PRESTIGE – DIE MEISTER DER MAGIE

*** PRESTIGE – DIE MEISTER DER MAGIE / THE PRESTIGE * Großbritannien / USA 2006 * Musik: Fryderyk Franciszek Chopin, Thom Yorke, u. a. * Drehbuch: Christopher und Jonathan Nolan, nach dem gleichnamigen Roman von Christopher Priest * Regie: Christopher Nolan * Darsteller/-innen: Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine, Scarlett Johansson, Rebecca Hall, Andy Serkis, Piper Perabo, David Bowie, u. a. * 128 Minuten * (5 von 10 Punkten) ***

Synopsis: London, Ende des 19. Jahrhunderts. Die beiden miteinander befreundeten, aufstrebenden Varieté-Zauberer Robert Angier (Hugh „Wolverine“ Jackman) und Alfred Borden (Christian „Batman“ Bale), Zöglinge ihres väterlichen Gönners Cutter (Michael Caine), gelten als hoffnungsvollste Jungtalente der Branche. Doch ihr gemeinsamer Weg ist nur von kurzer Dauer: Bei einem von Alfred verschuldeten Bühnenunfall stirbt Roberts Frau Julia (Piper Perabo aus LOST & DELIRIOUS), und die trotz ihrer anfänglichen Freundschaft bereits spürbare Rivalität zwischen den beiden Magiern verwandelt sich in gegenseitigen abgrundtiefen Hass.

Von nun an werden sie sich auf und hinter der Bühne ein gnadenloses Duell liefern: Während der eine dem anderen mit einem noch ausgefuchsteren Zaubertrick die show zu stehlen versucht, wird der andere versuchen, dem einen entweder genau diesen Zaubertrick abzuluchsen und ihn zu perfektionieren, oder ihn zu torpedieren.

Als Borden der ganz London zu Begeisterungsstürmen hinreißende Zaubertrick „Der transportierte Mann“ gelingt, hinter dessen Geheimnis Angier einfach nicht kommen kann, bricht dieser nach Colorado Springs in die Staaten auf, wo der aus Serbien stammende Erfinder Nikola Tesla (David Bowie) mit seinem Gehilfen Alley (Andy „Gollum / King Kong“ Serkis) bahnbrechende Innovationen in Sachen Elektrizität austüftelt. Tesla wird einen Apparat erfinden, der seinen Besucher von der Insel zum größten Meister der Magie machen wird. Doch Angier, der in seinem manischen Größenwahn seinen Todfeind Borden ein für allemal zu demütigen hofft, öffnet, indem er diesen teuflischen Apparat benutzt, die Büchse der Pandora … mit tödlichen Konsequenzen. Doch Magier wären nicht Magier, wenn sie nicht selbst auch noch dem Tod ein Schnippchen schlagen könnten …

Kritik: In der Kategorie „Seltsamste Filmplakate aller Zeiten“ dürfte sich der deutsche Aushang von THE PRESTIGE wohl einen Spitzenplatz ergattert haben, sieht er doch aus wie die Verpackung eines Zaubereibaukastens für Kinder aus den 70ern („Verwandle Deine Spießer-Eltern in Wasserpfeifen!“), oder wahlweise wie das des (hoffentlich ebenfalls nicht existenten) Standardwerks „LSD-Trips leicht gemacht – Psychedelische Spiralbilder zur Verstärkung Ihres Drogenrauschs“ („Schutzumschlag kann auch als Kotztüte verwendet werden!“) aus dem gleichen unheilvollen Jahrzehnt: Christian Bale und Hugh Jackman schweben, dabei irgendeinen Schabernack mit den Händen vorgaukelnd, in den Ecken dieses merkwürdigen Kinoplakats, aus dessen Mitte sich eine schwarz-weiße Spirale empor windet, bei der sich bei eingehender Betrachtung unweigerlich Augenkrebs beim schaudernden Betrachter einstellt: „Mir schwiemelt! Mir wird eigenwillig! Mich überkommen Blümeranzen!“ (Max Goldt). – Welcher dope head hat denn das Teil designed?

