SALAMI ALEIKUM

Salami Aleikum     (Deutschland, 2009)

Regie: Ali Samadi Ahadi. Buch: Arne Nolting u. Ali Samadi Ahadi. Kamera: Bernhard Jasper. Schnitt: Dirk Grau. Musik: Ali N. Askin. Produzent: Oliver Stoltz
Mit: Navid Akhavan (Mohsen Taheri), Michael Niavarani (Vater Taheri), Proschat Madani (Mutter Taheri), Anna Böger (Ana Bergheim), Wolfgang Stumph (Vater Bergheim), Eva-Maria Radoy (Mutter Bergheim) u. a.
106 Minuten     (6 von 10 Punkten)

Salami Aleikum
(Bildrechte: Zorro Film)

Synopsis: Köln, Gegenwart. Weil er seine Schlachtabfälle in den Mülltonnen der Nachbarn entsorgt, wird dem aus Persien stammenden Metzger Taheri die Lizenz entzogen. Sein Sohn Mohsen, ein sanfter Stubenhocker Ende 20, soll den Laden übernehmen. Als er aus Polen billige Schafe beschaffen will, streikt sein Lieferwagen im Niemandsland zwischen Elbe und Oder. In der Dorfwerkstatt lernt er die Ex-Kugelstoßerin Ana kennen und lieben, während Anas Eltern ihn für einen potentiellen Investor für den seit 20 Jahren stillgelegten VEB Oberbekleidung Niederoberwalde halten. Die Verwirrung eskaliert, als Mohsens Eltern sich aufmachen, um nachzusehen, was ihr Junge im Osten so treibt.

Kritik: SALAMI ALEIKUM ist nicht nur der Filmtitel, sondern auch das Ergebnis der turbulenten Bemühungen der Eltern Bergheim, auf die Schnelle persisches Vokabular zur Begrüßung der Neuinvestoren zu erlernen. Nachdem der Wunschpartner China auch nach 20 Jahren Werbebemühens nicht geantwortet hat, sind dem ehemaligen Werksleiter selbst die „Mullahs“ lieber als irgendein dahergelaufener Wessi. Und Vater Taheri ist die Wertschätzung nicht unrecht, als er von den (Fehl-) Erwartungen hört. Schließlich hat die Welt dem Jahrtausende altem Kulturvolk Persien alles zu verdanken: Die Wissenschaft, die Philosophie, den Alkohol…

Mit Klischees wird nicht gespart in der turbulenten Komödie, die Story ist simpel gestrickt und im Prinzip auch Nebensache: Sie dient vielmehr als dürftiges Gerüst für Situationskomik, Wortwitz, Verballhornung kultureller Eigenheiten und Vorurteile und ist letztlich auch ein Plädoyer für den gegenseitigen Nutzen, den man mit Toleranz und Gastfreundschaft erzielen kann. Dass der Feel-Good-Komödie ein Happyend zwischen dem schmächtigen Mohsen und der um einen Kopf größeren ehemaligen DDR-Spitzensportlerin vergönnt ist, versteht sich fast von selbst.

Mohsen und Ana sind laut Drehbuch die Hauptrollen, allerdings ist ihre Romanze verhältnismäßig blass in Szene gesetzt, was insbesondere an der eindimensionalen Ausprägung der Charaktere liegt. Das aus Mohsen und Anas Beziehung erwachsene Lachpotential ist schnell ausgereizt, die scheue Liebe zwischen ihnen erreicht nicht recht des Zuschauers Herz, und flocht Regisseur Ali Samadi Ahadi nicht passgenau Tanz- und Liedersequenzen à la Bollywood ein, dann würde jener Aspekt der Story vermutlich ganz untergehen.

Von ganz anderem Kaliber ist indes die „Performance“, die die Väter der Protagonisten aufs Parkett legen. Wolfgang Stumph, der seit dem Filmerfolg GO TRABI GO (1990) schauspielerisch als Inbegriff des Ossi gilt, paradiert als desillusionierter VEB-ler, der durch persisches Geld plötzlich Morgenluft wittert. Sein Gegenüber Michael Niavarani ist nicht minder köstlich als liebenswert-cholerischer Pascha, der von alten Glanzzeiten Persiens und seiner Unteroffizierszeit im Dienste Seiner Majestät Mohammad Reza Schah Pahlavi schwärmt und natürlich aus seinem Sohn einen richtigen Mann machen will.

Jene beiden wissen sofort zu gefallen, gewöhnungsbedürftig sind allerdings die zahlreichen filmischen Sondereinlagen, die den Handlungsverlauf oft unterbrechen. Elemente des Musicals finden Eingang, ebenso schlaglichtartige Rückblenden sowie die unmittelbare Hinwendung der Akteure zur Kamera und zum Zuschauer, während die Bilder im Hintergrund einfrieren. Die Unvorhersehbarkeit der Anwendung lässt an manchen Stellen den Verdacht aufkommen, dass mittels dieser Originalität die Schwächen der Handlung überspielt werden sollen.

Nichtsdestotrotz bietet SALAMI ALEIKUM über 100 Minuten lang erfreulich sinnfreie Kurzweil für alle, die sich in jüngster Vergangenheit bei ähnlich gelagerten Filmen wie KEBAB CONNECTION (2004) und SCHNITZELPARADIES (2005) zu amüsieren gewusst haben.


About this entry