Buck) wünscht man sich insgeheim zurück, wenn es auf E. B.s Ebene mal wieder nicht richtig fluppt. Leider wird Carlos in dem üblichen finalen Kampf Gut gegen Böse mit einer kaum nachvollziehbaren und mäßig amüsanten Transformation verbraucht, die dann auch diese bis dahin stringente Figur in die Mittelmäßigkeit der Produktion zurückfallen lässt.


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