28 WEEKS LATER

28 weeks later      (GB/E 2007)

Regie: Juan Carlos Fresnadillo.
Buch: Rowan Jeoffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesus Olmo, E. L. Lavigne. Musik: John Murphy. Kamera: Enrique Chediak
Mit: Robert Carlyle (Donald Harris), Rose Byrne (Scarlet), Jeremy Renner (Sgt. Doyle), Catherine McCormack (Alice Harris), Imogen Potts (Tammy Harris), Mackintosh Muggleton (Andy Harris) u.a.
100 Minuten      (6 von 10 Punkten)

Synopsis: 28 Wochen, nachdem ein mysteriöser Virus fast die gesamte Bevölkerung Großbritanniens zunächst in blutrünstige Bestien verwandelt und anschließend dahingerafft hat, wagt die US-Armee vor Ort einen Neuanfang. Unter der Kontrolle starker Militärkräfte beginnt die Neuansiedlung von Menschen im Zentrum von London (dem sog. „Distrikt One“). Unvermutet findet man Alice Harris, eine Überlebende, die offenbar immun gegen den Virus ist, aber als Wirtin die tödliche Gefahr weiterhin in sich trägt. Ein Störfall in der Quarantänestation ruft erneut die Katastrophe hervor.

Kritik: In der Besprechung zu 28 DAYS LATER (2002) hatte ich noch bezweifelt, dass es eine Fortsetzung geben werde. Nun ist es doch passiert. Die drei Überlebenden aus Teil 1 wurden aber nicht eingeladen. Dafür ist Robert Carlyle mit dabei, ein Spezi aus Danny Boyles TRAINSPOTTING-Tagen. Allerdings fungiert Boyle beim Sequel nur als „executive producer und überlässt das Ruder dem Spanier Juan Carlos Fresnadillo, zu dem mein Filmlexikon von 2006 nur den Eintrag INTACTO (2001) hat. Aber das nur am Rande.

Zurück zum Film. Ich fühlte mich bei der Betrachtung von 28 WEEKS LATER an den Entwicklungssprung von ALIEN 1 zu 2 erinnert. Mit einem Mal sieht man, dass Geld da ist. Tricktechnisch wird nicht gekleckert, die Ausstattung – vor allem an militärischem Material und Personal – ist üppiger geworden, aus der wackeligen Handkamera mit grobkörnigem Digital-Video wurde Cineplex-taugliche Bild- und Aufnahmetechnik. Im inhaltlichen Vergleich zum jeweils ersten Teil kommt eine erhöhte Feuerkraft zum Einsatz, um der Bestie (hier der Alien, dort das Virus) den Garaus zu machen. Die Großmacht USA wird’s schon richten, wenngleich anhand der Notfallpläne sich eine geradezu naive Einschätzung der Restgefahrenlage dokumentiert. Ist hier eine Kritik an der einer Interventionspolitik versteckt, welche Gutes zu tun gedenkt, aber eher mit den Muskeln denn mit dem Kopf denkt? Und überhaupt: Wo bitte steckt der Beitrag des „Alten Europa“ zur Rettung des Bündnispartners Großbritannien?

Lassen wir das. Denn immerhin wurde aber doch eine Menge Schönes vom Erstling übernommen. Die Eingangsszene ist eindeutig eine Verbeugung Fresnadillos vor Boyle und treibt den Adrenalinspiegel wohltuend in den roten Bereich. Im Anschluss daran – der Zeitsprung von der Anarchie zur Befriedung wird durch eingeblendete Tafeln überbrückt – werden die Kernpersonen der zukünftig um ihr Überleben Kämpfenden vorgestellt, der Film holt im trügerischem Frieden Atem, es menschelt ein wenig. Die Fixierung auf einen Protagonisten, wie sie in Teil 1 der Fall war, fällt schwerer, es ist nicht vorhersehbar, wer’s bis zum Filmende durchhalten kann, und das ist gut so. Die Flucht der Auserwählten vor der in einer fulminanten Massenszene ausgelösten neuen Epidemie endet allerdings nicht in einem Horror-Splatter-Finale im abgelegenen Folterschlosses: Der Großraum London hält genug Locations für den Straßenkampf bis hin zur offenen Feldschlacht bereit und seine Wahl entspricht eher dem Massenpublikumsgeschmack als Boyles Landausflug

Wie sein Vorgänger ist 28 WEEKS LATER in deutschen Kinos erst ab 18 Jahren zugelassen. Abgesehen von den ersten 10 Minuten ist er aber der „harmlosere“ der beiden. Das liegt am inzwischen inhaltlichen Bekanntheitsgrad des Virus-Szenarios, andererseits fehlen den Protagonisten an vielen Stellen die Ecken und Kanten, die im Vorgängerfilm vorhanden waren. In der Gruppe laufen zwei Teenager mit („Welpenschutz“), Zivilcourage und Beschützerinstinkt contra Befehl und Gehorsam (der berüchtigte „Code Red“) erheben sich zum Leitmotiv, der pure Überlebenskampf wird von edleren Motiven aufgeweicht. Das ist sicherlich political correct, das Archaische von 28 DAYS LATER hatte aber seine eigene Atmosphäre, die sich nicht so gefährlich nahe an der Grenze zum Ego-Shooter-Computerspiel bewegte.


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