KEINOHRHASEN

Keinohrhasen      (Deutschland, 2007)

Regie: Til Schweiger. Drehbuch: Til Schweiger und Anika Decker. Kamera: Christoph Wahl. Musik: Dirk Reichardt u.a.
Mit: Til Schweiger (Ludo), Nora Tschirner (Anna), Matthias Schweighöfer (Moritz), Alwara Höfels (Miriam), Armin Rohde (Bello), Rick Kavanian (Chefredakteur), Barbara Rudnik (Lilli) sowie Wolfgang Stumph, Christian Tramitz, Jürgen Vogel, Wladimir Klitschko, Yvonne Catterfeld u.a.
115 Minuten      (5 von 10 Punkten)

Synopsis: Deutschland, Gegenwart. Der mit allen Wassern gewaschene Klatschreporter Ludo wird nach einem fehlgeschlagenen Rechercheeinsatz zu 300 Stunden Sozialarbeit verurteilt. Einsatzort ist der Kinderhort von Anna und Miriam, und besonders Anna hat mit dem früheren Klassenkameraden noch verschiedene Rechnungen offen.

Kritik: Um gleich einseitig besorgte Gemüter zu beruhigen: Dem erwachsenen Kinogänger wird nicht zu viel Kindermund zugemutet. Für den, der mit oberschlauen Gören oder den üblicherweise durch Körperausscheidungen verstärkten Tollpatschigkeiten kleiner Erdenbürger auf Kriegsfuß steht, stellt KEINOHRHASEN keine Bedrohung dar. Im Vergleich zu den Zoten der übrigen Story stellt der Kinderhort gar eine Oase der Ruhe und Normalität dar. Und müsste ich dem Film Tiefgang attestieren, dann priese ich sein Bemühen, das Ideal der natürlichen Unbekümmertheit (repräsentiert durch Anna und den Hort) im Gegensatz zur schnelllebigen Glitzerscheinwelt zu propagieren. Bitte sehr.

Kein Fehlgriff ist sicherlich auch die Wahl von Nora Tschirner als Hauptdarstellerin. Es ist zwar nicht unbedingt eine Oscarrolle und Frau Tschirner nicht die einzig mögliche Besetzung (zumal sie, 14 Jahre jünger als Schweiger, als dessen Klassenkameradin durchgehen soll), aber sie entschuldigt für vieles, was im Film an anderer Stelle gut gemeint, aber nicht gut gemacht ist.

Von einem familientauglichen Screwball-Lustspiel trennen KEINOHRHASEN nämlich vor allem das dafür notwendige Timing und Gespür für Details. Verständlich, dass zu Beginn des Films auf die bewährte Zutat Tempo gesetzt wird, um Ludo als windigen Taugenichts zu charakterisieren. Gaststars und Sketcheinlagen geben sich die Klinke in die Hand, das Publikum ist entzückt. Dieser Pfad wird allerdings nicht als erledigt abgehakt, sondern bleibt als Nebenschauplatz virulent. Manche Zote lässt sich damit zwar einbauen, vom Hauptsujet wird aber häufig in unpassender Weise abgelenkt.

Der erzwungene Arbeitseinsatz im Kindergarten bietet nunmehr Raum für mancherlei spitze und wortreiche Auseinandersetzung zwischen Anna und Ludo. Die Nebendarsteller im Alter von drei bis sechs Jahren steuern mit naiver Offenheit oder durch simple Niedlichkeit ein entwaffnendes Bild der Idylle bei, an dem sich der hartgesottene Macho doch bitte die Zähne ausbeißen soll. Was die Autoren Schweiger und Decker nun geritten hat, sehr zeitig auf den Hort als Arena zu verzichten und sich statt dessen auf Scharmützel und Gefühlsdramen auf externem Gebiet (Wohnungen, Cafés, Ausflugsplätze) zu verlegen, ist nicht ganz nachvollziehbar. Denn schon am dankbaren Ort des Kindergartens wäre mehr drin gewesen und zünden manche sehr in den Klamauk gehende Gags nicht. Schweigers einseitige Mimik ist bekannt, die Verhässlichung von Anna (durch Brille, Kleidung, Nachname) und die Traumata ihrer Schulzeit wären aber vermeidbar gewesen und zielen nur auf die plumpe Befriedigung niederer Publikumserwartungen.

Als die Kinder erst einmal aus dem Spiel sind, widmet sich der Film den zunehmend verrückt spielenden Hormonen der Hauptdarsteller. „Was sich liebt, das neckt sich“, heißt es im Volksmund, und Annas Gefühlschaos mitzuerleben, weckt beim Zuschauer ein ums andere Mal Humor und Beschützerinstinkt. Schweiger hingegen kann es nicht lassen, seinen Ludo selbst in fortgeschrittener Phase der Story noch reichlich in Wort und Bild als Sexbesessenen darzustellen. Das mag bei einer bestimmten Zielgruppe Punkte machen, läuft der ins Romantische steuernden Komödie aber zuwider. Zumal paradoxerweise Anna sehr viel mehr Haut zeigt als Ludos One-Night-Stands. Ihre schüchterne Nacktheit ist dabei wirksamer als jede wollüstige Suche nach dem G-Punkt und obendrein angemessener für einen Film mit der Altersfreigabe „ab 6 Jahren“.


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