THE INTERNATIONAL

The International      (USA, GB, D 2007)

Regie: Tom Tykwer
Drehbuch: Eric Warren Singer. Produzenten: Charles Roven, Richard Suckle, Lloyd Philips. Kamera: Frank Griebe. Musik: Tom Tykwer, Johnny Klimek, Reinhold Heil
Mit: Clive Owen (Louis Salinger), Naomi Watts (Eleanor Whitman), Armin Müller-Stahl (Wilhelm Wexler), Ulrich Thomasen (Jonas Skarssen), Jack McGee (Detective Bernie Ward), Felix Solis (Detective Iggy Ornelas), Luca Giorgio Barbareschini (Umberto Calvini) u. a.
118 Minuten     (6 von 10 Punkten)

Synopsis: Louis Salinger, Ermittler bei Interpol, will nachweisen, dass die „International Bank of Business and Credit“ (IBBC) im globalen Waffengeschäft eine Schlüsselrolle spielt. Doch wichtige Überläufer und Kronzeugen kommen stets kurz vor der Aussage zu Tode. Salinger bleibt hartnäckig, verfolgt Spuren in Mailand, New York und schließlich Istanbul. Mit jedem Mord an potentiell wackligen Mitwissern eskaliert die Situation für die IBBC, so dass schließlich auch der Ermittler ins Visier gedungener Killer gerät.

Kritik: Ein Wirtschaftsthriller, bei dem die Machenschaften der Großfinanz im Mittelpunkt stehen, der Drehorte in New York und halb Europa beinhaltet und zwei, drei international bekannte Stars auf der Besetzungsliste stehen hat: Tom Tykwer greift in Sphären ein, die man bislang mit den Namen Bond oder BOURNE verband. An deren Qualitäten kommt THE INTERNATIONAL in Punkto Optik ohne Zweifel heran. Wie Großstadtdesign und Gebäudearchitektur effekt- und stilvoll in Szene zu setzen sind, das ist zweifellos eine Stärke von Tykwer, respektive seines Kamerateamchefs Frank Griebe. Analog zu Agent Salinger, der, wenn er in die Zentralen der Macht vorgelassen wird, wie ein hilfloser Käfer in einem Labyrinth aus überdimensionierten Stahlbeton- und Glasbauten hin- und herkrabbelt, dürfen wir uns Interpol und einige andere Staatsorgane vorstellen, die es mit international Operierenden wie der IBBC zu tun haben.

Ganz anders wirkt der Protagonist in seinem abgetragenen Mantel und einem Gesichtsausdruck, der angepisstem Pessimismus ähnlich ist, wenn er sich auf seinem Terrain befindet: In den Straßen von New York, bei der Observation in Berlin oder in schäbigen Verhörzimmern. In dieser Welt erzielt er seine (Teil-) Erfolge und zieht aus ihr die Kraft, um seiner übermenschlichen Aufgabe weiter nachgehen zu können. An Aura und Charisma hapert es ihm allerdings, so dass Agent Salinger in der Filmgeschichte wohl keinen zweiten Auftritt haben wird.

THE INTERNATIONAL hat Tempo und schafft mit Ortswechseln, Verfolgungen, einer Menge Schusswechsel und Toten einen Spannungslevel, der über weite Strecken gehalten wird. Dass Tykwer sich des Themas Internationale Bankgeschäfte bedient, beschert dem Film zusätzliches Potential. Hingegen werden die Verstrickungen der IBBC auf einem zwar verständlichen, aber deswegen niedrigen Level dargestellt, so dass sie mit den heute z. T. absurden Realitäten kaum etwas zu tun haben. Ein paar Fakten via Interview erfragt, die Nächte langen Presse- und Datenbankrecherchen, ein Rebellengeneral aus Nigeria (!) erscheint als lebendiger Beweis für die bösen Folgen: Schon ist für das Publikum ein passables Feindbild gestrickt. Für einen aufrüttelnden Film mit Nachhall ein wenig dürftig, es bleibt die Reduktion auf die Heroisierung des kleinen Mannes im Kampf gegen den großen Goliath. Aber vielleicht will Tykwer nur unterhalten und sich für weitere Taten in Hollywood empfehlen.

Optik und Drive sind gut, die Choreographie der Zerstörung, der die Rotunde des Guggenheim-Museums in New York anheim fällt, zählt zu den Höhepunkten des Films. Das Finale in gleißenden Licht der Blauen Moschee bzw. über den Dächern von Istanbul hätte Altmeister Hitchcock nicht besser hinkriegen können. Und sex- und (beinahe) humorlos ist der Film auch noch.

Abstriche erfährt THE INTERNATIONAL meiner Meinung nach in der allzu schematischen Abfolge der Attentate: Kaum haben Salinger und Co. einen Zeugen oder Überläufer im Auge, wird der im nächsten Moment hingemeuchelt. Ständig! Naomi Watts gibt höchstens schauspielerisches Warmlaufen zum Besten. Und Armin Müller-Stahls Oberst Wexler ist nur ein fahler Abklatsch zu der Bedrohlichkeit, die er als Russen-Pate in TÖDLICHE VERSPRECHEN ausstrahlte.


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