HELLBOY 2 – DIE GOLDENE ARMEE

*** HELLBOY 2 – DIE GOLDENE ARMEE / HELLBOY II: THE GOLDEN ARMY * USA 2008 * Musik: Danny Elfman, Travis, Eels, Barry Manilow, Antonio Vivaldi, u. a. * Drehbuch: Guillermo del Toro, nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Mike Mignola, basierend auf den comics von Mike Mignola * Regie: Guillermo del Toro * Darsteller/-innen: Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, James Dodd, Jeffrey Tambor, John Alexander, Luke Goss, Anna Walton, Seth MacFarlane, Brian Steele, John Hurt, Jimmy Kimmel, u. a. * 120 Minuten * (6 von 10 Punkten) ***

Synopsis: Elfenprinz Nuada hat den vor Jahrhunderten geschlossenen Frieden zwischen Elfen und Menschen satt, weil er sich von der verbohrten, konsumgeilen Menschheit gedemütigt fühlt: Seine Fabelwelt führt ein Schattendasein, inkognito unter den Augen der menschlichen Rasse, die ihre Existenz so sehr negiert, dass sie sie vergessen hat.

Um die von seinem Vater, König Balor, einst durch Koboldhand geschmiedete „Goldene Armee“ (70 mal 70 unzerstörbare Robotkrieger) erneut gegen den Erbfeind ins Felde zu führen, braucht er bloß alle drei Teile einer Krone zusammen zu setzen, von denen sich zwei praktischerweise im Familienbesitz befinden: Er stiehlt den Teil der Krone, der den Menschen gehört, auf einer New Yorker Kunstauktion, wobei er mal eben mit Hilfe von Knochen fressenden Zahnfeen (sic!) die gesamte Kundschaft meuchelt, ermordet seinen Vater, um an das zweite Stück zu gelangen und streckt seine gierigen Finger nach seiner Zwillingsschwester Nuala aus, in deren Besitz sich das letzte Stück befindet.

Doch diese flüchtet in die fischigen Arme von Abraham „Abe“ Sapien, den empathisch-intellektuellen Mutanten an Hellboys Seite. Zusammen mit dessen „Flamme“ Elizabeth „Liz“ Sherman ist das nicht sehr menschliche Trio Teil einer geheimen Spezialeinheit des FBI, genannt BPRD (Bureau for Paranormal Research and Defense), das den jungen (Anti-)Superheld Hellboy mitsamt seiner Teufelshörner und seiner alles zerschmetternden steinernen Faust einst den Klauen der Nazis entriss, um mit seiner Hilfe die Menschheit vor den sie bedrohenden Fabelwesen zu schützen.

Hellboy, Liz, Abe und das neue BPRD-Mitglied Johann Krauss, ein Wesen, hinter dessen Anzug sich ein ektoplasmatischer deutscher Wissenschaftler (sic!) verbirgt, stellen sich Prinz Nuada in einem Kampf, dessen Ausgang nicht weiter als den Fortbestand der Menschheit bestimmen wird: Die Rettung der Welt ist ein Höllenjob.

Kritik: HELLBOY 2 wird Filmgeschichte schreiben, wenn auch nur eine kleine, hinreißende Sequenz: Wenn die zwei in Liz und Nuala verliebten Mutanten Hellboy und Abraham „Abe“ Sapien sturzbetrunken Barry Manilows ultimativen Schmachtfetzen „Can’t smile without you“ trällern, ist das gleichzeitig so herzergreifend rührend wie zwerchfellerschütternd komisch, dass man gar nicht weiß, ob man nun lieber vor Ergriffenheit zerfließen soll oder sich totlachen (http://www.youtube.com/watch?v=CAzCPIuUu-s).

Barry Manilow ertönt irgendwann zur Mitte des Films, und bis dahin hat HELLBOY 2 vieles richtig und nur wenig falsch gemacht: Vor allem in der vor Phantasie(-gestalten) förmlich berstenden „Trollmarkt-Sequenz“ zeigt sich Guillermo del Toros grenzenlose Liebe zu seinen grotesken Kreaturen, die er lieber von Schauspieler/-innen (vor allem von seinem Lieblingsakteur, dem feingliedrigen Doug Jones (der Pan aus PANS LABYRINTH)) darstellen lässt, als sie irgendwelchen nerds in den CGI-Abteilungen Hollywoods zu überlassen.

Auch der Anfang ist eine faustdicke positive Überraschung: Zwar fühlt sich HELLBOY 2 – DIE GOLDENE ARMEE bemüßigt, ähnlich wie die Verfilmung von Tolkiens DER HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN, mit einem erklärenden Prolog zu beginnen, weil eine Vorgeschichte erzählt werden muss. Diese wiederum ähnelt Peter Jacksons epochalem Schlachtengemälde so sehr, dass es fast schon ärgerlich zu nennen wäre, käme sie nicht als Puppenspiel daher, das angenehm an Tim Burtons CORPSE BRIDE, respektive A NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS erinnert.

Schert sich Guillermo del Toro, der alsbald in die (zu?) großen Fußstapfen von Peter Jackson als derjenige treten wird, dem man die zweiteilige Verfilmung von Tolkiens DER HOBBIT zutraut, zu Beginn also wenig um herkömmliche Konventionen des fantasy- und science fiction-Films, droht HELLBOY 2 leider im seinem Verlauf zusehends im blockbuster-Einheitsbrei unterzugehen.

Die liebevoll kreierten Schauergestalten, an denen man sich nie wird satt sehen können, werden zusehends zu Erfüllungsgehilfen eines belanglosen Drehbuchs, das kein fantasy-Klischee auslässt (Nicht schon wieder diese blutleeren Elben / Elfen!) und mit immer mehr Bombast und Brimborium versucht, die Lücken zwischen den Zeilen zu füllen.

Die so unschuldigen wie bezaubernden Puppenspielertricks vom Anfang sind am Ende dann sogar vollends vergessen: Hellboy & Co. müssen den Endkampf gegen Prinz Nuada in einer seelenlosen CGI-Umgebung führen, und die namensgebende „Goldene Armee“ füllt dabei pflichtschuldig den Horizont, erweitert diesen aber um keinen Millimeter: Zu diesem Zeitpunkt ist sie nur noch eine Blechbüchsentruppe, die den längst schon ermüdeten Augen des Betrachters nur noch ein Wimpernzucken entlockt, während Danny Elfman das um sich selbst kreisende Schauspiel mit 1000mal gehörtem Streicherbombast aus dem Orchestergraben zukleistert: Klimax! schreit es irgendwann nur noch von der Leinwand. Klimax! Und hier, geneigter Betrachter, falls du noch nicht völlig rammdösig in deinem Kinosessel versunken bist: Noch ein Klimax! Rumms! Bumms! Bist du noch wach?

Und der finale Schwertkampf zwischen Hellboy und Prinz Nuada ist dann auch nur noch notwendig, um den längst dahinsiechenden Film zu einem Genre-getreuen Ende zu bringen. Tadellos choreographiert ist er und entspricht dabei so sehr dem action-Kanon Hollywoods, das man sich unweigerlich in einer blockbuster-Zeitschleife gefangen fühlt, aus der nur noch die Flucht ins nächste Programmkino Rettung verheißt:

Nach HELLBOY 2 bekommt man trotz seines hinreißenden Figurenkabinetts, seiner lange liebevollen Machart und der Tatsache, dass er als bloße comic-Verfilmung durchaus gelungen ist (Zack! Bumm! Schepper!), einfach Lust auf ein turkmenisches Familiendrama mit aserbaidschanischen Untertiteln.


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