PLAYA DEL FUTURO

Playa del futuro – Suche nach dem Glück         (D, 2005)

Regie: Peter Lichtefeld. Buch: Peter Lichtefeld & Dirk Drebelow
Mit: Peter Lohmeyer (Jan), Nina Petri (Angie), Hilmi Sözer (Rudi), Outi Mäenpää (Kati), Miklos Königer (Lázló), Kati Outinen (Ana) u.v.a.
92 Minuten         (4 von 10 Punkten)

Playa del Futuro
(Bildrechte: Kinowelt)

„Ein Film, dem man wenig vorwerfen kann, der mich aber auch nicht aus dem Kinosessel gerissen hat.“ Das war meine erste Aussage, als man mich nach dem Verlassen des Kinos zu einer Beurteilung nötigte und ich nach einigem Anlauf die „Firewall“ ausschaltete. Nach einer Nacht der Kontemplation bin ich mir beim ersten Teil meiner Aussage nicht mehr so sicher und es gilt es nun herauszufinden: Warum diese magere Bewertung? Wurde ich etwa von der überwiegend melancholischen Stimmung des Filmes angesteckt?

Mit einer Komödie haben wir es bei Playa del Futuro jedenfalls nicht zu tun: Koch Jan, der Mitbesitzer einer Kölner Eckkneipe, wird von seinem alten Kumpel und Geschäftspartner auf einem Haufen Schulden sitzen gelassen, seine Freundin Kati verlässt Rudi bequemer Weise gleich mit. Jan reist ihm in Rettungsmission nach Andalusien nach, wo Rudi gerade das gemeinsame Geld mit windigen Projekten in den Sand setzt. Das Kaff Playa del Futuro ist zugleich auch Hoffnungsanker von Angie, die aus dem Bahnhofscafé im Niemandsland einen Gourmettempel zu machen hofft.

Das Handlungsschema erinnert stark an Zugvögel – einmal nach Inari, Peter Lichtefelds Sahnestück aus dem Jahre 1998, und schon damals geisterte der Name Aki Kaurismäki durch die Gazetten. Auch in Playa del Futuro haben wir es mit Finnen zu tun, Kati Outinen und Outi Mäenpää gehören zur Stammbesetzung von Kaurismäki und letztere war bereits in Zugvögel dabei. Aber nicht nur die Personen, auch der Grundtenor von Playa del Futuro ist eher von der lakonischen Tragik getragen, die dem Vorgänger bzw. Filmen des großen Vorbildes zu eigen ist. Peter Lohmeyer agiert in der Rolle des verzweifelt mit dem Schicksal hadernden Jan ähnlich unfroh wie ehemals als Kriegsheimkehrer in „Das Wunder von Bern“ (2003), Miklos Königer als Lázló zerbricht es das Herz, dass er Angie übers Ohr hauen muss, um aus dem Kaff entfliehen zu können, Kati muss sich zwischen Jan und einem unbekannten, aber solventen Verehrer aus Finnland entscheiden …, außer dem schmierigen Rudi, dessen Rolle insbesondere in den spanischen Szenen überzeichnet daherkommt, haben alle Akteure ein Kreuz zu tragen. Und das Betrachten dieses verdrossenen Ringens um ein Auskommen färbt lange auf die Psyche des Publikums ab.

Würde der Film nur in Köln spielen, wir Zuschauer wären nach der Hälfte kollektiv von der Rheinbrücke gesprungen: Zeitraum Winter 2004, Schneegestöber, kalte Nacht, einsame Straßen. Auch das urige Ambiente der Eckkneipe strahlt kein Gefühl der Geborgenheit aus. Beim Besuch von Katis Eltern regnet in einem fort. Die Farben sind trüb, blass, von bläulicher Tristesse. Hier ergänzen sich Bilder und Stimmung der Personen. Ganz anders in Spanien: Die Desillusion der Hauptakteure wird kontrastiert durch eine Kamera, die die Weite des Landes, die warmen Farben, die Hitze und Trockenheit in pittoresken Bildern durchaus sehenswert einfängt.
Während Lichtefeld sein Augenmerk den gestrandeten „Ausländern“ widmet, belässt er es bei der Einbindung der „Einheimischen“ überwiegend bei klischeehaften Skizzen (die feurige Senorita, die trauernde Schwägerin, die bestechliche Obrigkeit). Für den einen oder anderen Zuschauer mag dies der nötige Schuss Humor sein, den die traurige Story braucht, bei mir hinterließ die simple Darstellung einen unangenehmen Beigeschmack. Bald schon hielt ich es wie die drei alten Dominospieler in der Dorfkneipe und dachte: Geht doch mit euren Sorgen wieder nach Hause, hier habt ihr nichts verloren.

Der Film wartet am Ende noch mit einigen Überraschungen auf, das Beziehungskarussell nimmt noch einmal Fahrt auf und der Philanthrop Lichtefeld lässt seine Akteure in Playa del Futuro (Nomen est Omen!) zu ihrem Glück finden. Das ist bieder und recht, und wenn sich jenes unter der Sonne Südspaniens bei Rotwein und ungarischer Gulaschsuppe pittoresk vollzieht, dann werden Urlaubserinnerungen oder –sehnsüchte wach.


About this entry