THE QUEEN

The Queen      (GB, F, I, 2006)

Regie: Stephen Frears
Buch: Peter Morgan
Mit: Helen Mirren (Queen Elizabeth II), Michael Sheen (Tony Blair), James Cromwell (Prince Philip), Helen McCrory (Cherie Blair), Alex Jennings (Prince Charles), Robert Allam (Robin Janvrin) Sylvia Syms (Queen Mother), Mark Bazeley (Alastair Campbell) u.a.
103 Minuten      (7 von 10 Punkten)

The Queen
(Bildrechte: Concorde Filmverleih)

Synopsis: September 1997. Englands Bevölkerung gibt ihrer Trauer angesichts des Todes von Prinzessin Diana vehement in Wort und Tat Ausdruck. Die königliche Familie zieht sich nach Schottland zurück, hält eine stille und würdevolle Vorgehensweise für angemessener. Als der Unmut der Volksseele den Fortbestand der Monarchie zu gefährden droht, versucht der neu gewählte Premierminister Tony Blair die Königin zum Einlenken zu bewegen.

Kritik: Es gibt wohl kaum etwas, das mehr mit Großbritannien in Verbindung gebracht wird, als die Monarchie. Und jene ist seit mehr als 50 Jahre gleichbedeutend mit Königin Elizabeth II. Einen Kinofilm über jene ur-britische Institution zu machen, der auch noch die kritischen Tage nach Prinzessin Dianas Tod zum Thema hat, ist also keine einfache Sache. Andererseits fragt sich der demokratische Kontinental-Europäer, ob es überhaupt ein publikumswirksameres Thema aus dem Hause Windsor gibt, das einer tieferen Betrachtung wert ist? Und wie wahrheitsgetreu kann ein Film mit Details aus dem Königshaus sein, aus dem sonst nichts die dicken Mauern verlässt?

Stephen Frears, (HIGH FIDELITY [2000], MRS. HENDERSON PRÄSENTIERT [2005]) hat sich des Balanceaktes angenommen und lässt mit dosiert eingestreuten Filmschnipseln aus Reportagen, News-Flashs und Schlagzeilen die Geschehnisse lebendig werden, wie wir sie vor den Bildschirmen und in der Presse mitverfolgen konnten. Vor diesem Hintergrund zeichnet er ein Psychogramm der königlichen Familie, das sich im wesentlichen auf Elizabeth II konzentriert. Die anderen in Bild und Ton vorkommenden Mitglieder werden auf wenige, unveränderliche Eigenschaften und als von der Autorität der Königin beherrscht beschränkt. Helen Mirren, die in der Rolle ihr Alter Ego gefunden zu haben scheint, agiert mit einer geradezu beängstigenden Präsenz und Tiefe, die auch den gleichgültigsten Zuschauer nicht unbeeindruckt lässt. Gleich in der Eingangssequenz, in der Elizabeth dem ihr Portrait malenden Künstler die Verpflichtung und Bürde ihrer Position erläutert und dann ihren entschiedenen Blick in Richtung Publikum wendet, wird die Stärke und Faszination ihrer Person deutlich. Ganz starke Szene.

Die überragende Darstellung der Monarchin ist einer der Pfeiler, auf dem der Film ruht, der andere ist die Interaktion zwischen der neu gewählten Labour-Regierung und dem Königshaus angesichts der „Diana-Krise“. Das Team um Tony Blair, das der Institution durchaus kritisch gegenüber stand (und dem Film ein ums andere Mal durch Äußerungen und verkrampfte Hofknickse komische Momente beschert) und angetreten war, das Land durch Reformen umzukrempeln, barg genug Potential, angesichts dessen man sich von Royals Seite Gedanken machen durfte.

Es bleibt dem Betrachter überlassen zu entscheiden, wie viel Staatsraison und in welchem Maße persönliches Engagement den Ausschlag gab, jedenfalls verkauft uns Frears Tony Blair als den Mann mit Gespür für das Notwendige und damit unfreiwilligen Retter der Monarchie, als jene mit der Volkstrauer um Diana nicht umzugehen wusste. Der Sinneswandel der Königin im schottischen Hochland kommt zwar etwas unerwartet daher – man sah sie bislang nur überzeugt der Pflicht unterworfen -, ihr Auftritt von den Toren des Buckinghampalastes macht das aber wieder wett. In jedem Psychogramm steckt eben auch Gefühlskino.

Der Film mag für das deutsche Publikum auf den ersten Blick wie eine Verneigung vor der Monarchie erscheinen und ihr eine Verlängerung der Existenzberechtigung attestieren. Aber er stellt auch ein achtbares Unternehmen dar, den Menschen hinter der Institution Elizabeth II zu zeigen und die Qualität der Beziehung zu beleuchten, die zwischen der Mehrheit des britischen Volks und ihren Royals besteht. Nochmals: Ein schwieriges Unterfangen, dessen Ergebnis aber vor allem durch die Leistungen der beiden Hauptdarsteller Helen Mirren und Michael Sheen besticht.


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