BANK JOB

The Bank Job     (USA, GB, Aus, 2008)

Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais. Kamera: Michael Coulter. Musik: J. Peter Robinson
Mit: Jason Statham (Terry Leather), Saffron Burrows (Martine Love), Stephen Campbell Moore (Kevin Swain), Richard Lintern (Tim Everett), Peter Bowles (Miles Urquart), Gerard Horan (Roy Given), David Suchet (Lew Vogel), Peter de Jersey (Michael X) u. a.
112 Minuten     (6 von 10 Punkten)

The Bank Job
(Bildrechte: Kinowelt)

Synopsis: London, 1971. Der kriminelle Aufstieg des Schwarzen Michael X ist dem Geheimdienst schon länger ein Dorn im Auge, zumal der Mann gerne pikante Paparazzi-Fotos von Prinzessin Margaret einsetzt, um der Justiz zu entschlüpfen. Als ein Bankschließfach als deren Versteck bekannt wird, heuert die Britische Krone über Mittelsmänner eine Gruppe Schmalspurganoven um Terry Leather an, die den Tresorraum ausnehmen soll. Der Coup gelingt, doch unversehens haben die Gauner aufgrund weiterer brisanter Dokumente vor Ort einen Haufen Verfolger an den Hacken.

Kritik: Dass das britische Königshaus neben ordinären Affären auch in handfeste kriminelle Machenschaften verstrickt war, ist nicht erst seit Jack the Ripper eine weit verbreitete Ansicht. Der Einbruch in der Lloyd’s Bankfiliale an der Baker Street September 1971 ist ein Beispiel aus neuerer Zeit und die auferlegte Sperrfrist bis 2054 für die Offenlegung der Akten Gewähr dafür, dass die sicherlich not amused’e Elizabeth II ein erneutes Aufflammen des Skandals nicht mehr erleben muss.

BANK JOB fußt auf den Ereignissen jenes „Walkie-Talkie Bank Jobs“ (wie er im Volksmund genannt wurde) und bedient sich eines Stils, der dem der Filme Guy Ritchies in seinen besten Zeiten (BUBE, DAME, KÖNIG, GRAS; SNATCH – SCHWEINE UND DIAMANTEN) sehr nahe kommt: Schnelle Schnittfolgen, sprunghafte Wechsel der Handlungsorte, zulangender Gebrauch der Filmmusik und eine Darstellung der Londoner Unterwelt, wie sie mit großen Haien, kleinen Fischen, Mitläufern und Halbseidenen bevölkert ist. Die Bilder sind immer um einige Lux zu dunkel gehalten, erscheinen schmutzig, Proll-Atmosphäre allenthalben, und das sanfte Siebziger-Jahre-Flair beschert dem Betrachter ein Gefühl milden Amüsements.

Parallelen zu Guy Ritchie werden aber nicht nur durch die turbulente Handlung besonders zu Beginn des Films deutlich, sondern auch durch die kurz und knackig typisierten Gestalten. Allen voran Jason Statham, der schon in den oben genannten Werken mitgewirkt hat. Als Zugpferd wird er die Freunde des gepflegten Hau-Drauf-Kinos in die Lichtspielhäuser locken. Wer sich allerdings eine Wiederholung seiner Darstellung in TRANSPORTER und CRANK erhofft, der wird über weite Strecken enttäuscht sein. Sein Terry Leather zeigt eher einen Normalverbraucher, der weder durch Physis noch intellektuelle Stärken herausragt. Das ist zunächst gewöhnungsbedürftig, aber sicherlich kein Vorwurf. Ein unbedingter Stilbruch ist indes leider im Schlussdrittel des Films zu verzeichnen, wo sich Regie und Drehbuch nicht hatten verkneifen können, mit Statham im Einzelkampf gegen diverse Widersacher den Action-Star heraushängen zu lassen.

Nicht nur im Charakter der Hauptrolle zeigt BANK JOB eine Ambivalenz, sondern auch in der Grundausrichtung des Films überhaupt. Der vorrangige Eindruck ist der von einer rasanten Gaunerkomödie, die mit einigem Tempo die Puzzleteile zusammensetzt und auf den vorläufigen Höhepunkt = Bankeinbruch zusteuert. In dieser Phase ist oft Grund zum Schmunzeln gegeben, der Dilettantismus der Ganoven weckt Sympathie, Saffron Burrows als femme fatale und Richard Lintern als Bond-Verschnitt spielen schön überdreht. Danach schlägt der Film allerdings eine härtere, zuweilen brutale Gangart an, bei der kaum mehr Komik oder Selbstironie zu erkennen sind. Warum die Abkehr von der Lockerheit nötig war, kann auch der Hinweis auf die realen Hintergründe nicht klären, weil im Dunkeln bleibt, was Fiktion ist und welche Details als Tatsache Eingang gefunden haben.

Vielleicht liegt der Grund in der Person des Regisseurs Roger Donaldson, der gerne mal zwischen Action-Kino und Charakterstudien pendelt (zuletzt drehte er MIT HERZ UND HAND mit Anthony Hopkins). Aber wer „nur“ einen kleinen furiosen Gangsterfilm mit Herz für Underdogs sehen will, der ist mit BANK JOB gut bedient.


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