BLACK DAHLIA


Black Dahlia     (The Black Dahlia, USA, 2006)

Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Josh Friedman, nach dem Roman von James Ellroy
Mit: Josh Hartnett (Dwight “Bucky” Bleichert), Aaron Eckhart (Lee Blanchard), Scarlett Johansson (Kay), Hilary Swank (Madeleine Linscott), Mia Kirshner (Elizabeth Short) u.v.a.
121 Minuten      (4 von 10 Punkten)

War das nicht der Eröffnungsfilm der diesjährigen Filmfestspiele von Venedig? Und gehörte Miss Johansson nicht zu den Hollywood-Stars, die am Lido die aufgereihte Fotografenmeute mit ihrer Anwesenheit beglückte? Im Kimono-Kleid aus schwerer Seide von Stella McCartney, die Blume im Haar von Chopard stammend?*

Ähnlich „stylisch“ geht’s auch in Black Dahlia zu, dessen Handlung vorwiegend im Jahre 1947 spielt und kostüm- und dekormäßig mit allem ausgestattet ist, was man einem Film noir in Farbe alles angedeihen lassen kann. Scarlett und Hilary werden sich wie Lana Turner oder Rita Hayworth gefühlt haben. An ihrer Seite die Herren Josh Hartnett und Aaron Eckhart, die mit ihren tief ins Gesicht gezogenen Hüten, Hosenträgern und Krawatten bestückten Anzügen weniger Eleganz, dafür aber maskuline Entschlossenheit ausdrücken. Die schwarze Limousine und die obligatorische Fluppe im Mundwinkel vervollständigen das Bild der Kriminalpolizei von Los Angeles, das Autor James Ellroy in seinen Romanen über Hollywood heraufbeschwört und schon verschiedentlich Einzug (z.B. L.A. Confidential) in die Kinosäle gehalten hat.

Im Vergleich zum o. g. Vorgänger aus dem Jahre 1997 wurden die weiblichen Rollen erheblich aufgestockt, während sich die beiden Kumpel in Black Dahlia schon bei Beginn gefunden haben und gemeinsam den Sumpf von Betrug, Bestechung und Mord in der Stadt der Engel austrocknen wollen. Bei ihren Ermittlungen im Fall des bestialisch zugerichteten Starlets Elizabeth Short steigert sich der impulsivere Lee bald in eine persönliche Obsession hinein, während Buckys besonnenere Recherchen durch die Zuneigung zu Lees Freundin Kay und der Beziehung zur mysteriösen Madeleine Linscott emotional kritisch beeinflusst werden. Die eigentliche Gewinnerin in diesem Reigen zwischen den vier Protagonisten ist allerdings die zu diesem Zeitpunkt bereits tote Elizabeth „Schwarze Dahlie“ Short, deren Auftreten in Form von Schwarzweiß-Schnipseln eingestreut wird. Ihre dort präsentierte teils laszive, teils naiv-unterwürfige Art, gepaart mit dem Wissen von ihrem tragischen Tod, macht sie zum dramaturgischen Höhepunkt, von dem man sich mehr gewünscht hätte.

Stattdessen bekommt man in fast jeder Szene Josh Hartnett vorgesetzt, dessen mimische Wandlungsfähigkeit – höflich gesagt – recht bescheiden ist. Um optisch einen taffen Cop mit scharf geschnittenen Zügen und dünnem Lächeln abzugeben, dafür ist sein prägnantes Gesicht ausreichend (und die fünf Minuten dauernde Rolle als „The Man“ in Sin City (2005) passend mit ihm besetzt gewesen), aber zwei Stunden lang permanent auf der Leinwand? Und in Situationen, die vielleicht ein wenig mehr Ausdruck von innerer Bewegung erfordern …, da zeigte Regisseur De Palma bei der Besetzung kein so gutes Händchen. Aaron Eckhart hat da noch die dankbarste (lebende) Rolle erwischt, denn auch für die beiden Damen hat das Drehbuch bei aller Toleranz nicht viel mehr als Schönsein zu bieten. Am interessantesten, ich sagt es bereits, ist jemand, der zerstückelt auf dem Seziertisch ihren ersten Auftritt hat.

Überhaupt wird die ganz Story bruchstückhaft und wenig stringend zusammengesetzt. Die überbordende Detailfülle und Länge von Ellroys Romanen erfordern Fingerspitzengefühl in Sachen Übertragung auf die Leinwand, die aber stark bei Black Dahlia vermisst wird. Tragisch ist umso mehr, dass Szenen und Personen zwar meisterlich auf Film gebannt werden (z.B. der Boxkampf zu Beginn, die Rolle von Buckys krankem Vater …), aber für Substanz und Fortgang keine Rolle spielen. Die Darstellung der persönlichen Verstrickungen der Hauptpersonen untereinander und mit ihrer Vergangenheit nehmen breiten Raum ein, (zu) lange Zeit bleibt aber schleierhaft, was das denn alles mit dem Mordfall zu tun hat. Die Optik mag zwar stimmen, aber Krimifreunde werden auf eine Geduldsprobe gestellt, die nur unbefriedigend mit dem überhasteten Lösungskonzentrat am Ende des Filmes belohnt wird.

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*so steht’s jedenfalls in: Kino & Co, Nr. 69 = Oktober 2006, S. 19


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