DIE TÜR

Die Tür      (Deutschland, 2009)

Regie: Anno Saul. Drehbuch: Jan Berger, nach dem Roman „Die Damalstür“ von Akif Pirinçci. Kamera: Bella Halben. Musik: Fabian Römer
Mit: Mads Mikkelsen (David Andernach), Jessica Schwarz (Maja Andernach), Valerie Eisenbart (Leonie Andernach), Thomas Thieme (Siggi), Tim Seyfi (Max), Heike Makatsch (Gia) u. a.
103 Minuten      (6 von 10 Punkten)

Die Tür
(Bildrechte: Senator Film)

Synopsis: Deutschland, Gegenwart. Maler David Andernach vögelt gerade mit der Nachbarin, als seine 7-jährige Tochter im Pool ertrinkt. Fünf Jahre später: Davids Ehe ist zerbrochen, seine Existenz ruiniert, er beschließt sich umzubringen. Vor seinem alten Haus folgt er einem Falter in einen Felsengang, an dessen Ende eine Tür zur Welt vor 5 Jahren führt. Er kann seine Tochter rechtzeitig retten. In Notwehr tötet er sein Alter Ego, als jenes ihn für einen Einbrecher hält, und vergräbt die Leiche im Garten. Er nimmt sein Leben als neuer alter Vater und Ehemann auf.

Kritik: Der Film DIE TÜR hat durchaus das Zeug, eines Montags in den gängigen TV-Zeitschriften als „Spielfilm des Tages“ ausgezeichnet zu werden. Von jenen deutschen Produktionen, die gemeinhin in der Sendereihe „Fernsehfilm der Woche“ gezeigt werden, unterscheidet er sich nur durch die Verpflichtung des international bekannten Mimen Mads Mikkelsen (ADAMS ÄPFEL, CASINO ROYALE), und ich wage zu behaupten, dass es allein sein Name sein wird, der für manchen zusätzlichen Zuschauer sorgen wird.

An seiner Seite agieren mit Jessica Schwarz und Heike Makatsch zwei der derzeit gefragtesten deutschen Aktricen, die in diesjährigen Verfilmungen von Schauspieler-Biographien bereits unter Beweis gestellt haben, dass sie zu differenzierteren Leistungen imstande sind, als ihnen in DIE TÜR abverlangt werden. Das Ensemble wird vervollständigt durch den schon vom Körperbau her mit imposanter Leinwandpräsenz ausgestatteten Thomas Thieme, sowie der jungen Valerie Eisenbart, die als unschuldig blickende und fragende Tochter Leonie der heimliche Star des Films ist.

Am Ensemble liegt es nicht, dass DIE TÜR zu einem zwar achtbaren, aber nicht bleibend beeindruckenden Mystery-Drama geworden ist. Immerhin: Über weite Strecken vermag der Film sein Publikum zu fesseln, er hält die Spannungskurve bis zum Beginn der Schlussoffensive, und die inneren Konflikte, die sich in der Hauptperson – d. h. Mikkelsens Gesicht – abspielen, unterstreichen das anfängliche Bemühen von Drehbuch und Regie, sich intensiv mit den Personen und weniger um Effekteschnickschnack zu kümmern. Wo andere Produktionen mit schnellen Schnitten, Schattenspielen und Schockmomenten hantieren, drückt sich die Spannung in DIE TÜR in Davids verzweifelten Bemühen aus, mit seiner Situation als Zeitgereister und der Bürde des Tötens bestehen zu können. Und natürlich der verstörten Reaktion seiner kleinen Familie auf die neue Situation.

Regisseur Anno Saul platziert die Handlung in die Vorstadt einer deutschen Großstadt, die Kamera fängt kaum mehr als trügerische Idylle ein, die vorzügliche Musik von Fabian Römer untermalt, ohne zu dramatisieren: Ganz nach der Art Stephen King’scher Romane ist es die Normalität, die von unliebsamen Schwingungen durchbrochen wird und nach und nach aus den Fugen gerät. Konzentriert wird sich auf Davids Befinden: Beim alleinigen Hadern mit seinem Schicksal und seinem Streben, sich mit Maja und Leonie zur Familie zu konsolidieren, hat DIE TÜR seine bewegendsten Momente. Eine auch zeitliche Ausweitung jener Szenen unter Einbeziehung des Augenmerks auf die anderen Personen hätte dem Film noch besser getan.

Statt dessen überschlagen sich im Schlussviertel die Ereignisse: Das immanente Grauen, eben noch den langsamen Fortgang der Handlung beherrschend, verpufft in einem zwar temporeichen, aber im Vergleich zum Hauptteil überhastet auf Effekte getrimmten Crescendo. Dabei wird nicht nur die feine Vorarbeit auf dem Altar der Aktion geopfert, sondern jene in für verwöhnte Cineastenaugen bescheidener Weise in Szene gesetzt.

Dadurch für die Schwächen des Films sensibilisiert, fällt es wie Schuppen von den Augen, dass weder die Herkunft der „Damalstür“ (so der Titel der Romanvorlage) erläutert wird, noch die Ursache, wie und vor allem warum diese oder jene Person den Zeitsprung zurück gemacht hat. Letztendlich positioniert sich DIE TÜR damit auf einem soliden Platz im filmischen „Ferner liefen“.


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