MOTEL

Motel      (Vacancy, USA 2007)

Regie: Nimród Antal.
Buch: Mark L. Smith
Mit: Kate Beckinsale (Amy Fox), Luke Wilson (David Fox), Frank Whaley (Mason), Ethan Embry (Mechaniker), Scott G. Anderson (Killer), David Doty (Polizist), Mark Cassella (LKW-Fahrer) und viele namenlose Snuff-Opfer
86 Minuten      (5 von 10 Punkten)

David: Ich hätte die Interstate nicht verlassen dürfen.
Amy: Und unser letztes gemeinsames Abenteuer verpassen?

Synopsis: Irgendwo in den USA, Gegenwart. Krisengeschüttelt ist die Ehe von Amy und David Fox ohnehin, jetzt geht es den beiden gar ans Leben. Nach einer nächtlichen Autopanne im Hinterland checken sie notgedrungen in einem einsamen Motel ein. Die im schäbigen Zimmer herum liegenden Videos entpuppen sich als vor Ort aufgenommene Snuff-Movies, und die Erkenntnis wächst, dass keiner der zu sehenden Gäste den folgenden Morgen erlebt hat.

Kritik: VACANCY einfach „Zimmer frei“ zu benennen, das wäre nun doch zu banal gewesen. Stattdessen bedient sich der Verleih nicht ohne Grund eines Titels, der verdammt ähnlich des der beiden HOTEL-Schockerfilme ist. Gefickt eingeschädelt. Bekannte Versatzstücke eingeschlossen: Da ist die falsche Abzweigung, die Autopanne (kein Zurück mehr), Mobiltelefone haben kein Netz, die Eingeborenen sind auf ihre Weise zutraulich (bald wird man sie nicht mehr los), kurzum: Der Abstecher ins fremde Terrain entpuppt sich als ausgewiesener Horrortrip. Die Personenzahl ist überschaubar (nur 8 Rollen, davon drei benannt), nach dem Präludium auf der Landstraße spielt sich alles auf dem Terrain des Motels und der benachbarten Tankstelle ab und mit kaum mehr als sechs Stunden Berichtszeitraum ganz ohne Rückblenden stellt der Film auch den unaufmerksamen Zuschauer vor keine sonderlichen Probleme.

Keine Probleme dürften auch die die Hauptrollen verkörpernden Luke Wilson und Kate Beckinsale gehabt haben. Im ersten Viertel des Films liefern sie als zerstrittenes und von der langen Fahrt ermüdetes Ehepaar einige wirklich komische Szenen ab; ihre Sticheleien gegen- und genervten Blicke füreinander lassen sie unaufmerksam sein für die offensichtliche Falle, in die sie gerade tappen. Elemente der Hitchcock’schen Suspense mit dem Wissensvorsprung des Publikums gegenüber den Akteuren lassen grüßen. Kate Beckinsale spielt nach ihren unsäglichen Ausflügen ins Comic- und Kostümfach endlich mal wieder ungeschminkt, während Luke Wilson, von dem ich außer seiner Teilnahme in THE ROYAL TENENBAUMS (2001) nichts Bemerkenswertes in Erinnerung habe, ganz passabel den in die Enge getriebenen Normalo mimt.

Als um sie herum die Unannehmlichkeiten größer werden (und ich spreche nicht von den Kakerlaken unterm Teppich und dem fauligen Wasser im Bad), schwingt sich MOTEL dankenswerterweise nicht auf, um durch besondere Grausamkeit oder unvorhersehbare Schockeffekte schnelle Punkte zu machen. Wie brutal die Bedroher ist, sieht man nur auf den kurz eingeblendeten Snuff-Video-Schnippseln, während in der Filmhandlung selbst die Killer eher ein Katz-und-Maus-Spiel mit Amy und David veranstalten. Körperkontakt zwischen Freund und Feind gibt’s erst ganz am Schluss. Die Jagd bis dahin geht über verschiedene Hindernisse, einige Wendungen lassen mal die Hoffnung, mal die Verzweiflung die Führung übernehmen, Kollateralschäden sind inbegriffen, und das Publikum folgt dem Ringen mit wechselnder Verzückung und gelegentlichem Augenrollen. Es zeigen sich die bekannten oder erahnbaren Zutaten in neuer Verpackung. Den Film kann man aufgrund der logischen Fadenscheinigkeit und der in groben Zügen vorhersehbaren Handlung nicht bierernst nehmen, und ich vermute, er selbst gibt sich diesen Anspruch nicht. Vor diesem Hintergrund bekommt auch die überspannte Performance von Frank Whaley als Motelmanager eine ganz neue Dimension.

Die Macher von MOTEL schämen sich ihrer Zweitliga-Produktion nicht, sondern spulen munter ein B-Filmchen herunter, das zwar nicht in die Annalen der Filmhistorie eingehen wird, aber immerhin gut genug ist, um damit eineinhalb Stunden Kurzweil zu haben. Falls man nichts Besseres vorhat.


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