CHE – TEIL 1: REVOLUCION / TEIL 2: GUERILLA

Che – Teil 1: Revolución / Teil 2: Guerilla      (USA, Spanien, Frankreich, 2008)

Regie: Steven Soderbergh. Drehbuch: Peter Buchman u. Benjamin A. Van der Veen, basierend auf den Büchern „Pasajes de la Guerra Revolucionaria“ (1963) und „The Bolivian Diary“ (1968) von Ernesto Guevara. Produktion: Laura Bickford, Benicio del Toro. Kamera: Peter Andrews [i.e. Steven Soederbergh]. Musik: Alberto Iglesias
Mit: Benicio del Toro (Ernesto ‚Che’ Guevara), Demián Bichir (Fidel Castro), Santiago Cabrera (Camino Cienfuegos), Rodrigo Santoro (Raul Castro), Joaquim de Almeida (Presidente René Barrientos), Pablo Durán (Pacho) Eduard Fernández (Ciro Algaranaz), Marc-André Grondin (Régis Debray), Franka Potente (Tania) u.v.a.
125 / 127 Minuten     (5 von 10 Punkten)

Che
(Bildrechte: Ascot-Elite)

Synopsis: Teil 1 – Revolución beschreibt Ernesto ‚Che’ Guevaras Kontaktaufnahme zu Fidel Castro im Juli 1955 in Mexiko und deren gemeinsamen Aufbruch zur Niederschlagung der Militärdiktatur Batista in Kuba. Dem Aufbau und Training einer Guerillaarmee folgen Kämpfe mit Truppen der Regierung, die Einnahme der Provinzhauptstadt Santa Clara und der Einzug in Havanna am 2. Januar 1959.
Teil 2 – Guerilla beginnt mit Ches Abflug nach Bolivien Ende 1966, um dort einen Bürgerkrieg gegen das Regime Barrientos zu entfachen. Die Operation misslingt, nach knapp einem Jahr wird die Guerillatruppe zerschlagen, Che gefangen genommen und am 9. Oktober 1967 exekutiert.

Kritik: Vor vier Wochen (= am 07. Juli 2009) sah ich mir den Teil Revolución, vor drei Tagen Teil Guerilla des gut vierstündigen Epos über die Ikone einer ganzen Protestgeneration an. Aber in Erinnerung geblieben ist mir nicht das den „Mythos Che“ begründende Handeln des Argentiniers im Dienste Kubas, sondern letztlich nur der Anblick eines Haufens bärtiger schwarzhaariger Männer, die in grünen Kampfanzügen durch unwegsame Gebiete stapfen und Kriegsspiele gegen namenlose andere Uniformierte veranstalten. Die Handlung ist zerstückelt in schwach durch die Chronologie zusammen gehaltene Fragmente, die Einblendung von Daten und Orten gaukelt Orientierung im Dickicht der lokalen Kampfplätze vor, verhilft aber nur dem-/derjenigen zu visueller Erkenntnis, der/die schon im Vorfeld über die Geschehnisse informiert ist. Teil 1 ist in dieser Hinsicht noch als transparent zu bezeichnen, da sich die Revolutionäre von kleinen Scharmützeln zu den dicken Fischen (Konvois, Kasernen, Städte) vorarbeiten. In Teil 2 drehen sich Che und seine Genossen aber so sehr im Kreis, dass es mir beim Zuschauen schwindelig wurde. Ob unfreiwillig oder nicht: Soderbergh gelingt es durch die Präsentation eines Blindekuhspiels, das Scheitern der Operationen in Bolivien dem Publikum spürbar zu machen. Und hämmert mächtig am Sockel des berühmten Revolutionärs.

In den Jahren 1956/59 stieg Guevaras Stern leuchtend empor, Teil 1 trägt diesem Umstand Rechnung und fügt den militärischen Operationen mit willkürlich eingestreuten Auszügen von Ches Auftritt vor der UNO 1964 in New York einen theoretisch-ideologischen Hintergrund bei. Jene Bemühungen um eine Würdigung seines Wirkens bleiben aber ebenso fragmentarisch wie die Beispiele, wie er inmitten des Kampfes als Guerillero um die medizinische und erzieherische Versorgung der unterdrückten Volksschichten bemüht war. Es gibt immer wieder Passagen in Soderberghs vierstündigen Werk, in denen markante Details aus den Büchern auf die Leinwand überführt werden, zumeist jedoch und besonders in Teil 2 ergießt sich vor den Augen des Publikums ein Strom immer gleichen Tuns, eingebettet in Bilder von unwegsamem Gelände, strapaziösen Märschen und trefflichen Befehlen des legendären Commandante. Am Ende ist jener seines Mythos beraubt, ohne dass im Film signifikant auf seine historisch bedeutsame Gesamtwirkung, aber auch auf seine Misserfolge als kubanischer Minister und Revolutionär eingegangen wurde. Mit der Lektüre einer Biographie oder seiner Bücher ist man sicherlich besser bedient als mit Soderberghs schwergewichtigem Werk.

Insgesamt verlang CHE in der kombinierten Fassung eine Menge Sitzfleisch ab, ohne dass ein Teil separat gesehen eine wesentliche (inhaltliche und stilistische) Ergänzung zum jeweils anderen darstellt. Immerhin sieht Benicio del Toro seinem Rollenvorbild täuschend ähnlich und die Bilder des Guerillakampfes im Felde und in den Städten sind durchaus realistisch. Das war’s dann aber auch.


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