THE HOST

*** THE HOST / GWOEMUL * Südkorea 2006 * Drehbuch: Chul-hyun Baek, Joon-ho Bong, und Won-jun Ha * Regie: Joon-ho Bong * Darsteller/-innen: Kang-ho Song, Hie-bong Byeon, Hae-il Park, Du-na Bae, Ah-sung Ko, u. v. a. * 119 Minuten * (7 von 10 Punkten) ***

The Host
(Bildrechte: Océan Films)

Synopsis: THE HOST, wenn man das Monster mal ausspart, basiert auf einer wahren Begebenheit: Im Februar 2000 wies ein Mitarbeiter einer US-amerikanischen Militärbasis mitten in Seoul einen koreanischen Untergebenen an, Formaldehyd in den Han-Fluss zu kippen. Letzterer musste wohl oder übel gehorchen, um seinen Job nicht zu verlieren, machte die Missetat aber auch sogleich öffentlich. Doch trotz zahlreicher und lautstarker Proteste sowohl von koreanischer Regierungsseite als auch der einheimischen Bevölkerung wurde der Verantwortliche bis heute nicht belangt, weil die US-Armee sich bislang in dieser Frage erfolgreich quer gestellt hat.

Drehbuchautor und Regisseur Joon-ho Bong ließ dieses Ereignis, das in Korea exemplarisch für das bisweilen herrische Gebaren der US-Armee im Land steht, offenbar keine Ruhe und er stellt mit seinem Horrorfilm THE HOST die gar nicht so weit her geholte Frage des Was-wäre-wenn?

Was wäre also, wenn die in den Han-Fluss gekippten Chemikalien eine biochemische Kettenreaktion ausgelöst und einen Mutanten im Wasser hervorgebracht hätten? Und was wäre, wenn dieses Monster auf der Suche nach Nahrung sich irgendwann aus dem Wasser erheben würde und Lust auf Menschenfleisch bekäme?

Direkt von dieser Frage betroffen ist die patchwork family Park, bestehend aus Großvater, Vater, Tante, Onkel und dreizehnjährigem Mädchen, die einen kleinen Imbissstand direkt am Ufer des Han betreibt, wo sich THE HOST alsbald aus den Fluten erhebt, an Land stürmt und sich über die Bewohner der Millionenmetropole Seoul hermacht.

Tochter Hyun-seo wird von dem Mutant gekidnappt, während die restlichen Familienmitglieder von den Behörden unter dem Vorwand festgehalten werden, sie seien durch die direkte Berührung mit dem Monster kontaminiert: THE HOST wird das Ding aus einer gar nicht so anderen Welt nämlich deswegen genannt, weil es der Wirt einer Seuche sein soll, dem SARS-Virus nicht unähnlich, die bereits einen Angehörigen der US-Armee dahingerafft habe, wovon nicht nur Familie Park, die bald einen verzweifelten Ausbruchsversuch unternehmen wird, ganz und gar nicht überzeugt ist.

Zumal sich Töchterchen Hyun-seo irgendwann per Handy bei ihrem Vater meldet, gefangen im endlosen Kanalsystem der koreanischen Hauptstadt und der nächste Hauptgang auf der üppigen Speisekarte des gefräßigen Monsters …

Kritik: In Münster findet zur Zeit ein kleines koreanisches Filmfest mit elf Filmen aus dem asiatischen Tigerstaat statt, die man sonst wohl kaum in hiesigen Lichtspieltheatern zu Gesicht bekommen würde. Darunter eben auch die Deutschlandpremiere von THE HOST, dessen einzige in Europa kursierende Kopie man dankenswerterweise in die Hände bekam, Lokalpatriotismus intended.

Der derzeit erfolgreichste koreanische Film des Jahres sorgte dann auch für ein ausverkauftes Kino, doch so richtig zünden konnte die Horrorkomödie, die zum Ende hin einen reichlich tragischen Verlauf nimmt, welcher so gar nicht zu den zuvor immer wieder mit großem Lacherfolg eingestreuten Slapstick-Elementen passen will, nicht.

Das liegt Gott sei Dank nicht am ominösen HOST: Das Monster, das gar nicht erst lange auf sich warten lässt und im schönsten Sommersonnenschein seine Fressorgie durch Seoul beginnt, ist hinreißend animiert, geschmeidig und im Vergleich zu dem in Hollywood geschaffenen Mutanten-Allerlei richtiggehend elegant. Und dies, obwohl sein Rumpf einer riesigen Kaulquappe ähnelt, während die Kopfpartie ein wenig von den Raketenwürmern (TREMORS) abgeguckt, wenn nicht gar geklaut zu sein scheint.

Monster gelungen, Film deshalb noch lange nicht. Zweifelsohne ist THE HOST kurzweilig, hat Witz, Esprit und Tempo und die action kommt nicht zu kurz, doch weder die Familiendrama-Komponente, noch das monster movie erzeugen echte Spannung, was nunmal für einen Horrorfilm schon ein Armutszeugnis darstellt. Selbst wenn zum Ende hin der komödiantische Unterton völlig unterdrückt wird, weil der showdown reichlich dramatisch-tragisch gerät, fiebert man kaum mit den sympathischen Protagonisten mit, der glitschige Tentakel des HOST umschlingt das Herz des Zuschauers leider in keiner Sekunde.

Zwar ist es eine Wohltat für westliche Augen, mal einen völlig anderen Monsterfilm zu Gesicht zu bekommen, doch warum THE HOST so überhaupt gar keine Schockszenen auf Lager hat, bleibt ein Rätsel. Hier hat Hollywood dann doch die Nase vorn, denn Monster und Film wirken zusammen genommen dann doch eher harmlos und geraten zunehmend zum Familien- anstatt zum Horrorfilm.

Wirkliche Größe erreicht THE HOST eigentlich nur dann, wenn er, wie es eigentlich jeder gute Horrorfilm machen sollte, politisch wird: Die oben beschriebene Vorgeschichte sorgte wie gesagt für reichlich Zündstoff in Korea, und Drehbuchautor und Regisseur Joon-ho Bong ist sich zum Glück nicht zu schade, diesen politisch-kritischen Unterton beizubehalten, auch wenn dieser leicht anti-amerikanische Züge bekommt: Das Nichtvorhandensein des angeblich vom Monster übertragenen Virus ist natürlich eine mehr als hübsche Allegorie für das Nichtvorhandensein von Massenvernichtungswaffen im Irak, und wenn am Ende die US-Armee ihren chemischen Kampfstoff „Agent Yellow“ (Vietnam-Bezug intended!) auf koreanische Demonstranten und Untier loslässt, wird gleichfalls der südkoreanischen Demokratiebewegung ein durchaus beeindruckendes cinéastisches Denkmal gesetzt.

Fazit: THE HOST macht trotz Defiziten in den Horror-üblichen Kategorien Spannung, Ekel und gore dennoch schlicht und einfach Spaß. Die Slapstick-Elemente wirken vielleicht übertrieben, das Ende gerät unangenehm düster und auch sonst wirkt hier einiges unausgegoren und nicht wirklich stimmig. Aber allein für die hochkomischen Sequenzen, in denen trotz Todesangst und schwindelerregend hohem body count hingebungsvoll an die nächste Mahlzeit gedacht und geschlemmt wird, gebührt THE HOST uneingeschränktes Lob, denn das ist ebenso typisch für das asiatische Kino, wie einfach nur herzerwärmend.

Der angekündigte und auch erwartete Meilenstein des Genres Monsterfilm ist THE HOST aber nun wahrlich nicht geworden …


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