WOLF CREEK

Wolf Creek     (Australien, 2005)

Buch und Regie: Greg McLean
Mit: John Jarratt (Mick Taylor), Cassandra Magrath (Liz Hunter), Kestie Morassi (Kristy Earl), Nathan Phillips (Ben Mitchell) u.a.
103 Minuten    (7 von 10 Punkten)


(Bildrechte: Kinowelt)

Westaustralien, Gegenwart: Liz und Kristy, britisch und twenty-something, brechen mit ihrer australischen Mitfahrgelegenheit Ben zu einer Ferientour durchs Outback auf. Nach Besichtigung des einsamen Kraters im Wolf-Creek-Nationalpark springt der alte Ford nicht mehr an und man macht sich auf eine kalte, regnerische Nacht gefasst. Ein zufällig vorbeifahrender Einheimischer bietet an, die drei bis zu seinem Camp abzuschleppen und den Wagen zu reparieren. Ein Angebot, das sie besser abgelehnt hätten …

Natürlich ist Wolf Creek nicht der ultimative Horrorfilm, der dem schon etwas ausgereizten Genre neue Impulse verschafft und alles Dagewesene in den Schatten stellt. Dazu wird zu sehr und schamlos geklaut; der erfahrene Kinogänger wird sich bei diversen Szenen an das eine oder andere Filmchen erinnert fühlen. Allein schon die Grundidee von den sportlichen, unbeschwerten, abenteuerlustigen jungen Menschen, die in der Einsamkeit unbekannten Geländes in Not geraten und an den falschen Helfer gelangen, hat so viele Vorgänger, dass man beinahe schon von einem Sub-Genre sprechen kann. Greg McLean, der Kopf hinter Wolf Creek, vermag aber die entlehnten Versatzstücke aufzupolieren und mit neuen Elementen zu vermischen, dass der Eindruck überwiegt, es mit einem neuen Film zu tun zu haben. Nur selten und kurz schweifen die Gedanken ab in Richtung „Das kenne ich doch aus …“ und vorschnelles Tippen auf den Ausgang der vielen bedrohlichen Szenen wird oftmals mit einer Überraschung beantwortet.

Der Film dreht kontinuierlich an der Spannungsschraube. Das geschieht zunächst unbemerkt, indem sich die drei Protagonisten immer weiter von der heiteren Swimmingpool-Atmosphäre in Richtung unwirtliches Outback entfernen. Beim Zelten vertreibt man sich die Zeit mit schaurigen Erzählungen über Meteoriteneinschläge, UFOs und Geisterstädten. Natürlich schwant dem Zuschauer nichts Gutes, als die Uhren von Liz und Ben zur gleichen Zeit stehen bleiben und der Wagen keinen Mucks mehr von sich gibt. Das führt aber nicht so weit, dass man ihren anschließenden Handlungen jegliches Verständnis verwehrt oder Logik abspricht. Irgendwie, so gesteht man sich insgeheim ein, hätte man vielleicht auch so entschieden. Unterstützt wird diese Empathie dadurch, dass McLean die Rollen mit „normalen“ Schauspielern besetzt hat und nicht mit den oftmals so unsäglichen Chargen, die nur durch Oberweite, Neunmalklugheit oder Bizeps auffallen.

Feinschmeckern unter den Genrefans wird nicht verborgen bleiben, dass die Story ihren eigentlichen Spannungshöhepunkt bereits erreicht, bevor das Inferno losbricht: Die zehn gemeinsamen Minuten an Micks Lagerfeuer gleichen einem Pulverfass, das jeden Moment zu explodieren droht. Und widerlegen den Leitsatz, dass man das Gesicht des Monsters besser erst im letzten Drittel offenbaren sollte.
Danach folgt eine permanente – und exzellente – Achterbahnfahrt, in der es in jeder Phase um das nackte Überleben geht und auch vor expliziter Gewaltdarstellung nicht zurückgeschreckt wird. Folterszenen wechseln sich mit Jagdsequenzen (Unterzeile des Originaltitels: „The thrill is in the hunt“) und urplötzlicher Gewaltanwendung ab. Dem Zuschauer mutet man einiges zu. Von der psychologischen Seite her wird dabei einerseits die eingeschränkte Handlungsfähigkeit in extremen Stresssituationen berücksichtigt, andererseits demonstriert, wie (Orts-)Kenntnisse und vom Verhalten der Beute konsequent in fast übernatürlicher Präzision umgesetzt werden. Will sagen: Die Bestie in Menschengestalt, dem legendären Freddy Krueger gewollt nicht unähnlich, feiert schaurige Urstände.

Wolf Creek birgt keinerlei Humor oder Selbstironie in sich, was ihn nur noch intensiver, beklemmender macht. Also nicht für Alleinreisende zu empfehlen, die einen Trip nach Australien geplant haben. Zumal sich der Film auf Geschehnisse bezieht, die verbunden mit den Namen Ivan Milat (dem Rucksacktouristenkiller) und Bradley Murdoch (Peter-Falconio-Killer) in jüngster Vergangenheit traurige Realität erfahren haben.


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