INSIDE MAN

Inside Man     (USA, 2006)

Regie: Spike Lee     Drehbuch: Russell Gewirtz
Mit: Denzel Washington (Detective Keith Frazier), Clive Owen (Dalton Russell), Jodie Foster (Madeline White), Christopher Plummer (Arthur Case), Willem Dafoe (Captain John Darius), Chiwetel Ejiofor (Detective Bill Mitchell) u.v.a.
129 Minuten    (7 von 10 Punkten)

Von Freunden empfohlen, ganz oben in den Hitlisten (auch in der 5. Woche nach Starttermin noch) in Deutschland und USA-Land, da hatte der schon etwas in die Jahre gekommene Bruce Willis mit 16 Blocks (2005) gegen Clive Owen am vergangenen Kino-Samstag nicht den Hauch einer Chance. In Closer (dt: Hautnah, 2004) habe ich ihn ja nicht so recht gern haben mögen, wie er den Macho raushängen ließ und sich durch die Handlung vögelte. Doch ganz geschickt, so stellt er sich, der Bösewicht, im Prolog dem Publikume vor, Aug’ in Aug’ spricht er zu uns, wir sind ganz Ohr, in seinem Bann und harren nicht zweifelnd, nicht verblüfft, sondern erwartungsvoll den Geschehnissen, ja drücken insgeheim die Daumen, dass sein Tun gelingen möge. Gewiss, es geht um eine fiese Tat, eine Bank wird überfallen mitten in New York, ganz bewusst wird in Kauf genommen, dass die Polizei anrückt und Geiseln angeschrieen, herumgeschubst und sogar gefesselt werden. Aber von der ersten Minute an nehmen wird es Dalton Russell nicht ab, dass Blut fließen wird, zu einnehmend ist seine Rolle als Gentleman-Gangster, so dass man sich glatt an Sean Connery erinnert fühlt.

Sein Gegenspieler auf der anderen Seite des Belagerungsringes ist Denzel Washington als Detective Frazier, dem vom Drehbuch diesmal nicht auferlegt wird, gegen sein Image als Saubermann anzuspielen. Im Gegenteil: Sein Part als Verhandlungsführer ist eine Mischung aus professioneller Präzision und persönlicher Nonchalance, und was er seiner Freundin übers Telefon säuselt, das nimmt dem Film schon in den Anfangsszenen jegliche Chance, als minutiöse Darstellung eines Kapitaldeliktes ernst genommen zu werden. So verfolgen wir bestens unterhalten den gut gelaunten Protagonisten in ihrem Tun und wissen insgeheim, dass in der Spike Lee’schen Welt durchaus nicht so ist, dass es nur einen geben kann. Die Soft-Version vom Pacino-De Niro-Duell Heat vom Jahre 1985.

Dritte im Bunde ist Jodie Foster, über die ich las, das sie ihre Rolle toll fand, weil sie seit langem mal wieder in hochhackigen Schuhen laufen und schöne Kleider tragen durfte, die nicht schmutzig wurden. Ihre Madeleine White hat durchaus eine Funktion, die man aber auch ohne sonderlichen Verlust hätte weglassen können. Denzel und Clive reißen es alleine raus.

Ein Mainstream-Film von Spike Lee; man darf sich also wundern. Aber ganz ohne gesellschaftskritische Seitenhiebe geht’s nun doch nicht bei ihm. New York City als Nebeneinander von Rassen, Kulturen und Nationalitäten, von Vorurteilen, Ressentiments und Diskriminierung, immer wieder treten sie in kurzen Szenen und Dialogen hervor (besonders die Befragung der befreiten Geiseln ist voll davon [ups, habe ich hier etwas verraten? Sorry]) und versehen Inside Man mit einer milden Kritik an den gegenwärtigen Verhältnissen.

Nichtstestrotrotz liegt das Hauptaugenmerk des Films zunächst darin, die traditionellen Fronten und die Schachzüge zwischen Geiselgangster und Polizei-Psychologen zu beleuchten, wobei Dalton als Mastermind in der Bank das Heft in der Hand hält, während Fraizer sich auch noch mit den üblichen Dolchstoßenden herumschlagen muss. Im Laufe der Spielzeit stellt sich zwar Dalton (wunschgemäß) als fehlerfrei heraus, das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, weil entscheidende Fragen nach dem Wie und Warum bis zum alles erklärenden Ende offen gehalten werden. Der Film kämpft mit der Problematik, dass sich nach dem Action-Höhepunkt (und dem Schlusspunkt der meisten Vertreter des Genres) die phasenweise Auflösung des Plots noch hinzieht und Frazier seinen Running Gag mit „Big Willie und den Zwillingen“ überflüssigerweise erneut anbringen darf. Aber dann lösen sich die Stirnfalten wieder unter der druckvollen Ethno-Mucke von Sukhwinder Singh + Sapna Awasthi, die einem bis vors Kino begleitet. Spätestens dann setzt die Rekapitulation des Gesehenen ein und die Erkenntnis: Ja, passt, so könnte es klappen und sich lohnen, wenn man nur vorher weiß, wo…


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