SCHRÄGER ALS FIKTION

Schräger als Fiktion      (Stranger than fiction, USA, 2006)

Regie: Marc Forster. Buch: Zach Helm
Kamera: Roberto Schaefer. Musik: Britt Faniel, Brian Reitzell
Mit: Will Ferrell (Harold Crick), Maggie Gyllenhaal (Ana Pascal), Dustin Hoffman (Professor Jules Hilbert), Queen Latifah (Penny Escher), Emma Thompson (Karen ‚Kay’ Eiffel), Tony Hale (Dave), Tom Hulce (Doktor Cayly), Linda Hunt (Doktor Mittag-Leffler) u.a.
113 Minuten      (6 von 10 Punkten)

Schräger als Fiktion
(Bildrechte: Ascot-Elite)

Synopsis: „Die besten Geschichten schreibt das Leben“, heißt es. In SCHRÄGER ALS FIKTION ist es allerdings umgekehrt und die Schriftstellerin Karen Eiffel, die das Leben des real existierenden Steuerbeamten Harold Crick entwirft. Was sie in ihrem neuen Roman zu Papier bringt, vollzieht sich als sein Denken und Tun. Dass ihm dies verborgen blieb, liegt an der seit 10 Jahren andauernden Schreibblockade von Karen und folglich einer Erstarrung seines Daseins in Regelmäßigkeit und Monotonie. Eines Tages nun glaubt Harold eine Stimme zu hören, die gleich einem Audiokommentar zeitweise seinem Handeln folgt. Nach ernüchternden Besuchen bei diversen Psychiatern landet er beim Literaturprofessor Hilbert, der dessen Los als das des tragischen Helden eines in der Vollendung befindlichen Romans diagnostiziert. Handlungsbedarf besteht insofern, als dass die Helden in Tragödien bekanntermaßen am Ende immer sterben müssen.

Kritik: Es ist ein müßiges Unterfangen, nach einem tieferen Sinn oder versteckten Botschaften in SCHRÄGER ALS FIKTION zu forschen. Kritik am amerikanischen Steuersystem bleibt ebenso marginal wie die an den Seelenklempnern. Und die Weisheit, sein Leben zu überdenken und Träume zu verwirklichen, so lange noch Zeit dafür ist, ist nun auch nicht neu. Nein: Vor allem und überhaupt haben wir es hier mit einer kleinen und schrägen (sic!) Komödie zu tun, in der ein unscheinbarer Junggeselle in den besten Jahren mehr und mehr das mulmige Gefühl verspürt, dass irgendwo in seinem wohl geordneten Leben der Wurm drin ist. Eine unbekannte Macht zieht an Fäden, die die Ausrichtung und den Fortgang einer Existenz ausmachen. Parallelen zum Film TRUMAN SHOW (1998) sind unverkennbar, wenngleich dessen gesellschaftskritische Brisanz nicht erreicht wird.

Will Ferrell, den ich vor Woody Allens MELINDA UND MELINDA (2004) nur als bedauernswerte und peinliche Witzfigur in Erinnerung hatte, bietet einen passablen vierschrötigen Steuerbeamten ohne besondere Eigenschaften. Die Rolle verlangt ihm nicht viel an Wandlungsfähigkeit ab, indes sein ferngelenktes Taumeln durch die Handlung erzeugt beim Betrachter die notwendige Portion Sympathie und Mitleid, um ihn de jure als Hauptperson zu klassifizieren. Von einer Dominanz, wie sie z.B. Jim Carrey ausgeübt hätte, ist die Rolle des Harold Click weit entfernt, und das ist gut so.

Es sind viel mehr die Personen an seiner Seite, die das Salz in der Suppe ausmachen. Maggie Gyllenhall mutiert zwar zu schnell von der Wildkatze zum Schmusetiger, verzaubert aber das Publikum mit ihrer frischen Art, derer man noch nicht durch zu häufiges Sehen auf der Leinwand überdrüssig ist. Dustin Hoffman bekommt vom Drehbuch die besten Zeilen in den Mund gelegt und spielt seinen Professor Hilbert mit einer Mischung aus Nonchalance und Verschrobenheit. Emma Thompson, der ich gerne wieder eine richtige Hauptrolle wünsche, liefert als fahrige Schriftstellerin auf der langen Suche nach Todesszenarien eine bühnenreife Vorstellung ab. Insgesamt meistern die beiden Altstars (darf man das sagen?) ihre Parts mit dem kleinen Finger.

Regisseur Marc Forster rückt rasch mit dem heraus, was es mit der Stimme in Harolds Kopf auf sich hat. Das macht die Story überschaubar, die Gags leichter zugänglich und das absehbare Ende schließt die harmlose, aber amüsante Geschichte stilgerecht ab. Sein neues Werk trägt daher weit mehr Züge seines familientauglichen Vorgängers WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN (2004) als das düstere, ein Jahr später entstandene Verwirrspiel STAY. Viel zum Gelingen trägt auch die Kameraarbeit von Forsters Mann hinter der Linse – Roberto Schaefer – bei: Helle, klare Bilder, die adäquat die Seelenzustände Stillstand und Monotonie (Harolds Welt, Karen) bzw. Lebendigkeit und Wärme (Anas Wohnung und Bäckerei, Hilberts Büro) einfangen. Last but not least überraschend: Der Soundtrack, der Namen wie Spoon, The Clash, Brian Reitzell, The Jam und Maximo Park vereint.


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