KLEINE VERBRECHEN

Kleine Verbrechen      (Mikro eglima, Griechenland, Deutschland, 2008)

Buch und Regie: Christos Georgiou. Produzent: Thanassis Karathanos. Kamera: Yorgos Giannelis. Produktionsdesign: Michalis Samiotis. Schnitt: Isabel Meier. Musik: Kostantis Papakonstantinou und Thanassis Papakonstantinou
Mit: Aris Servetalis (Leonidas), Viki Papadopoulou (Angeliki), Antonis Katsaris (Zacharias), Panayiotis Benekos (Orestis), Evgenia Dimitropoulou (Niki), Konstantinos Koronaios (Mario) u. a.
88 Minuten    (6 von 10 Punkten)

Kleine Verbrechen
(Bildrechte: Neue Visionen Filmverleih)

Synopsis: Griechenland, Gegenwart. Auf der Kykladeninsel Thirassia wird die Sommerruhe empfindlich gestört, als der alte Zacharias eine Klippe hinab stürzt. Der diensteifrige Polizist Leonidas widmet sich beherzt der Aufklärung. Sehr zur Unterhaltung seines Vorgesetzen und aller Inselbewohner, die in dem Unfall nur eine Unterbrechung des lauen Inselalltags sehen. Als sich Leonidas in die aus dem Ort stammende TV-Moderatorin Angeliki verliebt und ihre Familie mit dem Toten in Verbindung gebracht werden kann, spitzt sich die Lage zu.

Kritik: Kleine Verbrechen wie Verkehrsübertretungen oder unerlaubtes Nacktbaden: Darüber können sich nach weitläufiger Meinung nur die Deutschen aufregen. In anderen EU-Ländern ist die Toleranzschwelle weit höher, und als heimlicher Spitzenreiter gilt gemeinhin das südlichste Mitglied, auf dessen Inseln – wie im vorliegenden Beispiel gezeigt – ein Todessturz auch gerne mal nach Augenschein und ohne Obduktion als Unfall abgehakt wird.

Polizist Leonidas (der Name vielleicht eine Anlehnung an den legendären König von Sparta?) schlägt allerdings aus der Art und kämpft wie ein Löwe (sic!) gegen die seiner Meinung nach Verfehlungen seiner Mitbewohner an. In seinem charmanten Übereifer trägt er Züge diverser Filmgestalten wie z. B. des cholerischen Gesetzeshüter Ludovic Cruchot (Louis de Funès) aus DER GENDARM VON ST. TROPEZ (1964), des innovativen Postboten Francois in TATIS SCHÜTZENFEST (1947) oder auch – neueren Datums – des sentimentalen Mario Ruoppolo (Massimo Troisi) aus IL POSTINO – DER POSTMANN (1994).

Dass aus solchen Zutaten Sympathieträger gebacken sind, versteht sich von selbst. Aris Servetalis, der in fast jeder Szene zu sehen ist, verkörpert seinen Ordnungshüter mit einer Mischung aus Gutmütigkeit, Sympathie und Tollpatschigkeit, ohne ihn über weite Strecken der Lächerlichkeit preiszugeben. Mal abgesehen von dem beherzten Moped-Sprung hinter der ablegenden Fähre …

Der Kriminalfall und die ihm zugrunde liegenden familiären Verstrickungen dienen als roter Faden, auf dem Perlen gleich Situationen und Eigenheiten aufgereiht sind, die die vermeintlich typische Lebensart der Griechen widerspiegeln. Regisseur Christos Georgiou, der bis zum Ende seiner Schulzeit auf Zypern aufwuchs, kennt die Marotten der Bewohner und stellt sie in bewusstem Gegensatz zu Leonidas’ selbst gewählter Disziplin. Das Verfahren ist nicht neu, kommt aber überwiegend pointiert und witzig daher.

Das karge Leben auf der Insel, die Armut und Landflucht sind keine Themen, die in KLEINE VERBRECHEN zur Diskussion gestellt werden. Aufkeimende kritische Gedanken werden überwältigt von der pittoresken Friedlichkeit des einfachen Lebens. Selbst die Liebe kann nicht bewegen, dass das bindende Idyll der Insel gebrochen wird. Sicherlich könnte man dem Film Oberflächlichkeit und Schönzeichnerei vorwerfen, doch es besteht kein wirklicher Anlass, über ihn den Stab zu brechen. Nehmen wir ihn lieber wahr als ein schmackhaftes Bonbon der Kurzweil und eine Einstimmung auf einen Sommerurlaub auf Santorin oder sonstwo in der Ägäis.


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