IT MIGHT GET LOUD

It might get loud      (USA 2008)

Buch und Regie: Davis Guggenheim. Kamera: Guillermo Navarro & Erich Roland. Musik: Vladimír Godár. Produktion: Thomas Tull, Lesley Chilcutt und Peter Afterman
Mit: Jack White, David Howell Evans a.k.a. The Edge, James „Jimmy“ Patrick Page
97 Minuten     (7 von 10 Punkten)

It Might Get Loud
(Bildrechte: Arsenal Filmverleih)

Synopsis: Die Gitarristen Jimmy Page (Ex Led Zeppelin), The Edge (U2) und Jack White (The White Stripes) treffen sich eines Tages auf Geheiß der Produzenten und des Regisseurs in einem Filmstudio, reden über ihre Liebe zur Musik und zum Instrument und beenden die Zusammenkunft mit einer gemeinsamen Musiksession. Drumherum drapiert der Film Elemente einer Homestory, historische Aufnahmen und eingeblendete Hintergrundinformationen zu den Protagonisten.

Kritik: Auf den ersten Blick scheint IT MIGHT GET LOUD ein Schnellschuss zu sein. Die Herzenssache einiger Gitarristen-Fans, denen es – mit Begeisterungsfähigkeit, Überredung, Geld? – gelingt, drei ihrer Heroen vor die Kamera einzuladen und sich dann fragen: „Tja, wie mache ich aus diesem Umstand einen Film?“ Warum es ausgerechnet Jimmy Page, The Edge und Jack White sind und nicht andere Vertreter, bleibt ebenfalls offen. Produzent Thomas Tull und Regisseur Davis Guggenheim – letzterer schon mit Dokumentarfilmerfahrung (z. B. Al Gores EINE UNBEQUEME WAHRHEIT) behaftet – beließen es kommentarlos bei dieser Mischung und fahren gut damit.

Überhaupt wird die Frage zur Makulatur, wenn die Herren (und natürlich sind’s wieder nur Männer, wie überhaupt im ganzen Film über) sich zur förmlichen Begrüßung die Hände reichen und danach sich der gemeinsamen Leidenschaft widmen. Obzwar jeder für eine Musikergeneration zu stehen vermag und schon einen Platz im Musikerolymp erobert hat, fallen bald in der Gesprächsrunde und anschließender Jam-Performance die Respektierlichkeiten. Aufmerksam lauscht man den Statements der anderen, Zustimmung allenthalben, die Zugewandtheit resultiert im final agierenden Musikspiel, das den Zuschauer in den Abspann trägt. Die Sympathie, die die drei füreinander empfinden, bleibt auch dem Publikum nicht verborgen, was entscheidend für die insgesamt eingängliche Basiswirkung des Films ist. Über die demonstrierte Lockerheit lässt sich allerdings diskutieren: Wie ungezwungen kann man – auch als Musikprofi – bei einem arrangierten Treffen sein, das eingepfercht in einem Filmstudio stattfindet und umrahmt wird von einer Horde Techniker mitsamt ihrem Equipment? Echtheit, Dramaturgie, Kunst und Künstlichkeit verschmelzen untrennbar.

IT MIGHT GET LOUD ist weder ein Konzertfilm, wie es z.B. der letztjährige SHINE A LIGHT von Scorsese war, noch eine Dokumentation über die Geschichte der E-Gitarre in der Rockmusik. Selbst bei den drei Protagonisten ist die historische Betrachtung bruchstückhaft und auf rasche abfolgende Skizzierung ihrer Herkunft und ihres Schaffens beschränkt. Dieser redaktionelle Teil beschränkt sich vornehmlich auf die Illustrierung dessen, was die Herren Page, Edge und White als ihre Wurzeln und Einflüsse betrachten. Guggenheim fügt jene historischen Exkurse in beinahe willkürlicher Folge in den Gesamtfilm ein, unterlegt sie plakativ mit zeitgenössischen Fotos, Zeitungsmeldungen, Videos aus dem Familienarchiv und natürlich hinreißenden Konzertmitschnitten. Diese schnell-bunte Art der MTV-Clip-Ästhetik ist gegenwärtig publikumskonform und kombiniert Informationshappen aus fünf Jahrzehnten Musikgeschichte mit scharfkantigen Bildschnipseln für den raschen Verzehr.

Für die Befürworter der tieferen Hinwendung zur Person bietet Guggenheims Film eine dritte Komponente auf: Die individuelle Führung an die sie prägenden und quasi „mythenbehafteten“ Orte durch die Protagonisten höchstselbst. Zu Besuch in Jimmy Pages Haus außerhalb von London, die Schule in Dublin, wo sich The Edge auf den Aushang zur Bildung einer Band (= U2) gemeldet hat, Jack White mit seinem jüngeren Alter Ego im Fond einer amerikanischen Limousine. Ergreifend.

Der Filmtitel IT MIGHT GET LOUD resultiert übrigens aus einer Warnung von The Edge an Page und White, als er seine Gitarre in die Verstärkerphalanx einzustöpseln gedenkt. Diese und andere Bemerkungen, unprätentiös dahergesagt ohne Rücksicht auf die allgegenwärtigen Kameralinsen vor Ort, geben dem Film einen willkommenen Schuss Authentizität. Da kann dem einen oder anderen Altrocker schon mal ganz warm ums Herz werden.


About this entry