OPEN WATER 2

Open Water 2      (USA, D, 2006)

Regie: Hans Horn.
Buch: Adam Kreutner, David Mitchell
Mit: Susan May Pratt (Amy), Niklaus Lange (Zach), Richard Speight, Jr. (James), Ali Hillis (Lauren), Eric Dane (Dan), Cameron Richardson (Michelle) u.a.
94 Minuten      (5 von 10 Punkten)

„Basierend auf wahren Begebenheiten“ liest man jüngst recht häufig im Vorspann und Open Water 2 macht keine Ausnahme. Und wieder will dieses vermeintliche Gütesiegel suggerieren …, ja, was eigentlich? Qualität? Authentizität? Wahrheit? Als ob es des warnenden Zeigefingers bedarf, der dem erschienenen Publikum wissen lässt: Leute, passt auf, wenn ihr wieder auf eurer Yacht in See stecht. Sonst ergeht es euch wie jenen sechs Jugendfreunden, deren Segeltörn vor der mexikanischen Küste so unheilvoll endet, nur weil in der ausgelassenen Stimmung an ein winziges Detail nicht gedacht wurde. Authentizität als Rechtfertigung für die diversen Inhalte, die sich die beiden Drehbuchautoren ausgedacht haben, wobei Fiktion und Wahrheit nicht näher differenziert werden. Bei Open Water 1 (USA 2003) war es schwer vorstellbar, on ein gehaltvoller, Abend füllender Film aus der Situation von zwei verlassen im Ozean schwimmenden Menschen entstehen könne. Nun multiplizierte man die Anzahl der Paare mit dem Faktor 3 und stellte ein 75-Fuß langes Boot mit zwei Meter Bordwand über Wasser ins Bild, die ohne Hilfsmittel nicht zu erklimmen ist. Das klingt schon besser.

Herausgekommen ist ein Streifen, der wie geschaffen für die Kategorie „Film zum Anschauen zur Entspannung“ ist. Popcorn-Kino mit einer (optisch) ansehnlichen Schauspielerriege, pittoresken Bildern der weißen Yacht, dem blauen Meer, wolkenlosen Himmel und ab und an ein neun Monate altes Baby, das friedlich zu den Takten von „Frère Jacques“ einschläft. Fluch und Segen zugleich ist, dass sich der Film nicht lange mit einer tieferen Charakterisierung der Personen aufhält, sondern die sechs Thirty-Somethings nach 12 Minuten schon jenseits der Schiffswand präsentiert. Freunde des kurzen Prozesses können frohlocken. Im Rahmen dessen, was man als Opfer einer solchen Situation tun kann, schöpfen die Autoren Kreutner und Mitchell aus dem Vollen. Déjà-vu-Erlebnisse fehlen natürlich nicht: Das obligatorische Quäntchen Pech kurz vor Erreichen der Deck-Bodenleiste wird ebenso geliefert wie der Umstand, dass die beschwipsten Partygäste eines vorbei brausenden Bootes die Rufe und das Winken unserer Helden völlig falsch interpretieren. Nach und nach verringern sich die in den Köpfen des mitdenkenden Publikums zurecht gelegten Möglichkeiten und man fragt sich: Was mag jetzt noch kommen?

Open Water 2 wartet auch im Fortlauf der Geschehnisse noch mit einigen Überraschungen auf und besänftigt im Großen und Ganzen für einige zwischenzeitliche Längen. Jene treten immer dann auf, wenn die Protagonisten sich mit Diskussionen und Emotionen aufhalten, statt sich der eigentlichen Lösung zu widmen. Auch das Gejammer, wenn es wieder ein Opfer trifft, trennt das Publikum in genervte Actionfans und empfindsame Mitfühlende. Die schon zu Beginn vernachlässigte, nur auf grobe Zeichnung der Personen reduzierte Charakterisierung erfährt „im Wasser“ keine wesentliche Veränderung. Wenngleich die Typisierung nicht zu aufdringlich daher- und niemand der Sechs unsympathisch rüberkommt, so ist für den Kenner ist die Reihenfolge des Hinscheidens nicht allzu schwer auszurechnen.

Erstaunlicherweise treibt sich in Open Water 2 nur wenig Meeresungetier herum. Damit unterscheidet der Film sich vom oben genannten US-Verwandten und verleiht ihm eine eigene Qualität. Aber leider besteht ein kaum zu rechtfertigender Mangel gerade darin, die Darstellung der Leben bedrohenden Gefahr durch das Wasser in vielerlei Hinsicht zu versäumen. Durst und Unterkühlung werden in ihrer Dramatik nicht adäquat dargestellt. Die Wassertiefe bleibt ein Mysterium. Wie schmerzhaft wirkt Salzwasser auf offene Wunden? Abgesehen von diesen ärgerlichen Details hätte man sich wesentlich mehr Bilder aus der „Fischperspektive“ gewünscht, um das Ausgesetzt-Sein der Menschen in dieser artfremden Umgebung zu unterstreichen. Die ansonsten makellose Kamera von Bernhard Jasper hält sich vorwiegend über der Wasseroberfläche auf. Verschenkt wird dadurch die Betonung der unterschwelligen Urangst vor dem unbekannten Medium, so dass sich im Grunde die fesselnden Szenen ausschließlich auf Aktionen beschränken, die die Personen selbst herbeiführen.


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