KEBAB CONNECTION

Kebab Connection         (D, 2004)

Regie: Anno Saul.
Buch: Fatih Akin, Anno Saul, Ruth Thoma, Jan Berger
Mit: Denis Moschitto (Ibrahim “Ibo”), Nora Tschirner (Patrizia “Titzi”), Güven Kirac (Mehmet), Hasan Ali Mete (Onkel Ahmet), Adam Bousdoukos (Valid), Adnan Maral (Kirianis) u.v.a.
96 Minuten        (5 von 10 Punkten)

Kebab Connection
(Bildrechte: Boxfish Films)

„Du darfst mit einer Deutschen ausgehen, du darfst mit ihr abends einschlafen, du darfst sogar mit ihr morgens aufwachen. Aber du darfst sie nie nie nie schwängern!“

Diesen Satz hat Mehmet seinem Sohn eingeschärft, seit jener des Nachsprechens von Worten mächtig wurde. Und dann ist es doch passiert. Ibos Freundin Titzi ist guter Hoffnung, will das Kind behalten, während der 21-jährige unentschlossene Vater von einer Katastrophe in die nächste fällt. Die Eltern hatten schon eine Cousine in der Türkei als Frau ausgesucht („Die mit der Hasenscharte …?“) und werfen den schändlichen Sohn erst mal aus dem Haus. Titzi lässt ihn so lange abblitzen, bis er sich zu seinen Vaterpflichten bekennt. Dessen Zukunftsträume konzentrierten sich allerdings bislang nur darauf, den ersten deutschen Kung-Fu-Film zu drehen.

Ein Film wie ein Lutschbonbon: Verführerisch süß, ein schneller Genuss, intensiv erlebt und dann vergessen. Nicht ganz gesund, weil man ja eigentlich auf erlesenere Ernährung Wert legt, aber ab und an …, und schließlich will man auch gerne wissen, was die „jungen Leute“ heute denn so gut finden.

Und Liebe findet man eben immer noch gut. Abhängen mit Freunden. Träumen nachhängen, die mit den Vorstellungen der Eltern nicht immer konform gehen. Diese Versatzstücke werden nun dem cineastischen Zeitgeist entsprechend in ein multi-kulturelles Milieu transferiert und mit komödiantischen Elementen durchsetzt. In Kebab Connection ist es die Welt türkisch-stämmiger Anfang-Zwanzigjähriger, die aufs Korn genommen wird. Dass eine Menge Klischees bedient werden und der Ausgang der Geschichte vorhersehbar ist ..: Honi soit, qui mal y pense. Wichtiger ist, dass der Film in seiner Einfachheit keine gravierenden Hänger hat und die Lacher gleichmäßig zu Gunsten bzw. zu Lasten aller Akteure verteilt sind.

Belässt man die Ansprüche an diese Kategorie auf diesem Level, darf man dem Film durchaus positive Noten ausstellen. Die vier (!) Drehbuchschreiber bastelten eine bunte Geschichte zusammen, in der für jeden Geschmack etwas zu finden ist. Zuweilen allzu Bekanntes, einzelne Szenen erinnern an die Sketche, die Kaya Yanar in seiner Show wöchentlich zu Markte trägt, dann aber vermag der Film wieder Breitseiten auf die Lachmuskeln abzufeuern, die die Stereotypen wieder vergessen (bzw. verzeihen) lassen. Das gilt besonders durch die insgesamt drei Werbespots, die Bruce-Lee-Fan Ibo für die Döner-Bude seines Onkels dreht. Sehr filigran, aber dramaturgisch ebenso wirkungsvoll ist das Einweben von Großmeister Shakespeare, wenn es um die Darstellung von Titzis und letztlich auch Ibos Gefühle geht; ein Aspekt, der in einer „Action-Komödie made in Germany“ (ich will sie mal so nennen) gerne mal stiefmütterlich behandelt wird.

Dass besonders die Nebenrollen einem vorgefertigten Bild entsprechen und im Laufe des Films auch keine Wandlung vollziehen, wurde bereits an anderer Stelle angedeutet. Das Drehbuch gewährt ihnen indes noch genug Sympathiepunkte, um vom Publikum als Person und nicht als Knallcharge wahrgenommen zu werden (wenn man mal von den drei Kollegen der Türkenmafia absieht). Ibo als Vater wider Willen wird für meinen Geschmack mit Skateboard, übergroßer Baseball-Kappe und Nackenlocken zu deutlich als der unreife Mann dargestellt, als der er sich ohnehin durch Worte und Taten herausstellt. Da wollte wohl jemand auf Nummer Sicher gehen, dabei spielt Denis Moschitto durchaus ansprechend. An seiner Seite: Nora Tschirner, die die Reihe der MTV/Viva-ModeratorInnen (wie z.B. Heike Makkatsch, Christian Ulmen, Jessica Schwarz) fortsetzt, die den Sprung auf die große Leinwand geschafft haben. In Kebab Connection zeigen sich die Frauen – wieder einmal – als das in allen Lebenslagen selbständigere Geschlecht, und Tschirner liefert darstellerisch wie auch optisch eine passende Vorstellung ab. Und last but not least hat der Film mit dem Kurzauftritt von Sibel Kekilli (Gegen die Wand, 2003) einen echten deutschen Superstar zu bieten.


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