[·REC]

[·REC]      (Spanien 2007)

Regie: Jaume Balagueró und Paco Plaza
Drehbuch: Jaume Balagueró, Luis A. Berdejo, Paco Plaza. Kamera: Pablo Rosso. Produzent: Julio Fernandez. Künstl. Leitung: Gemma Fauria
Mit: Manuela Velasco (Ángela), Ferrán Terraz (Manu), Jorge-Yamam Serrano (jüngerer Polizist), Pablo Rosso (Pablo), David Vert (Àlex), Vicente Gil (älterer Polizist), Martha Carbonell (Senora Izquierdo, Carlos Vicente (Guillem) u. a.
78 Minuten     (6 von 10 Punkten)

[·REC]
(Bildrechte: 3L Filmverleih)

Synopsis: Barcelona, Gegenwart. Für eine TV-Dokumentation begleiten die junge Reporterin Angela und Kameramann Pablo eine Nacht lang ein Feuerwehrteam. Ein Einsatz führt sie in ein Mietshaus, wo aus der Wohnung einer älteren Frau im 2. Stock beunruhigende Schreie zu hören sind. Nachdem die Tür aufgebrochen wurde, verhält sich die offenbar geistig verwirrte Frau ungewöhnlich aggressiv und fügt einem Polizisten eine tiefe Bisswunde zu. Ein Feuerwehrmann stürzt nach einem weiteren Angriff in die Tiefe. Die Behörden stellen das Haus ohne Angabe von Gründen unter Quarantäne und verriegeln die Ausgänge. Die Eingeschlossenen bangen derweil um ihr Leben.

Kritik: Wie ist es zu werten, wenn knapp ein Jahr nach der Erstaufführung von [·REC] in Spanien bereits das us-amerikanische Remake unter dem Titel QUARANTINE (dt. QUARANTÄNE) in die Kinos kommt? Ein Plus von elf Minuten in der Gesamtlänge zwar, aber den Vorberichten nach zu urteilen mit identischem Inhalt, ohne namhafte Besetzung, ein Regisseur mit überschaubarem Oeuvre…, mir scheint, als können wir uns auf das Orginal beschränken, sowohl hier im Blog als auch an der Kinokasse. Zumal in den letzten Jahren die besseren Horrorstreifen eher im „alten Europa“ gemacht werden.

[·REC] ist in die Sub-Kategorie „Zombiefilme“ einordnen. Haben wir es uns dergestalt erst einmal im Sessel bequem gemacht, können wir getrost die Ingredenzien erwarten, die jenen Filmen ihre Unverwechselbarkeit verleihen. Der Wiedererkennungsfaktor ist enorm hoch, und der Gedanke, die Überlebensquote der Figuren würde um ein Vielfaches höher gewesen sein, hätten jene sich mit den Gesetzen des Genres ausgekannt, ringt ein Schmunzeln ab.
Neben des prinzipiell bekannten Handlungsablaufes (Stichwort: 10 kleine Negerlein) ist inzwischen auch die visuelle Darbietung in Form einer quasi Reality-Dokumentation mit Wackelkamera, Ansprachen in die Linse, Live-Aktionen der „embedded journalists“ am Tatort und das obligatorische Weiterfilmen der am Boden liegenden Kamera keine neue Errungenschaft mehr. Schon Ende der 70er Jahre gab es Inhalte, wo mit (angeblich) aufgefundenem Filmmaterial schreckliche Erlebnisse rekonstruiert wurden. THE BLAIR WITCH PROJECT durfte 1999 den wohl fulminantesten Erfolg mit dieser Masche feiern, und seitdem begegnet sie uns wie eine alte Bekannte.

In [·REC] halten sich Licht und Schatten der Machart in etwa die Waage. Wer sich nicht mit der anfangs hibbeligen, später hysterischen Jungreporterin Ángela anfreunden kann, wird Toleranz mitbringen müssen: Als Eye-Catcher mit (im Sendeverlauf) obligatorischem Tank-Top und keuchendem Atem ist sie die einzige, die eine wenn auch vorhersehbare Entwicklung durchmacht, während der Rest der Besetzung kaum mehr als Kanonenfutter ist. Die Kamera hält die entscheidenden Szenen fest, der Anschein der Authentizität wird mit allerlei Gimmicks wie Bildstörungen, Stimmen bei schwarzem Bildschirm, Tonhöhenschwankungen und gar mit Restlichtverstärker-Modus erweckt. Jener Part lässt Erinnerungen an DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER wach werden, zählt aber zweifellos zu den Furcht erregendsten Momenten in [·REC].

Zu Beginn des Films, als sich die beiden Reporter in der Feuerwehrstation sichtlich langweilen und bestenfalls einen Einsatz zur Rettung eines Haustieres erwarten, kann man im Drehbuch noch einen Anflug von Humor erkennen. Im Zombiehaus selbst geht dann jegliche (Selbst-)Ironie flöten und die Macher biegen sich aus den abgekupferten Versatzstücken in Wildwestmanier einen harten Streifen zusammen. Für die Darlegung der halbgaren logischen Zusammenhänge wurden zwar einige bremsende Interviewsequenzen in Kauf genommen, aber mehrheitlich befinden sich die Dinge (und Personen) in Bewegung. Nahkämpfe mit Umklammerungen, Vordringen in enge Hausflure, Panik im Treppenhaus und solche Geschichten eben. Schock- und Suspense-Szenen wechseln sich ab, und im Vergleich mit ähnlichen Produktionen, die ohne Umweg von der Produktion weg in die Videotheken gewandert sind, ist die Blut-, Gedärm- und Hirngewebe-Quote fast schon erträglich. Mit knapp 79 Minuten Gesamtlänge zählt [·REC] zu den Leichtgewichten des Genres und kann analog auch so klassifiziert werden: Für den schnellen Genuss und ohne Langzeitwirkung gemacht.


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