300

300      (USA 2007)

Regie: Zack Snyder
Buch: Zack Snyder u. Kurt Johnstad, nach dem Comic von Frank Miller und Lynn Varley
Mit: Gerard Butler (König Leonidas), Lena Headey (Königin Gorgo), Dominic West (Theron), Rodrigo Santoro (Xerxes), David Wenham (Dilios), Michael Fassbender (Stelios), Andrew Tiernan (Ephialtes) u.a.
116 Minuten    (2 von 10 Punkten)

Synopsis: Griechenland, 480 v. Chr. Das gewaltige persische Heer unter König Xerxes fühlt sich nach seiner Niederlage bei Marathon genötigt, der Welt zu zeigen, wie man mit Störfaktoren umzugehen pflegt und bereitet die Invasion Griechenlands vor. Der spartanische König Leonidas und 300 seiner besten Gefolgsleute stellt sich ihm am Thermopylen-Pass entgegen.

Kritik: Die Faszination, die man unterschwellig noch bei dem Name Sparta verspürt, rührt meiner Vermutung nach größtenteils daher, dass sich im jugendlichen Überschwang die Staatsstruktur und Lebensmaxime jenes Volkes auf die Begriffe Disziplin, Stärke und Treue simplifizieren ließen. Das entsprach viel eher dem, was gemeinhin einem Unterstufen-Gymnasiasten nachvollziehbar war, im Gegensatz zu der trockenen Theorie Solon’scher Gesetzgebung oder des Perikleischen Zeitalters.

Ähnliche Instinkte mögen Comic-Schreiber Frank Miller und Regisseur Zack Snyder zur Ausgestaltung ihrer Opera bewogen haben, tun sie doch in DREIHUNDERT Athen und damit die Wiege der abendländischen Demokratie abfällig als Hort der „Philosophie und Knabenliebe“ ab (O-Ton Leonidas), mit der man einer Bedrohung durch einen entschlossenen Usurpator nicht begegnen kann. Kein Wunder also, wenn der spartanische Rat der Ältesten nur als unbewegliches und leicht beeinflussbares Vehikel und selbst die für die Griechen gemeinhin nicht unwichtige Rolle der Götter als Lug und Trug dargestellt werden. Im Falle einer echten Bedrohung zählt nur die entschlossene Hand eines Führers, und der heißt in diesem Fall Leonidas.

Aus welchem Holz der geschnitzt ist, wird im Rückblick auf die fürderhin legendäre Kindheit des Königs nachhaltig dargestellt. Und nun, als aus dem viel versprechenden jungen Mann ein nicht lange fackelnder Herrscher geworden ist, fehlt nur noch das Opfer für Volk und Vaterland, um seinen Ruhm unsterblich zu machen. Da kommen die Perser doch gerade recht! Die Getreuen schnüren die Sandalen und auf geht’s. Was nach dem Abzug der 301 Tapferen szenarisch in Sparta-Stadt passiert, ist nicht viel mehr als Füllsel und für das nach Action hungernde Publikum reichlich überflüssig. Allenfalls dient die in knappes Tuch gehüllte Lena Headey als Anschauungsobjekt einer stolzen, reinen Spartiatin und Gegenstück zu den Damen, die sich im persischen Königslager lümmeln.

Nun wird keiner behaupten wollen, dass sich die Verfilmung einer Comic-Vorlage als eine getreue Wiedergabe dessen versteht, was Herodot vor 2500 Jahren über die Perserkriege niederschrieb. Was Zack Snyder aber dem Publikum präsentiert, ist ein Machwerk, dessen Glorifizierung von Heldenmut, Opferbereitschaft, unbedingter Gefolgschaft und Überlegenheit der eigenen Überzeugung (Indoktrinierung) zwischen Lächerlichkeit und Unerträglichkeit schwankt. Dass der Film bar jeder Selbstironie ist, schmälert seinen Wert noch mehr. Die Schwarzweißmalerei der Charaktere, die Plattitüden, die einen Großteil der Dialoge ausmachen, die Vorhersehbarkeit der Handlung: Es ist verlorene Liebesmühe, sich differenziert darüber Gedanken zu machen. Im Prinzip reduziert sich die von Pathos triefende Handlung auf markige Sprüche und unablässiges Hauen und Stechen. Die edlen, gestählten und todgeweihten Spartaner metzeln alles nieder, was der Fürst der Hölle an finsteren Gestalten den schmalen Pass hinaufschickt. Jener pflegt die Gesellschaft von gefügigen Frauenzimmern, bedient sich eines (natürlich missgestalteten) Verräters und seine Mannen / Monstren sind wesenlose Gestalten, denen eher früher als später in großartig choreographierten Kampfszenen (Kino&Co, 4/2007, S. 28) ein ewig gleiches Schicksal blüht. Gähn!

DREIHUNDERT ist inhaltlich einfach nur banal, die Spannung verflüchtigt sich nach der ersten Angriffswelle der Perser dramatisch, und selbst die hoch gelobte graphische Umsetzung der Vorlage erreicht diesmal nicht den zum Teil beeindruckenden Variantenreichtum von SIN CITY. (2005) Obwohl die Einspielergebnisse in den USA eine andere Sprache sprechen und die IMDB zu einer hohen Wertung kommt: Diesem zum Blockbuster-Kitsch verkommenen DREIHUNDERT kann ich keine Empfehlung aussprechen.


About this entry