GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK.

*** GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. * Japan / Frankreich / Großbritannien / USA 2005 * Musik: Dianne Reeves * Drehbuch: George Clooney und Grant Heslov * Regie: George Clooney * Darsteller/-innen: David Strathairn, George Clooney, Patricia Clarkson, Jeff Daniels, Robert Downey Jr., Frank Langella, Ray Wise, Grant Heslov, Dianne Reeves, Joseph R. McCarthy, Robert F. Kennedy, u. a. * [s/w] * 93 Minuten * (8 von 10 Punkten) ***

Good Night, and Good Luck.
(Bildrechte: Kinowelt)

Synopsis: Die Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1953. Eine Zeit, in der die Aschenbecher größer waren als Salatschüsseln, das Medium Fernsehen noch in den Geburtswehen steckte, und ein gewisser Joseph R. McCarthy, Senator des Bundesstaates Wisconsin, die allgemeine Furcht vor dem Kommunismus dahingehend ausnutzte, dass er scheinbar wahllos Verdächtige, darunter selbst Hollywood-Größen wie Humphrey Bogart oder Lauren Bacall, vor sein Tribunal zerren, und deren Karrieren, beziehungsweise Leben, schlimmstenfalls für immer zerstören konnte. Wobei allerdings nicht unerwähnt bleiben sollte, dass McCarthy tatsächlich – wenn auch nur eine Handvoll, verglichen mit der schwindelerregend hohen Anzahl von Verdächtigen – kommunistische Spione in Armee und Regierung der USA enttarnen konnte.

In dieser Zeit wagten es nur wenige, dem immer rücksichtsloser agierenden Republikaner die Stirn zu bieten, allen voran der integre TV-Journalist Edward R. Murrow (atemberaubende tour de force-performance von David Strathairn), dessen wagemutigem Team aus Reportern und Produzenten der wöchentlichen CBS-Sendung „See it now!“ (im Film dargestellt durch George Clooney, Patricia Clarkson, Robert Downey Jr. und andere) es schließlich gelingen sollte, McCarthy den entscheidenden medialen Dolchstoß zu versetzen, von dem sich der alkoholabhängige Wüterich nie mehr erholen sollte. Er starb nur fünf Jahre später, keine 50 Jahre alt, an einer akuten Hepatitis.

Gleichzeitig sollte dieser Triumph des damals noch jungen Mediums Fernsehen allerdings auch dessen Niedergang einläuten. Angesichts des zunehmenden Einflusses zahlungskräftiger Werbekunden auf das Programm und des allgegenwärtiges Rufes nach mehr Unterhaltung und weniger Information war dem couragiert-investigativen Journalismus der Marke Murrow selbst nur ein kürzer Frühling beschieden …

Kritik: In den USA gilt der Satzanfang „Edward R. Murrow würde sich im Grabe umdrehen, wenn er Wind davon bekäme, dass …“ im Zusammenhang mit Korruptionsskandalen innerhalb von Fernsehstationen und windelweichem Journalismus generell (Stichwort: Irak-Krieg) längst als Klischee, personifiziert Murrow doch bis heute – zusammen mit Legenden wie Woodward und Bernstein, die den Watergate-Skandal aufdeckten (von Hollywood mit Robert Redford und Dustin Hoffman in den Hauptrollen als ALL THE PRESIDENT’S MEN / DIE UNBESTECHLICHEN kongenial verfilmt) – den amerikanischen Urtypus des furchtlosen, hyperkorrekten Journalisten, für den nur Fakten zählen, nicht aber Panikmache und haltlose Verdächtigungen.

Murrow, der während der deutschen Luftangriffe auf London vor Ort war (sein unverwechselbar-markantes „This [Pause] is London!“ wird heute noch zum Beispiel von CNN („This [Pause] is CNN!“) erfolgreich kopiert), später bei den Bombardierungen der Alliierten deren Bomberstaffeln begleitete und derart schonungslos von der Befreiung des KZs Buchenwald berichtete, dass man ihm dies später gar zum Vorwurf machen sollte, ist der Held von George Clooneys nach CONFESSIONS OF A DANGEROUS MIND zweitem Regie-Werk GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. – letzteres war die Schlussformel, mit der Murrow seine Sendung „See it now!“ allwöchentlich beschloss.

GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK., in stilvollem Schwarzweiß gehalten und mit einem, angesichts der nüchternen Bildsprache, geradezu lasziven cool jazz-soundtrack, gesungen von Dianne Reeves, unterlegt, gerät Clooney beinahe zu einem Kammerspiel. Wenn nicht gerade Original-Aufnahmen von den McCarthy-Anhörungen eingespielt werden, findet die Handlung von GNAGL nahezu ausschließlich im Studio 41 des „Columbia Broadcasting System“ statt, und man darf mit wachsender Anspannung Murrow und seinem Journalistentross dabei zusehen, wie sie zunehmend erfolgreich an der Demontage von Kommunistenfresser McCarthy arbeiten.

Sunnyboy und Frauenschwarm Clooney gelingt es dabei nicht nur, sich selbst in der Rolle des Produzenten Fred Friendly so sehr in den Hintergrund zu spielen, dass er neben dem den Film scheinbar allein tragenden David Strathairn als kettenrauchender Edward R. Murrow förmlich gar nicht mehr auftaucht, sondern zeigt auch, dass es ungeheuer sexy sein kann, einem verschworenen Team aus intelligenten Menschen dabei zusehen zu dürfen, wie sie ihre Arbeit, so kompetent wie nüchtern, verrichten.

GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. ist klug, intelligent, stilvoll, elegant und dabei in etwa so cool wie sämtliche Werke von Quentin Tarantino zusammen. Er ist Akademiker-Kino par excellènce und wird selbst in diesen Kreisen so manchen überfordern. Denn trotz überschaubarer Länge (93 Minuten) fordert GNAGL in jeder Sekunde die vollste Aufmerksamkeit des Betrachters und setzt zudem auch noch Interesse und Sachkenntnis für die schwarzweiß illuminierte Epoche der 50er Jahre, für deren Protagonisten und politischen Verhältnisse voraus.

Wer sich darauf einlässt, wird zwar nicht nach herkömmlichen Maßstäben „unterhalten“, dafür aber mit einem Hirnfick sondergleichen belohnt, noch dazu vom sexiest man alive. Mehr kann frau im Augenblick von Hollywood kaum verlangen.

Der anfangs der Kritik zitierte Satzanfang ist im übrigen sachlich falsch. Wie gut unterrichtete Kreise berichten, hat sich Murrow bislang nicht einmal angesichts der Machenschaften von George W. Bush – die Kritik an seiner Politik s(ch)wingt den ganzen Film hindurch mit – im Grabe umgedreht. Konsequenterweise ließ sich der Kettenraucher (Nichtraucher David Strathairn musste für die Rolle 50 Zigaretten pro Drehtag rauchen, was ihn allerdings nicht daran hinderte, nach Beendigung der Dreharbeiten sofort wieder aufzuhören – nur ein Aspekt seiner Oscar-reifen Darstellung!) nämlich einäschern.

Ach ja. Und die Leutchen, die über die enorme Wichtigkeit und den expliziten Gegenwartsbezug von GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. tatsächlich einfach so hinwegsehen können, weil sie vielmehr die böse Omnipräsenz der Zigarette in diesem Film stört, können im übrigen beruhigt in ihr warmes Bettchen zurück kriechen: Edward R. Murrow starb 57jährig an Lungenkrebs. Zufrieden?


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