SILENT HILL

SILENT HILL (USA/F/Japan, 2006)
Regie: Christophe Gans Drehbuch: Roger Avary, Nicolas Boukhrief, Christophe Gans
Mit: Radha Mitchell (Rose DaSilva), Sean Bean (Christopher DaSilva), Laurie Holden (Cybil Bennett), Deborah Kara Unger (Dahlia Gillespie), Tanya Allen (Anna) u.a. 126 Minuten     (3 von 10 Punkten)


(Bildrechte: Concorde Filmverleih)

Christophe Gans ist den eingefleischten Kinogängern sicherlich noch ein Begriff als Regisseur des vor allem in Frankreich extrem erfolgreichen Pakt der Wölfe (2001). Hatte er sich dort einer Legende aus dem 18. Jahrhundert bedient und daraus einen nicht unspannenden, aber überlangen Action- und Mystery-Film gemacht, so basiert Silent Hill auf einem beliebten Computerspiel für die Playstation, dem nun der Weg in die Lichtspielhäuser geebnet wurde.

Die Story ist schnell skizziert: Virginia, USA, Gegenwart: Rose verliert dummerweise ihre 9-jährige Tochter in der vor 30 Jahren evakuierten Stadt „Silent Hill“ und muss während der verzweifelten Suche diverse Abenteuer und mehr oder weniger freundliche Begegnungen überstehen. Das übliche Jagdmotiv also. Aber seien wir doch mal ehrlich: Sinn und Logik sind doch Kür, wenn nur tüchtig an der Spannungsschraube gedreht wird. Nur leider hat der Film selbst in der Pflicht seine Defizite.

Kommen wir zu den positiven Aspekten, die darin liegen, dass viel von der faszinierenden Optik der Vorlage Computerspiel übernommen wurde: Roses Irren durch die Stadt erfolgt in der typischen ruckartig-eckigen Art, hinter jeder Tür verbirgt sich Unbekanntes, beim nervösen Hasten durch dunkle Gänge und Treppenhäuser fühlt man sich zeitweise in die Person der Ego-Shooter hineinversetzt. Was Silent Hill allerdings aus der Masse der (meist schlechten) Umsetzungen ähnlicher Vorlagen heraushebt, ist die visuelle Qualität des Films. Dan Laustsen als Kamerachef (er war auch schon 2001 dabei) beschert dem Zuschauer unerwartete Blicke in tiefe Abgründe, variiert virtuos in der Bandbreite von der Totalen zu Close-ups, von Vogel- zu Froschperspektive und operiert auch mal mit blanken Leinwänden. Die morbide Stadt mit ihren permanent fallenden Ruß- und Aschepartikel und dem grauen Himmel erinnert atmosphärisch stark an die dichte Tristesse in David Finchers Sieben (1995). Für die Akustik zeichnet sich der Erfinder des Spiels – Akira Yamaoka – höchst selbst in Zusammenarbeit mit Jeff Danna verantwortlich und taucht die Szenerie in Nerven reizende Instrumentalclips und Stakkati.

Akustisch und visuell kann also der Film in der ersten Hälfte durchaus überzeugen, die Spannung erfährt im alten Schulgebäude ihren Höhepunkt und der Zuschauer erfreut sich der bedenkenlosen Phantasie des Filmteams hinsichtlich der Kreation der Schreckgestalten. Danach geht’s allerdings schwer bergab, Silent Hill wird leider immer schlechter, trotz vereinzelter bildlicher Leckerbissen. Fatalerweise geschieht dies gerade durch den Versuch, dem Geschehen einen Hauch von tieferem Inhalt zu geben. Was zuvor noch als sinnfreies, aber unterhaltsames Horrorstück anzuschauen war, ergeht sich nun in verbalen Erklärungen des Vergangenen im Angesicht des Bösen bis hin zu der Agitation der Massen mit pseudo-religiösen bzw. okkulten Floskeln. Wenn die Sünden- und Heilsgeschichte ganz spät und aufwändig den bisherigen Geschehnissen aufgestülpt wird, nimmt sie der Handlung die Dynamik, ohne wirklich zur Spannung beizutragen. Da helfen selbst die in Ring-Manier eingestreuten grobkörnigen Video-Sequenzen nicht mehr. Auch die Massenszenen in der Kirche sind im Vergleich zur vorigen klaustrophobischen Enge im „Häuserkampf“ eine echte Enttäuschung und versprühen ungefähr so viel Beklemmung, wie es die Opferungsszene in Indiana Jones II (1984) tat.

Wenn man dann beim (innerlichen) Kopfschütteln angelangt ist, ist der Gedankenschwenk zu den unterforderten Schauspielern nicht weit. Ohnehin ist mit solchen Filmen darstellerisch bekanntlich kein Blumentopf zu gewinnen. Richtig traurig kann es uns um Sean Bean werden, dem einzigen Akteur mit einigem Bekanntheitsgrad: Seine Rolle und überhaupt die gesamte Nebenhandlung hätte ohne Substanzverlust der Schere überantwortet werden können. Und über die Nebenrollen will ich mich erst gar nicht auslassen: Lohnt nicht.

Seit Pakt der Wölfe sind 5 Jahre vergangen, aber Christophe Gans macht immer noch den gleichen Fehler: Fulminanter Beginn und dann Sinkflug bis zur Bruchlandung. Schade.


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