DAS BOURNE-ULTIMATUM

Das Bourne-Ultimatum      (The Bourne Ultimatum, USA 2007)

Regie: Paul Greengrass.
Drehbuch: Tony Gilroy, Scott Z. Burns & George Nolfi, basierend auf dem Roman von Robert Ludlum. Kamera: Oliver Wood. Musik: John Powell
Mit: Matt Damon (Jason Bourne), Julia Stiles (Nicky), David Strathairn (Vosen), Joan Allen (Pamela Landy), Albert Finney (Dr. Hirsch), Scott Glenn (Kramer), Daniel Brühl (Martin Kreutz) u.v.a.
115 Minuten      (8 von 10 Punkten)

Synopsis: Jason Bourne, der abtrünnige Geheimagent wider Willen, ist weiterhin auf der Suche nach seiner verschollenen Vergangenheit. Durch einen Zeitungsbericht aus der Versenkung hervorgelockt, versucht er an die Hintermänner seiner Existenz als menschliche Tötungsmaschine zu kommen. Genau das wollen diverse US-Geheimdienststellen mit ihren Ablegern in Europa verhindern und setzen ihr gesamtes menschliches und technisches Arsenal ein, um Bourne – und seine Kontaktleute gleich mit – aus dem Weg zu räumen. Die Jagd führt über den halben Globus bis nach New York.

Kritik: Im Grunde fährt auch der letzte Teil der Trilogie (mehr Bücher hat Robert Ludlum vom Titelhelden nicht geschrieben) in den Bahnen, die schon die Vorgänger BOURNE-IDENTITÄT und BOURNE-VERSCHWÖRUNG vorgegeben haben. Neueinsteiger dürften kein Problem haben zu erkennen, wie der Hase läuft. Matt Damon trägt wie gehabt den gleichen stoischen Gesichtsausdruck und das grau-schwarze Outfit zur Schau und seine physische Präsenz (ein nun besonders auf dem Filmplakat zur Geltung gebrachtes Feature) verleiht ihn umso mehr den Nimbus der unüberwindlichen Kampfmaschine. Damit ähnelt er eher der Figur des Terminators als der des vom Schicksal gebeutelten Helden John McClane oder des neuen James Bond. Mit seiner Freundin Marie sind tiefere Gefühle gestorben, und wenn ihm Nicky in einer der wenigen stillen Momente des Films das befeuchtete Tuch reicht, dann hat das mehr einen biblischen denn erotischen Anflug.

Das Publikum liebt seinen Helden dafür, und Paul Greengrass tat gut daran, zum Endspiel die taktische Spielweise nicht zu verändern. Die Nebenfiguren treten zwangsläufig etwas zurück in einer Story, die ganz auf einen Helden zugeschnitten ist, der Goliath in der Bourne-Trilogie war und ist eine Geheimdienst-Maschinerie, deren Gesichter austauschbar sind und deren Methoden und Schlagkraft die Aushängeschilder sind. Joan Allen und Julia Stiles sind aber dennoch mehr als nur schmückendes Beiwerk in einer von Männern dominierten Agentenwelt und fungieren – da noch aus dem Vorgänger stammend – nebenbei noch als verbindendes Element der beiden Teile.

Vom visuellen und akustischen Eindruck her ist der Film ein einziges Kraftpaket. Unerbittlich vorangetrieben vom fortdauernden Soundteppich John Powells zerfetzt der Schnitt das Treiben auf der Leinwand in Millionen von Szenenschnipsel, deren Anblick atemberaubend ist und denen das Auge zeitweise kaum zu folgen vermag. Die Sichtweise wechselt im Sekundentakt, oft noch rascher. Schnitt und Tempo finden ihre Entsprechung in den kalten, nüchternen Bildern der Metropolen, in denen sich das Katz- und Mausspiel mit potentiell tödlichem Ausgang abspielt. Vom ursprünglich verdrehten Rohmaterial dürfte bei einem derartigen Aufwand nur ein Bruchteil Eingang in den Final Cut gefunden haben. Es ist nicht möglich zu entscheiden, welcher Abschnitt des Filmes den Höhepunkt bildet, jeder für sich überbietet den schon gewohnt hohen Grad der Vorgängerfilme. Schön auch, dass von computertechnischer Einflussnahme mit bloßem Auge nichts zu merken ist. Die Abteilung Stunt verzeichnet im Abspann mehr als 150 Namen.

Bei einer derartigen Überdosis an Leinwanderlebnis unterdrücke ich gerne leichtes Unbehagen an der offenbaren Unverwundbarkeit und operativen Allmacht des Protagonisten. Und nehme mit diebischer Freude zur Kenntnis, wie der Zugang zu den Büros einer Agentur, deren Überwachungs- und Ortungssysteme Handeln und Tun eines jeden schon identifizieren, wenn dieser nur an den Gebrauch des Computers oder Handys denkt, so offen ist wie ein Scheunentor.

Einzig wirklicher Mangel ist das Ende des Films, das zwar in inhaltlicher Konsequenz die Bourne-Identität letztendlich lüften soll, aber dramaturgisch leidlich das Tempo drosselt. Mir als bis dahin verwöhntem Betrachter wurde etwas weh ums Herz, so gut lief der Streifen an sich und war sein Anteil am insgesamt sehr gelungenen Paket der Bourne-Trilogie. Aber: Schwamm drüber.


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