SEVERANCE

Severance         (Großbritannien/Deutschland, 2006)

Regie: Christopher Smith. Drehbuch: James Moran und Christopher Smith
Mit: Danny Dyer (Steve), Laura Harris (Maggie), Tim McInnerny (Richard), Toby Stephens (Harris), Claudie Blakley (Jill), Andy Nyman (Gordon), Babou Ceesay (Billy), David Gilliam (George Cinders) u.a.
96 Minuten       (4 von 10 Punkten)

Severance
(Bildrechte: Ascot-Elite)

Synopsis: Gegenwart. Zwei Frauen und fünf Männer, Angestellte des englischen Waffenproduzenten Palisade Defence, sollen auf Anordnung ihres Chefs ein Teambildungswochende irgendwo in den Wäldern Ungarns verbringen. Die mittels unzureichenden Kartenmaterials vorgefundene Unterkunft entpuppt sich als heruntergekommene Absteige mit dunkler Vergangenheit. Während die Gestrandeten noch rätseln, ob die Lokalitäten wirklich zum Reisearrangement gehören, mehren sich draußen vor der Haustür die Anzeichen, dass noch mehr Überraschungen zu erwarten sind.

Kritik: SEVERANCE stellt einen Versuch dar, Elemente des Splatter-Movies mit schwarzem, manchmal an Albernheit grenzendem Humor zu verbinden. Schon beim vorherigen Lesen der Inhaltsbeschreibung wuchs in mir die Ahnung, es mit einem Verwandten des 2005 ebenfalls in England produzierten SHAUN OF THE DEAD zu tun zu bekommen. Während im letzteren jedoch eindeutig die komischen Szenen überwiegen (überhaupt der Film eine Verballhornung des Zombie-Genres ist), vermag es Regisseur Christopher Smith und Autor James Moran nicht recht gelingen, ihre Melange appetitlich zu servieren.

Dabei beginnt die Story durchaus viel versprechend. Der Gebrauch von Osteuropa als bedrohliches Terrain für zivilisierte westliche Besucher ist en vogue, die heterogene Reisegesellschaft hat mehr mit internen Zwistigkeiten als dem Erkennen der äußeren Gefahr zu tun, und die eingesponnenen Filmschnipsel, die die Spekulationen der Sieben über die Vergangenheit der Absteige illustrieren, sind ein Highlight des Films. Smith beweist in den ersten 20 Minuten ein Händchen für Atmosphäre, in denen sich die Akteure noch notgedrungen mit dem fehlenden Komfort der Unterkunft arrangieren, während wir als Zuschauer schon in jeder dunklen Ecke den Tod warten sehen.

Der Unterhaltungswert sinkt jedoch dramatisch, nachdem das erste Opfer zu beklagen ist, weil das Gleichgewicht zwischen Komik und Spannung leider in Richtung Gewaltdarstellung kippt. Es fällt in mehreren Szenen wirklich schwer, den Einwand „ist eben Geschmackssache“ gelten zu lassen. Beispiel: Eines der Opfer – und mehr stellt der Großteil der sieben Büromenschen nicht dar – ist an einem Baum gefesselt und mit Benzin übergossen. Der Peiniger, dunkel uniformiert und maskiert, streicht ein Zündholz an. Erstickte Schreie hinter dem Knebel, Augen werden in Todesangst aufgerissen. Das erste Streichholz knickt ab, auch das zweite und dritte brennen nicht. Der Unmut wächst, sein Gegenüber leidet weiter am Anschlag. Bis die Lösung in Form eines Flammenwerfers hereinbricht, die gleißende Hitze sehen wir aus Opfersicht auf uns zukommen. Und Cut! SEVERANCE ist voll mit Tötungsszenarien, in denen z.T. explizite Grausamkeiten mit Details angereichert werden, die das Ganze auch wieder komisch aussehen lassen sollen. Die Gleichförmigkeit des Prinzips ermüdet auf Dauer selbst Freunde jener makabren Machenschaften. Zumal mit jedem Abgang eines Hausbewohners ein aktiv handelnder Charakter verschwindet und die Geschichte verarmt. Der Gegner ist genreüblich banal: Praktisch gesichtslos, omnipotent und nur aufs Töten programmiert.

Eine unterschwellige Kritik an der Waffenlobby, wie sie zu Beginn des Films noch in Bild und Rede zum Ausdruck gebracht zu werden schien, erliegt bald – wenn überhaupt beabsichtigt – dem Hauen und Stechen auf der Leinwand. Fingerspitzengefühl ist dann nicht mehr gefragt, die Endkämpfe der letzten Überlebenden nimmt der Zuschauer mit routinierter Aufmerksamkeit, aber erloschener Leidenschaft zur Kenntnis.

Apropos: Severance heißt ins Deutsche übersetzt auch so viel wie „Durch- bzw. Abtrennung“. Nomen est Omen; da braucht man nicht erst das deutsche Filmplakat zu sehen.


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