NEXT

Next     (USA 2007)

Regie: Lee Tamahori
Buch: Gary Goldman, Jonathan Hensleigh und Paul Bernbaum, nach der Kurzgeschichte „The Golden Man“ von Philip K. Dick.
Mit: Nicolas Cage (Cris Johnson), Julianne Moore (Callie Ferris), Jessica Biel (Liz), Thomas Kretschmann (Mr. Smith), Tory Kittles (Cavanaugh), Peter Falk (Irv) u.a.
96 Minuten      (3 von 10 Punkten)

Synopsis: USA, Gegenwart: Cris Johnson, der als Magier in einem zweitklassigen Las-Vegas-Club arbeitet, besitzt die Gabe vorherzusehen, was die Zukunft in den nächsten zwei Minuten für ihn vorgesehen hat. Für das FBI, das fieberhaft auf der Suche nach einer in die USA geschmuggelten Atombombe ist, zählt er zu den letzten Hoffnungen. Aber auch die Terroristen bekommen Wind davon und versuchen alles, die potentielle Bedrohung auszuschalten.

Kritik: Auch dieser Film wird Nicolas Cage nicht wieder in die Riege der Schauspieler zurückhieven, deren Agieren durch Wandlungsfähigkeit, Virtuosität und Ausdrucksstärke gekennzeichnet ist. In NEXT spult er, ohne sich wunderlich ein Bein auszureißen, eine Rolle hinunter, die ihm aufgrund seines Namens ein nettes Zubrot eingebracht haben dürfte, aber ebenso von einem B-Schauspieler hätte bewältigt werden können. An seiner Seite ebenso routiniert wie unterfordert: Julianne Moore als taffe FBI-Agentin, die sich (auch nicht neu) in einem Männerteam und gegen die üblichen Widerstände durchsetzen muss. Thomas Kretschmann muss aufpassen, dass er sein Talent nicht an Rollen des bösen Deutschen verschwendet, eine Falle, in die schon Jürgen Prochnow und Til Schweiger getappt sind. Last but not least ist Jessica Biel nicht viel mehr als ein kurvenreicher Blickfang mit Latino-Einschlag.

Die Beschreibung eines Menschen, der aus unerfindlichen Gründen den Ablauf seines persönlichen Schicksals in den nächsten zwei Minuten vorhersehen und beeinflussen kann, ist nicht ohne Brisanz, bietet sie doch Gelegenheit zu einer philosophisch-existentiellen Betrachtung über Selbstbestimmung und Schicksal. Aber natürlich geht NEXT darauf nicht ein, Gespräche zwischen den Akteuren bleiben im Ansatz stecken und bruchstückhaft. Warum die begrenzte Zeitspanne der Vorhersehbarkeit ausgerechnet beim Zusammentreffen von Cris und Liz aufgehoben (d.h. erweitert) wird, dazu ist den Autoren auch nichts eingefallen, der Offenbarungseid wird der Einfachheit halber gleich durch Cris’ Mund kundgetan. Zumindest lässt sich durch diesen Umstand der Spannungsbogen der ansonsten vorhersehbaren Story um einige Grad erweitern.

Für den weniger an erzählerischer Dichte und personeller Ausgereiftheit interessierten Zuschauer bietet NEXT die üblichen leicht konsumierbaren Zutaten zeitgenössischen US-amerikanischen Popcorn-Action-Kinos. Wenngleich deren Qualität nicht aus der Feinkost-, sondern eher der Discount-Abteilung stammt: Die bösen Buben sind aus aller Herren Länder (Schwergewicht Europa) zusammengewürfelt, im FBI-Team ist der Chef mal wieder nicht überzeugt vom Vorgehen seines besten Pferdes im Stall und der nüchtern-abgewrackte Cris wandelt sich vom Einzelgänger zum Action-Held, als es um die Liebe seines Lebens und – natürlich – die Sicherheit der 8 Millionen Einwohner im vermuteten Epi-Zentrum geht. Allerdings ist Cris’ Gabe dramaturgisch ein zweischneidiges Schwert, weil sie ihn praktisch unverwundbar macht und seine Widersacher zu bloßen Fallobst degradiert.

Ich muss es leider sagen: Regisseur Lee Tamahori liefert Dutzendware ab. Vorbei sind seine starken frühen Jahre mit DIE LETZTE KRIEGERIN (1994) und MULHOLLAND FALLS – GEGEN ALLE REGELN (1996). In NEXT blitzen seine Fähigkeiten nur selten auf: Das Katz- und Mausspiel mit den Sicherheitskräften im Casino gleich zu Beginn, die an die bizarren Labyrinthe von M. C. Escher erinnernde Parallelvisionen von Cris im finalen Shoot-Out… Jene Momente sind dünn gesät, in der Hauptsache begnügt er sich mit den handelsüblichen Verfolgungsjagden und Schießereien, die mehr oder weniger gelungen computertechnisch aufgemotzt werden. Hat man sich als Betrachter erst einmal auf dieses Niveau herabgelassen, sind auch die logischen Ungereimtheiten und offenen Fragen nicht mehr wesentlich von Belang.


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