RATATOUILLE

Ratatouille      (USA, 2007)

Buch und Regie: Jan Pinkava & Brad Bird
Produzent: Brad Lewis. Kamera: Robert Anderson, Sharon Calahan. Musik: Michael Giacchino.
Mit den Stimmen von: Patton Oswalt, Ian Holm, Brad Garret, Janeane Garofalo, Lou Romano, Brian Dennehy, Peter O’Toole (Orig.). Axel Malacher, Stefan Günther, Gudo Hoegel, Elisabeth von Koch, Tim Mälzer (dt. Fassung)
111 Minuten      (7 von 10 Punkten)

Ratatouille
(Bildrechte: Buena Vista)

Synopsis: Frankreich, irgendwann in der Gegenwart. Remy ist keine Ratte wie alle anderen. Sehr zum Missfallen seines Vaters Django verschmäht er das Schlaraffenland der Abfälle und fühlt sich gar zu höheren Küchenweihen berufen. Die Chance kommt, als er im Pariser Restaurant seines verstorbenen Idols, des 5-Sterne-Kochs Auguste Gusteau, dessen liebenswerten, aber unbeleckten Sohn Linguini aus der Patsche hilft, als jener eine wichtige Suppe zu ruinieren droht. Unter der ständigen Gefahr, von dem missliebigen Chef Skinner, den Küchenkollegen und Gesundheitsbehörde entdeckt zu werden, bilden die beiden bald ein unschlagbares Team.

Kritik: Endgültig vorbei sind die Zeiten, in denen sich die Macher der aus Bits und Bytes erschafften Wesen auf möglichst glatte Oberflächen beschränkten und Oger, Fische oder Autos ins Rennen schickten. Remy, der Held in RATATOUILLE, und seine befellten Kollegen sind perfekt animiert, da sitzt jede Bewegung der Augen, Ohren, Nase und Haarspitzen. Seine Läufe und Verfolgungsjagden durch Hohlräume und enge Gänge, die Kletterei auf allen Materialien bis hinauf auf 90 Grad: Es ist ein Erlebnis zuzuschauen. Jenseits der Aktion brilliert der Film mit Postkartenbildern von Paris und dem Mikrokosmos Restaurant, der mit allerlei skurrilen Typen bevölkert ist. Disney bzw. Pixar präsentieren sich wieder einmal auf der Höhe der Zeit, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Die Handlung besteht aus den üblichen Elementen, die jenen Filmen oft zum Erfolg verhelfen: Ein Underdog hat einen Traum, kämpft gegen alle Widerstände, muss Rückschläge einstecken, findet unerwartet Verbündete und reüssiert. Mit einer Ratte wird ein Tier zum Protagonisten gemacht, dessen Ruf – sagen wir mal – nicht unumstritten positiv war ist. Der Film wird ihr auf der Beliebtheitsskala der Haustiere einen mächtigen Schub nach oben verpassen: Hamster und Meerschweinchen, ihr könnt euch schon warm anziehen. Ob es in den USA gegenwärtig auch einen Hype ums Kochen gibt, weiß ich nicht, in Deutschland jedenfalls fällt das Thema auf fruchtbaren Boden.

Der Film besitzt unbeschränkte Altersfreigabe und hat als Gesamtpaket für jeden etwas dabei. Was aber bedeutet, dass sich das erwachsene Publikum mit den Zugeständnissen an das junge (kindliche) Publikum arrangieren muss und umgedreht. Auf kritische Untertöne, wie sie anfangs von Colette als einzige Köchin in der Herrendomäne geäußert werden, wird schnell verzichtet. Den Machenschaften des fiesen Skinner wird pro forma ein Hintergrund angedichtet, der aber ohne Notwendigkeit ist und beim jüngeren Publikum einfach als Eifersucht im Gedächtnis bleiben wird. Das ältere Publikum mag sich über die anfänglichen Fehlversuche (= Verrenkungen) durch die „Fernsteuerung“ Linguinis wundern. Außerdem wird Gusteaus Botschaft „Jeder kann kochen“ so oft wiederholt, bis sie auch der letzte Zuschauer begriffen hat.

Auf ein Übermaß an Schenkelklopfer, Zoten und Ekligkeiten (für die eine Restaurantküche ein fruchtbarer Ort gewesen wäre) wird dankenswerterweise verzichtet, die meisten Lacher verzeichnet RATATOUILLE dann, wenn Remy Gefahr läuft entdeckt zu werden und waghalsige Flucht- und Versteckaktionen startet. Seine Beziehung zu Linguini hat viele hinreißende Momente nonverbaler Kommunikation, die Frage darf aber erlaubt sein, ob der Film mehr an komischem Potential gehabt haben würde, hätten sich Mensch und Ratte auch mit Worten verständigen können.

Dass RATATOUILLE letztlich eher aufs Herz denn auf die Lachmuskeln abzielt, zeigt sich im Finale, als der gefürchtete Restaurantkritiker Anton Ego auf der Bildfläche erscheint und dem verzweifelten Ringen hinter der Küchentür der Todesstoß droht. Nicht nur, dass den überwiegend als Nebenfiguren eingebrachten Menschengestalten ein echter Charakter eingereiht wird, nein: In klassischer Form wird auch noch eine Moral von der Geschicht’ eingewoben.


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