UNSERE ERDE

Unsere Erde      (Earth * Großbritannien, Deutschland, 2007)

Regie: Alastair Fothergill, Mark Linfield. Drehbuch: Alastair Fothergill, Mark Linfield, Leslie Megahey. Originalmusik: George Fenton. Kamera: Richard Brooks Burton, Andres Shillabeer, Schnitt: Martin Elsbury. Erzähler (dt. Fassung): Ulrich Tukur
99 Minuten      (6 von 10 Punkten)

Unsere Erde
(Bildrechte: Universum Film)

Synopsis: Neu aufbereiteter Auszug aus der elfteiligen BBC-TV-Serie PLANET EARTH über das Leben auf unserem Heimatplaneten. Als roter Faden dient die Präsentation einzelner Lebensräume, geographisch beginnend vom Nordpol über den Äquator bis hin zur Antarktis, und die Wirkung von Sonne und Wasser auf die dort beheimateten Tierarten. Der Schwerpunkt liegt auf den Wanderungen von Eisbären, Elefanten und Buckelwalen.

Kritik: In UNSERE ERDE wird nach akribisch-geduldiger Vorarbeit und auf technisch hohem Niveau das gezeigt, was die Macher der erfolgreichen BBC-Dokumentation für leinwandtauglich hielten. Und schon frage ich mich in kritischer Weise, ob es sich um die qualitativ (sprich optisch saubersten, spektakulärsten, zuschauertauglichsten) Szenen handelt oder die Auswahl harmonisch auf das Gesamtprodukt Spielfilm zugeschnitten wurde. Der Mittelweg ist wohl letztendlich dabei herausgekommen, die Reader’s Digest-Ausgabe eines großen Werkes, welches selbst nur annähernd die Vielfalt unserer Welt zu beschreiben vermag.

An den Aufnahmen selbst gibt es erwartungsgemäß nichts zu mäkeln: Sie sind immer nahe am Geschehen, ohne Einfluss zu nehmen, schwer- und Un-Sichtbares wird durch Zeitraffer und Satellitenbilder verdeutlicht, und die Luft- und Unterwasseraufnahmen zeigen die „Akteure“ aus zum Teil abenteuerlichen Perspektiven, was beim Publikum zu einer doppelt atemberaubenden Wirkung führt. Spektakuläre Jagdszenen befriedigen die martialischen Gemüter, während das Kleingeflügel die Oscars für die beste Nebenrolle einheimst. Die mehr als 5 Jahre Arbeit von 40 Kamerateams an 200 verschiedenen Drehorten (Info nach Imdb.de) haben sich optisch unbedingt gelohnt. Interessant wäre es zu erfahren, mit welchen Mitteln die Macher vor Ort vorgegangen sind, eine Frage, die gewiss durch ein „Making of“ auf der DVD beantwortet wird.

Die Abfolge der Szenen (von Handlungsverlauf zu sprechen wäre maßlos übertrieben) ist nur durch eine sprunghafte Wanderung von Norden nach Süden verbunden und die Auswahl der gezeigten Tiere recht willkürlich. Die Säuger sind eindeutig in der Mehrzahl, Vögel folgen mit Abstand an zweiter Stelle, der Hai springt für die sonst gerne gezeigten Orkas (ein) und Reptilien, Amphibien und Insekten mussten leider draußen bleiben. Ab und an widmet sich das Team um Mark Linfield und Alastair Fothergill (letzerer nahm schon 2003 beim Unterwasseropus DEEP BLUE auf dem Regiestuhl Platz) der Färbung von Gräsern und dem Wachstum von Pilzen und Flechten, was nett anzuschauen, aber in einem im Grunde Tierfilm zeitverlustig ist.

Der Gefahr, ein bewegtes Bilderbuch zu produzieren, versuchen die Macher von UNSERE ERDE durch die eingehendere Darstellung von Eisbär (= Norden), Elefant (Mitte) und Buckelwal (Indischer Ozean bis Antarktis) zu begegnen. Hier wird dem Publikum etwas mehr an Hintergrundinformation mitgeliefert als bei den anderen Momentaufnahmen, wo der Erzähler (in der deutschen Version: Ulrich Tukur) meist nur die Art benennt und knapp das Geschehen beschreibt. Einige gleichartige Szenen und die Top-Tiere (Eisbär, Löwe, Leopard, Delfin) wird man gewiss an anderer Stelle schon gesehen haben. Als beinharte Dokumentation kann die Spielfilmversion von UNSERE ERDE ohnehin nur eingeschränkt bezeichnet werden. Vielmehr ist es eine ausgesucht unbefleckte Darstellung unseres Planeten in Hochglanzoptik, die sich als kurzweilig-berauschender Zeitvertreib für das Kind ab 6 Jahren und den unreflektierenden Erwachsenen gut eignet.

Dermaßen über 90 Minuten lang gebettet in opulenter visueller Dramatik erschienen mir die Texteinblendungen vor dem Abspann wie ein überflüssiger Zeigefinger. Klar, dass heutzutage nichts ohne eine Last-Minute-Warnung vor dem Niedergang unseres Planeten geht, aber im Vergleich zum Gesehenen wirkt der Appell – bei allem Verständnis – wie ein später Stilbruch. Für die eine Gruppe Zuschauer ist der Genuss des Filmes schlagartig dahin, für die andere, die schon während der gesamten Laufzeit ein leises Bedauern angesichts der unumkehrbaren Zerstörung des Paradieses Erde durch den Menschen verspürte, ist die explizite Aussage nur mehr marginal und damit überflüssig.


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