SAW

Saw         (USA 2004)

Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan u. Leigh Whannell
Mit: Carl Elwes (Dr. Lawrence Gordon), Leigh Whannell (Adam), Danny Glover (Detective Tapp), Monica Potter (Mrs. Gordon) u.a.
103 Minuten        (6 von 10 Punkten)

Saw
(Bildrechte: Kinowelt)

Schon die Ankündigungen vor dem Hauptfilm dienten als Appetithappen: RING 2 steht in den Startlöchern, 20th Century Fox bewirbt THE GRUDGE – DER FLUCH mit Sarah Michelle Gellar, die Europäer halten mit Franka Potente in CREEP dagegen. Da weiß man sich gleich im richtigen Kinosaal und fühlt die sanften Wellen erwartungsvoller Spannung.

Die Vorfreude wird zunächst nicht enttäuscht. Im Hauptfilm finden sich die beiden Protagonisten angekettet in einem alten Waschraum wieder und gehorchen den perversen Anleitungen eines unsichtbaren Peinigers, der schon in der Vergangenheit durch unschöne, aber raffinierte Methoden andere Menschen in den Tod getrieben hat. In dieser Hinsicht scheinen James Wan (Buch und Regie) und sein Co-Autor Leigh Whannell sich eine Scheibe von SIEBEN (1995) abgeschnitten zu haben. Mit dem kleinen Unterschied, dass die Taten nicht schlaglichtartig beleuchtet werden und das Augenmerk nicht auf der Arbeit der Polizei liegt, sondern der Kampf der Opfer ums Überleben in ihrer scheinbar aussichtslosen Lage in den Vordergrund gestellt wird. Von der Imagination weg vor die Augen des Publikums.
Das führt zu einigen bemerkenswerten Szenen, die dem unbedarften Mainstream-Kino-Besucher einige Standfestigkeit abverlangen. Die Schwelle zum Brechreiz wird nicht überschritten, aber doch ganz geschickt mit den genreüblichen Mitteln (schmutzige, enge Locations, schnelle Schnitte, Nachaufnahmen von panischen Gesichtern, Schreie, Dunkelheit, Showdown mit hohem Bleigehalt) hantiert, dass es eine wahre Freude ist. Okay, vieles hat man schon vorher gesehen, aber Abkupfern ist erlaubt, wenn es der gefälligen Unterhaltung dient.

Hier könnte die Besprechung enden, ginge es nur darum, Saw das Zeug zum soliden Schocker zu bescheinigen. Zu höheren Ehren reicht es allerdings nicht. SAW gleicht eher einem Flickenteppich, der in zahlreichen Einzelstücken bemerkenswerte Kunstfertigkeit (oder Perfidie, wenn man so will) aufweist, an anderer Stelle dann aber allzu Gewöhnliches bietet. Die Szenen am Krankenhaus, im Hotelzimmer oder Danny Glover als einsamer Rächer haben glatt etwas Trashiges an sich. Allzu ernst sollte man die Sache also nicht nehmen. Auch mit der Frage nach den Gründen für die Taten hält man sich besser zurück, das „Warum“ tritt in Wan/Whannells Welt hinter dem „Wie“ zurück.
Bedauerlich wird das beinahe zwanghafte Aufpeppen der Handlung dann, wenn es um das Zusammenspiel der beiden angeketteten Protagonisten geht. Sie sind einer Extremsituation ausgesetzt, eine Uhr tickt unerbittlich bis zum Ultimatum, der widerliche Waschraum weckt klaustrophobische Ängste; also beste Voraussetzungen für eine kammerspielartige Psychostudie. Trotz einiger Interaktion bleibt aber dieser Aspekt in den Anfängen stecken, weder zwischen den Männern geht die Beziehung im Prinzip über ein passives Nebeneinander hinaus, noch springt irgend ein Funke auf das Publikum über. Die Charakterzeichnung bleibt ebenso oberflächlich wie ihr Bestreben, sich aus ihrer Lage zu befreien. So verstreichen über 6 (Handlungs-)Stunden, in denen vor Ort absolut nichts passiert.

Statt dessen wird versucht, einerseits in Rückblenden, andererseits auf Parallelschauplätzen Spannung zu erzeugen. Nicht ohne Erfolg: Dem Film gelingt es zweifellos, zeitweilige Durststrecken ohne großen Schaden zu überstehen und dem action-geilen Auge etwas zu bieten. Unfreiwilliger Beweis für das Ungleichgewicht mag die Wahl des Kino-Plakates sein: Die Bärenfalle hat sich weit drastischer ins Gedächtnis geprägt als jedes der Bilder im Waschraum. Alles in allem bleibt der Eindruck zurück, es mit einem Sieben fürs Fußvolk zu tun zu haben. Schmutzig, grobschlächtig, anspruchslos. Und mit einer der hässlichsten Bauchrednerpuppen seit Finchers THE GAME (1997).


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