KING KONG

King Kong      (Neuseeland, USA, 2005)
Regie: Peter Jackson. Drehbuch: Peter Jackson, Fran Walsh, Philippa Boyens, nach der Story von Merian C. Cooper und Edgar Wallace.
Mit: Naomi Watts (Ann Darrow), Adrian Brody (Jack Driscoll), Jack Black (Carl Denham), Andy Serkis (King Kong), Evan Parke (Mr. Hayes), Thomas Kretschmann, Colin Hanks, Jamie Bell u.v.a.
188 Minuten     (6 von 10 Punkten)

Okay, ich gebe es ja zu: King Kong kann man sich ganz gut antun. Für ein Remake gut gelungen. Die Story verlangt nicht allzu große Intelligenz ab, bedient dafür aber Augen und Ohren über weite Strecken mit einer Reizüberflutung, die es schwer möglich macht, den Kopf einen Moment lang von der Leinwand zu wenden. Großes Kino allenthalben, ganz so, wie man es erwartet, wenn man sich bei den derzeit herrschenden Temperaturen für einen langen Nachmittag ins Lichtspielhaus aufmacht und sich von Herrn Jackson in die Neuverfilmung seines Kindheitstraumes entführen lässt. Jenen kindlichen Blick sollte man sich aber auch bewahren, um sich von der Detailfülle und den teils skurrilen, teils bombastischen Bildern des Meisters einfangen zu lassen. Beizeiten beneidete ich die drei Kiddies vor mir in der Reihe, die an den Szenen auf der Insel, den Saurierattacken und natürlich dem Showdown in New York ihre reine Freude hatten. Dem gegenüber hatten sie zu Beginn des Filmes eine fast einstündige Durststrecke zu überstehen und zeigten durch eifriges Schwätzen, dass sie aus anderen Motiven ins Kino gegangen waren, als ausgerechnet Jack Black, Adrian Brody oder Naomi Watts auf der Leinwand zu sehen.

Dabei ist meiner bescheidenen Meinung nach jenes Präludium das eigentlich Herausfordernde. Das Publikum, um es mal provokant zu formulieren, wartet doch im Prinzip nur auf den Affen. Was die „Nebendarsteller“ zuvor gemacht haben und was sie bewegte, zur Insel zu fahren, das ist auch Betrachtern der Vorgängerfilme wahrscheinlich kaum im Gedächtnis verblieben. Und sowieso nebensächlich. Dass Jackson diesem Kapitel aber beinahe eine Stunde widmet und Gefahr läuft, die Geduld der effekthungrigen Masse auf eine harte Probe zu stellen, dazu bedarf es Mut und Fertigkeit.

Und letztere drückt sich in einer versierten optischen Wiederauferstehung eines New York der dreißiger Jahre aus, in dem es trotz Wirtschaftskrise wimmelt und pulsiert, in dem bonbonfarbene Autos wie aus Comicmagazinen entsprungen die Straßen befahren und die Darsteller perfekt gestylt Nostalgieempfinden und Wirklichkeitsillusion zu einer unüberwindlichen Einheit verweben. Realität aus der Retorte, aus dem Computer, aber doch jener Stoff, aus dem die Träume sind. Und eine zeitlich kurz bemessene Bühne, um den Schauspielern Gelegenheit zu geben, ihren Rollen Kontur und bescheidene Tiefe zu geben. Dass bei Peter Jackson (und einem Filmstoff wie King Kong sowieso) nicht viel mehr dabei herauskommt als die übliche Typisierung und die Charaktere im Verlauf der Story wenig Gelegenheit haben, sich zu wandeln, wird niemanden verwundern. Immerhin gibt es Gelegenheit, sich über einige Bonmots und sitcom-artige Szenen zu amüsieren und die hübsche Mrs. Watts in wechselnden Kostümen zu bewundern.

Das Andocken an Skull Island und die Begegnung mit den Eingeborenen leitet fulminant von Dick Tracy zu Jurassic Park über, ein früher Höhepunkt im Film, in dessen Anschluss Kong die Herrschaft über die Leinwand übernimmt und es auf hohem, wenn auch dann wenig wechselvollem Niveau weitergeht. Für den einen mag dieser Höhenflug die Präsentation des derzeit Machbaren sein und daher eine bislang unerreichte sinnliche Erfahrung, und er hat auf seine Weise sicherlich Recht damit. Andererseits drängt sich mir der Gedanke auf, dass bei einer alleinigen Überhöhung dessen, was man von früher schon kannte (aus verwandten Filmes des Genres und bei einem Remake schon mal zwangsläufig), nicht zwangsläufig ein besseres Werk entstehen muss. Somit hat King Kong, bei aller perfekten Darstellung des Affen und der Verschiedenartigkeit der Kämpfe, die nach seinem Erscheinen beinahe unablässig aufeinander folgen, nach einer Stunde sein innovatives Pulver schon verschossen und bedient nur noch die hohen Publikumserwartungen. Immerhin: Aufs Vortrefflichste. Jene Erwartungen, die man an die Machart von Peter Jacksons Arbeiten spätestens nach der Herr der Ringe-Trilogie hatte, wie auch die der Cineasten, die einer erneuten Neuverfilmung des Klassikers skeptisch entgegensahen. Aufgabe erfüllt.


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