BLOOD DIAMOND

Blood Diamond      (USA/Südafrika, 2006)

Regie: Edward Zwick. Drehbuch: Charles Leavitt
Mit: Leonardo DiCaprio (Danny Archer), Jennifer Connelly (Maddy Bowen), Djimon Hounsou (Solomon Vandy), Jim Mistry (Nabil), Martin Sheen (Simmons), Arnold Vosloo (Colonel Coetzee), David Harewood (Captain Poison), Basil Wallace (Benjamin Kapanay) u.a.
143 Minuten      (7 von 10 Punkten)

Synopsis: Sierra Leone, Gegenwart. Danny Archer, Ex-Söldner und Waffenschmuggler, erfährt von der Existenz eines 100 Karat schweren Diamanten, den der schwarze Mithäftling Solomon Vandy in der Nähe der Felder vergraben hat, wo ihn einst Rebellentruppen zur Arbeit gezwungen hatten. Wieder in Freiheit verspricht Archer Vandy, ihn für den Stein zu seiner verschollenen Familie zu führen. Mit der Hilfe der Journalistin Maddy Bowes, die über die Diamantenlobby recherchiert, finden sie Vandys Frau und Töchter in einem Flüchtlingscamp, Sohn Dia indes wurde als Kindersoldat verschleppt. Die weitere Reise der beiden Männer führt tief ins gefährliche Rebellengebiet.

Kritik: In den letzten Jahren gelangten häufiger Spielfilme mit genuin afrikanischen Themen in die europäischen Filmpaläste und ins Rampenlicht der Preisverleihungen. Terry Georges HOTEL RUANDA (2004) sei genannt sowie der ein Jahr später entstandene DER EWIGE GÄRTNER von Fernando Meirelles. Nun legt Regisseur Edward Zwick einen fast zweieinhalbstündigen Film vor, der vordergründig auf die Verstrickungen der internationalen Diamantenindustrie abzielt, aber im Gepäck noch weitere brisante Probleme gegenwärtiger afrikanischer Befindlichkeiten führt: Das der Warlords und der Kindersoldaten, die Korruption, Waffenschmuggel, Überforderung der Hilfsorganisationen, angesichts der Armut und das Desinteresse der Medien und Weltöffentlichkeit an den Zuständen.

Zwick und sein Team haben ihre Hausaufgaben gemacht: Über den Weg des kristallisierten Kohlenstoffs von der (illegalen) Bergung bis an die Finger von solventen Käufer/innen erfährt der Zuschauer eine Menge Neues, in einer schnellen Collage, die wie ein Fremdkörper in der ansonsten gradlinigen Story anmutet, wird nachhaltig über die Thematik aufgeklärt. Der anderen Zutaten des Hexenkessels Sierra Leone (oder gar ganz Schwarzafrika?) wird das Publikum quasi en passant gewahr, wenn es sich mit den drei Protagonisten auf den Suche nach Vandys Familie macht. Jennifer Connelly agiert in der Rolle der Aufklärerin und des Gewissens der Ersten Welt, in der es doch noch Überbleibsel gibt, die nicht ignorant sind oder nur ans Geschäftemachen denken.

Allerdings tanzt Zwick auf zwei Hochzeiten. Einerseits hebt er besonders im ersten Teil den mahnenden Zeigefinger hoch und breitet in Person und am Schicksal von Archer und Vandy einen apokalyptischen Teppich aus. Andererseits will er auch unterhalten und bietet dem Massenpublikum eine gehörige Portion Actionkino. Dass er von letzterem eine Menge versteht, beweist ein Blick auf seine letzten Werke, und die Choreographie der Schusswechsel und Explosionen in Stadt und Land gehören zum Feinsten, was ich seit langer Zeit gesehen habe. Die „Rekrutierung“ und Ausbildung der Kindersoldaten erreichen bisweilen die Grauenszenarien aus CITY OF GOD (2002).

Die Person des Danny Archer ist undurchsichtig genug gestaltet und bis zum Ende bleibt unklar, ob er die Zweckgemeinschaft mit Vandy nur um des Diamanten Willen eingegangen ist. Sein Reden und Tun sind die treibenden Faktoren der Geschichte. Indes fällt es mir schwer, DiCaprio den kalten, durchtriebenen Ex-Söldner und Waffenschieber abzunehmen, den er hier zum Besten geben soll. Eine weitaus stimmigere Einheit von Rolle und Darsteller ist in Djimon Hounsou zu finden, der im Strudel der Ereignisse an Präsenz dazugewinnt und jederzeit für seine Werte einsteht.

Auf dem Weg durch das Rebellengebiet verliert sich die Kritik an den aufgezeigten Zuständen mehr und mehr. Die Location dient bald vorrangig als Kulisse für die Annäherung der beiden Männer und für die oftmals spektakulären Szenen. Das ist sattsam bekanntes und gekonnt serviertes Unterhaltungskino, und manchmal verhindert nur der vermeintliche Gegenwartsbezug, in Danny Archer einen modernen Indiana Jones zu sehen. Geschmackssache wiederum ist der finale Wechsel von Afrika nach London, um mit der Diamantenlobby abzurechnen. Lobenswert wird damit erneut die Botschaft unterstrichen, allerdings mit Billigung einer formalen Zäsur nach 130 Minuten Schwarzafrika.


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