Falls eben jenes Plakat den / die eine(n) oder andere(n) vom Kinobesuch abgehalten hat, so hat es leider seinen Zweck erfüllt. Denn THE PRESTIGE ist trotz seiner wirklich ungewöhnlichen story, die weit über das Format eines bloßen Historienschinkens hinaus geht, eine ziemliche Enttäuschung geworden. Paradoxerweise wird dem Film ausgerechnet sein größter Trumpf zum Verhängnis: Das mit schier unfasslichen Haken und Wendungen aufwartende Drehbuch der Nolan-Brüder (MEMENTO, INSOMNIA) – kommt es doch derart selbstverliebt und eitel daher, dass es seine Figuren zu bloßen Erfüllungsgehilfen der kunstvoll verschachtelten Geschichte macht.

Besonders die hervorragend besetzten Nebenrollen haben darunter zu leiden: Wie die Nolans beispielsweise mit den Frauenfiguren (Scarlett Johansson, Rebecca Hall, Piper Perabo) von THE PRESTIGE umgehen, ist gelinde gesagt eine Frechheit. Zwei Drittel werden einfach so dahingemeuchelt und die dritte (im übrigen die mit dem reizendsten Dekolleté) verschwindet einfach aus der Geschichte, wenn sie nicht mehr gebraucht wird; sie wird ganz bewusst einfach vergessen. Der Besetzungscoup, David Bowie Nikola Tesla spielen zu lassen, ist natürlich großartig, jede Szene mit ihm eine Wohltat, doch auch er kann den Film nicht retten, was letztlich Michael Caine übernehmen muss, der den mimisch überforderten Protagonisten Jackman und Bale (file under: „handsome men without faces“) mühelos die show stiehlt und dieser eiskalt-stringenten mathematischen Gleichung von einem Historienthriller den dringend benötigten charme verleiht, für den diesmal ausnahmsweise einmal nicht Scarlett Johansson verantwortlich ist, dafür ist ihre Rolle als bloße Stichwortgeberin einfach zu winzig geraten.

Visuell ist THE PRESTIGE perfekt, technisch ist nichts an ihm auszusetzen, aber gerade diese Technikverliebtheit lässt ihn geradezu unsympathisch werden. Und: Er ist mit 128 Minuten viel zu lang geraten; selbst als die Nolan-Brüder zum Ende hin das Tempo anziehen und ihrem geckenhaften Drehbuch eine Pointe nach der anderen entlocken, ist das einfach nicht mehr überraschend, weil die twists and turns längst zu Taschenspielertricks mutiert sind, hinter deren mit reichlich Brimborium inszenierte Geheimnisse man viel zu einfach kommt: THE PRESTIGE ist ein Film über Magier, dem jegliche Magie fehlt.

Immerhin, und das ist dem Film hoch anzurechnen, bekommt die historische Figur des Nikola Tesla endlich posthum seine Popkultur-Meriten (auch Jim Jarmusch setzte dem Serben bereits in seiner COFFEE AND CIGARETTES-Episode „Jack shows Meg his Tesla Coil“ mit den White Stripes in den Hauptrollen ein wohlverdientes Denkmal). Wurde Tesla damals doch von seinem, sich im Rampenlicht der Öffentlichkeit suhlenden Rivalen Thomas Edison übelst mitgespielt, worauf THE PRESTIGE dankenswerterweise aufmerksam macht. Wenigstens in dieser Hinsicht entwickelt der Film so etwas wie Gefühle, beziehungsweise ernsthaftes Interesse an einem seiner Charaktere, die ansonsten zu hölzernen Figuren verkommen, welche die Nolans ohne wirkliche Lust am Spiel auf ihrem Drehbuch-Schachbrett hin und her schieben.


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