SOMMER VORM BALKON

Sommer vorm Balkon        (Deutschland, 2005)

Regie: Andreas Dresen. Buch: Wolfgang Kohlhaase
Mit: Inka Friedrich (Katrin), Nadja Uhl (Nike), Andreas Schmidt (Ronald), Stephanie Schönfeld (Tina), Vincent Redetzki (Max) u.a.
110 Minuten        (7 von 10 Punkten)

Synopsis und Kritik: SOMMER VORM BALKON verlässt man einfach mit einem guten Gefühl im Bauch. Und wahrscheinlich auch mit einem Lächeln auf den Lippen. Denn was verlangt das Gemüt in diesen nachweihnachtlichen Tagen und angesichts eines sich schier endlos hinziehenden Januars mehr als bescheidene Zuversicht und ein wenig Sonne?

Sonne gibt es im Film genug zu sehen. Kaum eine Szene ohne das vitalisierende Licht des Sommers, und selbst bei den nächtlichen Treffen auf dem Balkon von Nikes Wohnung wird das kleine Refugium in das warme gelbe Licht einer Petroleumlampe getaucht.

Ja, man fühlt sich gleich heimisch im Großstadt-Kleinod am Prenzlauer Berg. Die Stammkneipe, der Apotheker um die Ecke, die Hunde(scheiss-)wiese…, auch außerhalb des Altbaus spielt sich das Leben in gewohnter Umgebung und beinahe Routine ab. Ein Film wie eine Momentaufnahme. Wir klinken uns ein, begleiten die beiden eine Weile lang und verabschieden uns wieder. Das Publikum zu Gast bei Freunden. Und nach 110 Minuten stellen wir verwundert fest, dass Nike und Katrin bei ihren Bemühungen um das kleine Glück, um das lebenswerte Auskommen am Ende keinen Schritt weiter gekommen sind. Alles beginnt und endet auf’m Balkon. Last but not least wirkt das von beiden Protagonistinnen gesprochene Berlineroisch als Sahnehäubchen auf der Inszenierung des Alltäglichen.

Es wird sicherlich niemanden geben, der nicht Sympathie für die beiden dicken Freundinnen empfindet. Oftmals legen sie eine liebenswerte Naivität an den Tag, lassen sich auf Dinge ein, die „uns so nicht passiert wären“, offenbaren und stehen zu ihren Stärken und Schwächen und brechen im Prinzip während des gesamten Films über eine Lanze für die Tugend der Freundschaft. Inka Friedrich und Nadja Uhl verleihen jenen Charaktern die passenden Körper und Gesichter; der Jury des Internationalen Filmfestivals Chicago war das den „Preis für die beste Darstellerin“ wert. Recht so.

Dritter im Bunde und quasi das Salz in der Suppe Andreas Schmidt in der Rolle des Quartier-Platzhirsches Ronald. Er sorgt dafür, dass das Thema Liebe und Männer nicht nur Theorie bleibt, sondern eine Personifizierung bekommt. Auch zu ihm passt die Bezeichnung „Original“, aber so was von original, dass er den Damen beinahe die Show stielt. Die Lacher hat er jedenfalls auf seiner Seite, und wem das noch nicht reicht, der sollte seine Ohren beim Besuch der Tinas Kneipe aufsperren.

Andreas Dresen gibt sich bedeutend sanfter als noch vor zwei Jahren in HALBE TREPPE. Damals fror man alleine schon beim Anblick des winterlichen Frankfurt an der Oder, und die zerrütteten zwischenmenschlichen Beziehungen der beiden Paare gaben der Story eine zusätzliche Tristesse. Demgegenüber herrschen in Berlin vergleichsweise intakte Verhältnisse. Was nun nicht heißt, dass unangenehme Themen ganz außen vor bleiben: Ein Arbeitsmarkt, in den man mit neununddreißigeinhalb Jahren schon schwer vermittelbar ist. Altenpflege, in deren zeitlichem Korsett kaum Platz für Menschlichkeit bleibt. Die Konsumwünsche eines frisch pubertierenden Sohnes. Und weitere Unpässlichkeiten des Großstadtlebens. Aber das spielt sich alles vor der Haustür ab und bildet eine Art situativen Befindlichkeitrahmen für das Kernthema Freundschaft. Aufgrund dieser Konstellation wird SOMMER VORM BALKON vornehmlich als das in Erinnerung bleiben, was dem Publikum am angenehmsten ist: Die erste deutsche Liebeskomödie des neuen Kinojahres.


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