TRUE GRIT

True Grit      (USA 2010)

Buch und Regie: Joel & Ethan Coen, nach dem Roman von Charles Portis. Kamera: Roger Deakins. Musik: Carter Burwell. Kostümdesign: Mary Zophres. Schnitt: Roderick Jaynes
Mit: Jeff Bridges (Rooster Cogburn), Hailee Sterinfeld (Mattie Ross), Matt Damon (La Boeuf), Josh Brolin (Tom Chaney), Barry Pepper (Lucky Ned Pepper) u. a.
110 Minuten      (7 von 10 Punkten)

Synopsis: Arkansas, USA, im Jahre 1878. Der Vater der 14-jährigen Farmerstochter Mattie Ross wird erschossen, der Mörder Tom Chaney flieht unverfolgt. Mattie wird selbst aktiv und heuert US-Marshal Rooster Cogburn an. Er, der für seine Härte, aber auch seine Trinkfreudigkeit berüchtigt ist, willigt schließlich für 100 Dollar ein. Unfreiwillige Begleitung erhalten sie vom jungen Texas-Ranger La Boeuf, der dem Mörder seit langem auch auf der Spur ist. Das ungleiche Trio bricht ins unwirtliche Hinterland auf, um die Bande von Lucky Ned Pepper zu finden, der sich Chaney angeschlossen hat.

Kritik: Es gehört schon „true grit“ (= echter Mumm, Courage), gepaart mit Ehrerbietung dazu, das Remake eines Filmes anzusteuern, der zu den berühmtesten Western zu zählen ist. Und der – nicht zu vergessen – mit John Wayne und damit der Ikone des Genres schlechthin besetzt ist, der für seine Darstellung des einäugigen, bärbeißigen und ungehobelten Marshals mit einem Oscar belohnt wurde.

TRUE GRIT erfindet den Western nicht neu. Die handwerklich makellose und ausstattungs- und kameratechnisch präzise Produktion setzt nahtlos die Werke fort, die zu Beginn der neunziger Jahre eine kleine Renaissance des Genres eingeläutet hatten. Kevin Costners DER MIT DEM WOLF TANZT (1990) und Clint Eastwoods ERBARMUNGSLOS (1992) sind als hoch prämierte Werke zu nennen, und nach der Initialzündung gab es in Abständen einiger Jahre immer wieder bemerkenswerte Remakes oder Neuproduktionen.

Dass TRUE GRIT in der Neuverfilmung beim US-amerikanischen Publikum ein durchschlagender Erfolg beschieden ist, liegt einerseits an der Fangemeinde, die die Coen-Brüder inzwischen besitzen. Andererseits überzeugt aber auch die Besetzung von Jeff Bridges als Marshal Rooster: Er ist in Sachen Leinwandpräsenz John Wayne durchaus ebenbürtig. Den Rauschmitteln nicht abgeneigte Charaktere hat Bridges bereits in THE BIG LEBOWSKI (1998) und CRAZY HEART (2009) gespielt und kann also fast allein schon durch seine Routine punkten. Eine enorme Steigerung erfährt die neuerliche Darstellung durch die Härte und unverhohlene Gewaltdarstellung, die zugunsten der Authentizität (es geht schließlich um den wilden Westen) angebracht ist. Aber es wären nicht die Coens am Werk, wenn ein spontaner Blutrausch nicht wieder rasch durch Komik und/oder unprätentiösen Fortgang der Handlung abgelöst würde.

Es ist nicht leicht, neben Bridges und seiner Figur Cogburn zu bestehen. Hailee Steringfeld als blitzgescheite und starrköpfige Mattie Ross bekommt allerdings zu Beginn des Filmes genug Zeit und Szenen eingeräumt, um sich ins Herz des Publikums zu spielen. Gewiss: Ihre Figur ist deutlich überzeichnet, ein selbständiges Agieren einer 14-jährigen Göre in Arkansas im Jahre 1878 unrealistisch. Aber da wir zunächst die Männerwelt ausschließlich durch ihre Augen sehen, werden wir zum unfreiwilligen Komplizen und erfreuen uns an den Erfolgen ihrer Rhetorik und Chuzpe. Respekt verdient sie sich letztendlich an allen Fronten bei der couragierten Durchquerung des Flusses.

Matt Damons La Boeuf erleidet sicherlich durch die deutsche Synchronisation einige Einbußen, die kaum den Südstaatenslang eines Texas-Rangers wiederzugeben vermag. Ebenso wirkt in der Neuverfilmung die Arroganz seiner Figur nicht wirklich aufdringlich, obwohl Cogburn häufig darauf herumreitet. Hat das neue Drehbuch exakt 10 Minuten am Dialog gespart, die TRUE GRIT 2010 von der 1969er Fassung unterscheidet?

Alles in allem ist mit TRUE GRIT ein solide gemachter Western gelungen, der den Vergleich mit dem Original nicht zu scheuen braucht. Der lineare Handlungsaufbau ist leicht zu verfolgen, die zeitgemäße Vermenschlichung der genre-typischen Charaktere beweist Fingerspitzengefühl, Bleigehalt, Bodycount und vor allem Pferdeschwund sind hoch, und am Ende steht ganz klassisch der Horizont, auf den eine einsame Person zusteuert.


About this entry