COP OUT

Cop out      (USA, 2010)

Regie: Kevin Smith. Drehbuch: Robb & Mark Cullen. Kamera: David Klein. Musik: Harold Faltermeyer, Schnitt: Kevin Smith u.a.
Mit: Bruce Willis (Jimmy), Tracy Morgan (Paul), Sean William Scott (Dave), Michelle Trachternberg (Ava), Jason Lee (Roy), Kevin Pollack (Hunsaker), Adam Brody (Mangold) u.a.
107 Minuten      (4 von 10 Punkten)

Synopsis: New York, Gegenwart. Um die Finanzierung der Hochzeit seiner Tochter nicht dem neuen Ehemann seiner Ex-Frau zu überlassen, will NYPD-Cop Jimmy eine wertvolle Baseball-Karte zu Geld machen. Just in diesem Moment wird der Laden überfallen, das wertvolle Stück gelangt auf Umwegen in die Hand mexikanischer Drogendealer. Jimmys Partner Paul ist bisweilen zu sehr von Ahnungen abgelenkt, seine Frau betrüge ihn mit dem leptosomen Nachbarn, als dass er an Jimmys Seite höchstkonzentriert agiert. Die turbulente Jagd nach dem Bild von Andy Pafko wird noch erschwert durch die einmonatige Suspendierung vom Dienst nach einer vermasselten Einzelaktion.

Kritik: Kurz nach Filmbeginn spult Tracy Morgan als Cop Paul beim Verhör eines Verdächtigen einen Schwall von Filmzitaten herunter, um Jimmy hinter der Scheibe seine Vorstellung einer (wie er es prononciert) „Hommagee“ zu präsentieren. Jener, zunächst skeptisch, schaut mit zunehmender Begeisterung zu und beömmelt sich bald vor Lachen.

Ähnliches erwarten Regisseur Kevin Smith und sein Team sicherlich auch vom Publikum ihres Filmes, der vom deutschen Verleih den Untertitel „Geladen und entsichert“ zugesetzt bekam. Damit es auch wirklich jeder begreift, dass es lustig zugehen wird. Verbeugt vor oder zumindest orientiert hat man sich an Klassikern des Buddy-Movies der 80er-Jahre, allen voran NUR 48 STUNDEN (1982). Komplettiert wird die Hommage an die Zeit mit Hintergrund-Gedudel der damaligen Soundtrack-Ikone Harold Faltermeyer, der auch in den ersten beiden BEVERLY HILLS COP-Filmen (1984/87) in die Tasten gegriffen hat.

Jene Buddy-Movies funktionierten nach dem Rezept der großen Gegensätze zwischen den beiden Protagonisten. Ob sie nun Nolte/Murphy, Glover/Gibson oder gar Chan/Tucker hießen: Die Paare wussten sich aufgrund ihrer diametral entgegen gesetzten Charaktere (und Hautfarben) immer wieder aus den Situationen zu lavieren, in die sie geworfen wurden und/oder sich selbst lavierten. Willis und Morgan tun es ihren Vorbildern nach, bleiben aber enttäuschend blass und ohne Esprit. Ist das Genre noch zu ausgereizt, um nichts Originelleres hervorzubringen? Willis fand ich bestenfalls in seiner TV-Rolle in DAS MODEL UND DER SCHNÜFFLER (1985 – 1989) komisch, in COP OUT legt er eine mimische Eindimensionalität an den Tag, die nur noch übertroffen wird durch die aufdringlich markante Synchronisation seiner Stimme, die scheinbar ohne Einbindung von Hintergrundgeräuschen eingesprochen wurde. Morgan reißt es als Gegenpart und tapsiger Bär in Liebesnöten auch nicht heraus: Im Grunde eine sympathische Rolle, aber die Kontrastierung zum Film-Partner fällt zu gering aus, was im Endeffekt zum Verlust der durchaus gewünschten Reibeflächen führt.

COP OUT ist routiniert actionlastig, wortreich, mit tumben Bösewichten und zwei schönen Frauen durchsetzt und fußt auf einem Skript, das mehr der Aneinanderreihung von aberwitzigen Situationen entspricht denn einem Werk mit stringentem Handlungsverlauf und nachvollziehbarer Logik. Aber wer hätte letztere schon erwartet? Ins Knie geschossen hat sich indes derjenige, der hinter dem Regisseur Kevin Smith auch den Drehbuchschreiber K. S. erhofft hat. Stattdessen erwarten ihn die Albernheiten der Gebrüder Robb und Mark Cullen, die bislang in TV-Serienproduktionen ihr Bemühen an den Tag gelegt haben. Ihr Output in ihrem ersten Film auf der großen Leinwand ist höchst wechselhaft: Von manchmal durchaus originell bis leider vielmals zotig und bemüht.

Letztendlich kommt COP OUT trotz aller Anstrengung und sporadischen Lichtblicken nicht über filmisches Mittelmaß hinaus. Vom Kinobesuch bleibt nichts von Erinnerungswert zurück, dem Versacken vor dem TV-Gerät nicht unüblich. Es ist der pure Zeitvertreib, und im Anschluss hat man die Wahl, heroisch zu seiner Entscheidung zu stehen oder einzuräumen, die knapp zwei Stunden besser genutzt haben zu können.


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