KRABAT

Krabat      (Deutschland, 2008)

Regie: Marco Kreuzpaintner.
Drehbuch: Michael Gutmann & Marco Kreuzpaintner, nach dem Buch von Otfried Preußler. Kamera: Daniel Gottschalk. Musik: Annette Focks
Mit: David Kross (Krabat), Christian Redl (Meister), Daniel Brühl (Tonda), Robert Stadlober (Lyschko), Paula Kalenberg (Kantorka), Hanno Koffler (Juro), Charly Hübner (Michal), Anna Thalbach (Worschula), Otto Sander (Erzähler) u. a.
120 Minuten     (6 von 10 Punkten)

Synopsis: Deutschland, 1646. Der vierzehnjährige Krabat findet Anstellung bei einem Müller. Der zwielichtige „Meister“ ist der Zauberei mächtig, was dem Neuling und den anderen 11 Lehrlingen das Überleben sichert. Doch der Pakt, den alle Mühlenbewohner geschlossen haben, hat einen hohen Preis. Krabat, der sich in das Bauernmädchen Kantorka verliebt, beschließt zu fliehen.

Kritik: Waisenkind gerät unfreiwillig in die Obhut eines Meisters der Schwarzen Kunst und besteht mit seinen Freunden Abenteuer. Wer da nicht sofort an Harry Potter denkt, hat in den letzten 10 Jahren auf einem anderen Stern gelebt. Eltern werden aber eiligst ihre Kleinen aufklären müssen, dass der Zauberlehrling aus der Schreibe Joanne K. Rowlings kein deutsches Pendant gefunden hat, sondern ein über 35 Jahre alter Jugendroman von Otfried Preußler fürs Kino umgesetzt wurde.

Der geistige Vater selbst hat sich wohlwollend über das Ergebnis geäußert. Wie mag das Publikum urteilen? Und wer ist überhaupt die Zielgruppe, möchte ich in meiner Ratlosigkeit fragen? So überrascht es mich, dass der Film erst für Zuschauer ab 12 Jahren freigegeben ist, obwohl die Geschichte seit Jahrzehnten sicherlich zum Standard(vor)lesestoff an kalten Winterabenden gehört. Falls denn Lesen noch zu den Beschäftigungen in deutschen Wohn- und Kinderzimmern zählt.

Wenn schon durch die hohe Freigabegrenze manchem jüngeren Preußler-Fan der Zugang verwehrt bleibt, muss der Lockruf gezielt an die Jugend gehen. Indes: Mit dem Prädikat pädagogisch-klassisch-wertvoll werden nur die wenigsten Teenies vom PC wegzulocken sein, die überdies in diesem Jahr mit Hollywood-Krachern der Sorte Die MUMIE 3, PRINZ KASPIAN VON NARNIA oder auch HELLBOY 2 bedient wurden. KRABAT zeigt sich trotz der 10,5 Millionen Produktionskosten, von denen ein großer Teil in die digitalen Effekte geflossen ist, sehr zurückhaltend in der Präsentation dessen, was heute technisch möglich ist. Außer der Verwandlung der Lehrlinge und der Szene am Berghang stehen die Akteure meist mit beiden Füßen auf dem Boden. Selbst das Finale ist im Vergleich zum Durchschnittshokuspokus eines jeden HARRY POTTER sehr bieder inszeniert.

Zu den positiven Aspekten von KRABAT zählt die Wertlegung auf zeitgerechte Ausstattung, von der Mühle angefangen über die Requisiten und die Kleidung bis hin zum Make-up der Akteure (ja, auch dreckige Gesichter bedürfen der Maske). Das Bemühen gelingt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen gegen Ende des 30-jährigen Krieges exemplarisch einzufangen, die Kälte während der Wintermonate wird direkt spürbar. Sie bilden den sorgfältig gestalteten Rahmen für die märchenhafte Geschichte, die sich um die Faszination und Verdorbenheit des Bösen und die rettende Kraft von Kameradschaft und Liebe dreht. Erwachsene Zuschauer werden jene Abkehr vom Effekte-Overkill, der die meisten Blockbuster gegenwärtig bis an die Grenze des Unerträglichen bestimmt, zu schätzen wissen.

Warum trotz guter Zutaten ein zwar gesundes, aber im Geschmack kraftloses Produkt entstanden ist, liegt an der braven, unspannenden und wenig gruseligen Inszenierung. Christian Redl bemüht sich redlich um die Verkörperung des zwielichtigen Meisters, aber Zeuge seiner Kunst werden wir selten. Die Mühle, effektvoll belichtet und knarrend im Ton, gleicht eher einer Theaterbühne mit langen Dialogen denn einem verwunschenen Haus. Und zu allem Überfluss ist die Szene, als die Lehrlinge ihre Zauberkräfte gegen marodierende Soldaten zum Einsatz bringen, mit Verlaub hastig und recht unübersichtlich choreographiert. Bei aller Liebe zur Vorlage hätte eine Prise mehr Grusel KRABAT den nötigen Pepp geliefert, um ein wirklich guter Film zu sein.

Ich bin sicher, dass sich bei nächtlicher Lektüre spannendere Bilder im Kopf einstellen. Wer also Zeit und Muße hat, dem sei das Eintrittsgeld besser zur Investition in die Printversion empfohlen.


About this entry