LONELY HEARTS KILLERS

Lonely hearts killers      (Lonely hearts, USA 2006)

Buch und Regie: Todd Robinson
Mit: John Travolta (Elmer C. Robinson), James Gandolfini (Charles Hildebrandt), Jaret Leto (Raymond Martinez), Salma Hayek (Martha Beck), Scott Caan (Detective Reilly), Laura Dern (Rene Fodie) u.a.
108 Minuten      (5 von 10 Punkten)

Lonely Hearts Killers
(Bildrechte: 3L Filmverleih)

Synopsis: USA 1949: Der traumatisierte Mord-Ermittler Elmer Robinson dümpelt seit dem Freitod seiner Ehefrau vor drei Jahren im Innendienst. Nachdem er und sein Kollege Hildebrandt mehr durch Zufall zum Tatort des Suizides einer jungen Kriegswitwe gerufen werden, verfolgt er zunehmend besessener die Fährte eines Heiratsschwindlerpärchens, das auch vor Mord nicht zurückschreckt und als die „Lonely hearts killers“ bekannt wurde.

Kritik: Basierend auf einer wahren Geschichte, heißt es, beginnend mit der schicksalhaften Begegnung von Ray und Martha, die sich eigentlich nur gegenseitig ausnehmen wollten, bis hin zum beiderseitigen Ende auf dem elektrischen Stuhl zwei Jahre später. Regisseur Todd Robinson war es offenbar ein Herzensanliegen, den Stoff zu verfilmen, war doch sein Großvater jener einstmals verdiente, dann desillusionierte Cop, der mit der Hinrichtung der Täter auch den eigenen Frieden fand.

Mit seinem Ausflug auf die große Leinwand präsentiert der Enkel nun einen Film, der trotz seines inhaltlichen Potentials auffallend ruhig, beinahe behäbig daherkommt. Computertricks sucht man vergeblich, die Musik bedient sich unaufdringlich einiger zeitgenössischer Klänge und verharrt vielfach gar still. Die Farbgebung ist satt, aber nicht schrill, und die Kamera zeigt schnelle Schnitte und Szenenwechsel nur zum Filmbeginn als Stilmittel, um Rays betrügerisches Tun in der Damenwelt zu karikieren. Wenn nötig, assistiert eine Stimme aus dem Off, um Personen, Orte und Zeitsprünge begreiflich zu machen. Ein in heutigen Zeiten fast schon anachronistisch anmutender Film, der dem Publikum Zeit zum Betrachten der bulligen Autos, der stilgerecht kostümierten und frisierten Darsteller sowie der ausgewählten bzw. im Studio hergerichteten Locations lässt.

Jedoch gilt es zu bedenken, dass nicht unbedingt die Optik, sondern die Aussicht auf eine spannende Serienmörderstory die Zuschauer ins Kino lockt. Zweifelsohne steht mit den Akteuren Travolta, Gandolfini, Hayek und Leto auch die nötige namhafte Schauspielerriege zur Verfügung, um Hoffnungen auf Qualitätsarbeit zu wecken. Indes: Parallel zur Krimihandlung menschelt es ziemlich (vielleicht fehlt daher auch „killers“ im Originaltitel), bei dem das Wesentliche manchmal aus den Augen verloren wird. Zugegeben: Dass der traumatisierte Cop einen Hintergrund bekommt, ist lobenswert, aber die Nebenhandlung mit der gestörten Vater-Sohn-Beziehung und die Liebe zur Kollegin Rene sind kaum mehr als tränenrührige Durchhänger. Hat Robinson zu sehr eine Hommage an seinen Großvater eingewoben? Travolta ist nicht meisterlich, aber souverän, wenn es sich auf seinen Part als Ermittler beschränkt. Mit Gandolfini als Partner liefert er eine gute Vorstellung ab, wenngleich die Fahndungsarbeit etwas holprig und zeitlich undurchsichtig daherkommt.

Weitaus mehr emotionelle Brisanz liegt in der Darstellung der betrogenen Frauen. Was zunächst als Massendelikt eher komisch als berührend ist, gewinnt Tiefe, wenn die Opfer im Laufe der Story Gesicht und Geschichte bekommen. In dieser Teilhinsicht kann der Film Punkte machen. Weit weniger gut ist die Darstellung Gangsterpärchens. Weder gewinnt die als Psychopatin postulierte Martha durch Sprache und Bild Bedrohlichkeit, noch kommt die quälende Abhängigkeit der beiden voneinander überzeugend glaubhaft rüber. Es knistert nicht zwischen den beiden, und Schauer laufen dem Betrachter auch nicht über den Rücken. Eher ist die Anteilnahme an ihrem Tun eine nüchtern beobachtende. Auch die Szene zwischen Martha und Robinson im Verhörzimmer, wenn das Publikum sich einen finalen verbalen Schlagabtausch zwischen der Bestie und dem Jäger wünscht, verpufft in wenigen, mäßig bedeutungsschwangeren Bemerkungen.

Insgesamt bleibt ein Eindruck der Mittelmäßigkeit zurück, der es schwierig macht, eine Empfehlung oder Ablehnung auszusprechen. Eines ist aber klar: Wer auf einen ebenbürtigen Nachfolger von BONNIE UND CLYDE (USA 1967) hofft, wird wohl noch etwas warten müssen.


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