CRAZY HEART

Crazy heart      (USA, GB, Aus, 2009)

Regie: Scott Cooper. Drehbuch: Scott Cooper, basierend auf dem Roman von Thomas Cobb. Kamera: Barry Markowitz. Musik: Stephen Bruton, T-Bone Burnett
Mit: Jeff Bridges (Bad Blake), Maggie Gyllenhaal (Jean Craddock), Robert Duvall (Wayne), James Keane (Manager), Colin Farrell (Tommy Sweet), Jack Nation (Buddy) u. a.
112 Minuten      (7 von 10 Punkten)

Synopsis: Im Südwesten der USA, Gegenwart. Der einst gefeierte Country- & Western-Sänger Bad Blake ist nur mehr ein Schatten seiner selbst. Mit 57 Jahren bestreitet er immer noch mit seinen alten Songs und drittklassigen Gigs sein Auskommen. In Santa Fe interviewt ihn die gut 25 Jahre jüngere Jean Craddock, sie verlieben sich ineinander. Blake verspürt den Wert eines Menschen in seiner Nähe, wie er ihn seit Jahren und nach vier gescheiterten Ehen nicht mehr wahrgenommen hat.

Kritik: Zugegeben, der Plot ist nicht gerade neu: Ein im Sinkflug begriffener Held eiert mehr instinktiv denn motiviert durch seine traurige Existenz, besinnt sich nach einem Schlüsselerlebnis seiner selbst und rappelt sich wieder auf. Erstaunlich ist hingegen, dass selbst gestandene Mimen verschiedenster Couleur zu ihren besten Leistungen auflaufen, wenn sie eben jene gestrauchelten Charaktere spielen. Paradebeispiel in neuester Zeit ist Mickey Rourke in THE WRESTLER (2008), wir erinnern uns aber auch gerne an Sam Shepard in DON’T COME KNOCKING (2005), Jack Nicholson in ABOUT SCHMIDT (2002) und Sylvester Stallone in COP LAND (1997).

Nun ist es also Jeff Bridges als alkoholabhängiger Sänger Bad Blake, und die Performance lässt unweigerlich Erinnerungen an seine Kultrolle des Jeffrey „Dude“ Lebowski (THE BIG LEBOWSKI, 1998) wach werden. Nur zu sehr ähneln sich beide Charaktere, von Aussehen und Gehabe ganz zu schweigen, was dem Film neben der tragischen auch eine gewollt komische Note verleiht. Es ist eine Leistung von Regie, Drehbuch und dem Spiel von Jeff Bridges, dass der Figur des Bad Blake bei allem Verdruss und Zynismus eine gewisse Würde anhaftet, die uns Respekt abverlangt. Er ist seiner Linie treu geblieben, redet nicht um den Brei herum, ein Relikt einer alten Zeit, wie ein Dinosaurier dem Untergang geweiht. Doch kann er ohne Übertreibung von sich behaupten: „Son, I’ve played sick, drunk, divorced, and on the run. Bad Blake hasn’t missed a goddamn show in his whole fucking life.“

Zitate wie dieses sind es, mit denen Blake – und CRAZY HEART als Ganzes – dem modernen Country & Western-Business einen kurzen Seitenhieb versetzen, das mit der Romantik der von der neuen Musik-Generation längst vergessenen Heroen des Genres kaum mehr etwas zu tun hat. Wir nehmen mit Wehmut zur Kenntnis, dass Blake noch wie anno dazumal mit seinem Chevrolet Station Wagon von Auftritt zu Auftritt tingelt, seine Fangemeinde mindestens genau so alt ist wie er und sich an den Songs erfreut, die er seit 15 Jahren wiederholt. Eine Handvoll echte Freunde sind ihm geblieben, die in rauer, aber herzlicher Manier miteinander umgehen. „Fallin’ and flyin’“: Sein größter Hit wird zum Ausdruck einer Existenz. Zu weitergehender Kritik lässt sich CRAZY HEART aber nicht hinreißen. Vielmehr kommt es an verschiedenen Stellen zu einer sentimentalen Verbrüderung zwischen alter und neuer Generation, die die Illusion einer heilen Welt nährt.

Wenn mit Maggie Gyllenhall als Jean die Liebe ins Spiel kommt, driftet der Film merklich in seichtere Bahnen ab. Taktgeber ist nun nicht eine Episodenfolge mit neuen Personen und Locations, sondern die Beziehung der beiden Akteure. Für Herz und Auge gewiss eine Bereicherung, die Wandlung in Richtung Melodram ist indes nicht frei von Klischees und vorhersehbaren Wendungen. Was während der zweiten Hälfte an Komik und Bridges-Präsenz verloren geht, wird leider nicht vollständig durch Emotion und Happy-End wiedergutgemacht.

Insgesamt ist CRAZY HEART ein auch für den Nicht-Countrymusik-Fan sehenswerter Film. Bridges und Farrell singen selbst, es regnet nie in Amerikas Südwesten, und auch wenn die Zeiten schwierig sind, so zählen doch die Freunde, die zusammenhalten und ganz fest auf das Licht am Ende des Tunnels hoffen.


About this entry