BARFUSS

Barfuß        (Deutschland, 2005)

Regie: Til Schweiger. Drehbuch: Dina Marie Chapman, Jann Preuss, Til Schweiger u.a.
Mit: Til Schweiger (Nick Keller), Johanna Wokalek (Leila), Steffen Wink (Viktor Keller), Michael Mendl (Heinrich Keller), Nadja Tiller (Frau Keller), Imogen Kogge (Dr. Blöchinger) u.a.
115 Minuten        (6 von 10 Punkten)

Barfuß
(Bildrechte: Buena Vista)

Am vergangenen Donnerstag bin ich wie üblich durch die Programme gezappt und – ungelogen – in kürzester Zeit auf drei Sender gestoßen, die über Til Schweigers neuen Film berichteten. Premieretag in Deutschland, aber immerhin. Dazu seitenweise Artikel in TV- und Kinozeitschriften, die Feuilletonredaktionen der Tageszeitungen werden sich auch nicht zurückgehalten haben: Da wird mächtig die Werbetrommel gerührt und einem Film eine Aufmerksamkeit geschenkt, die eine Nummer zu gewaltig ist. Auch das ganze Gerede um das vermeintliche Scheitern von Schweigers Hollywood-Ambitionen und die Vergleiche mit der Rückkehr von Frau Potente an den heimischen Herd: Braucht das wirklich jemand sonst als die Leser der Regenbogenpresse?

Na ja, wenn es der Publicity dient … Und niemand dürfte es verübeln, wenn es eine deutsche romantische Komödie (oder Liebesfilm mit komischen Elementen [laut Schweiger]) in die Ränge der Millionen-Zuschauer-Filme 2005 schafft. Denn – seien wir ehrlich – nach Epigonen von Blockbustern wie Traumschiff Surprise oder Sieben Zwerge steht uns momentan doch nicht der Sinn, oder? Obwohl im Werbeprogramm bereits Sigi von und mit Tom Gerhardt angekündigt wurde …

Zur Sache: Wo groß und breit „Til Schweiger“ draufsteht (er fungiert u.a. als Regisseur, Hauptdarsteller, Mit-Autor, Mitwirkender am Schnitt), da ist auch Schweiger drin, sprich: Barfuß unterscheidet sich in der Machart nur unwesentlich von Knocking on heaven’s door (1997) oder Der Eisbär (1998). Schweiger spielt den etwas abgehalfterten Macho, dem in kürzester Zeit Turbulentes widerfährt und dem sich am Ende eine neue Perspektive bietet. Langeweile kommt da nicht auf, das muss man ihm lassen, die Handlung wird durch einen grob gestrickten Faden zusammengehalten, der die Protagonisten und uns als Publikum von einer bewegten (und zuweilen sketchartig anmutenden) Szene zu nächsten leitet. Auf dieser Reise treffen wird des Öfteren auf alte Bekannte aus der deutschen Film- und Fernsehbranche. Deren Gastauftritte tragen nicht unwesentlich zur Würze des Films bei (man erinnert sich noch gerne an Moritz Bleibtreus Abdul, dem heimlichen Star aus Knocking on heavens door), da man Schweigers Spiel doch eine Eindimensionalität nicht absprechen kann. Derartige Auftritte von Co-Stars signalisieren in der Regel: Hoppla, aufgepasst, jetzt wird’s lustig, ein Stilmittel, das bei Barfuß besonders in den Szenen von Jürgen Vogel und Armin Rohde ins Schwarze trifft, während die Episoden um Axel Stein, Markus Maria Profitlich und vor allem bei Janine Kunze als Mischung aus Karrierefrau und Nymphomanin bald im Klamauk versanden.

Abgesehen von der etwas zu dominanten Musikbeschallung, die dem Publikum das jeweils im Bild transportierte Gefühl auch noch akustisch aufdrücken zu wollen scheint, wäre jedes weitere Wort zu diesem Film ein Luxus, wenn …, ja wenn es Johanna Wokalek nicht gäbe. Wenn überhaupt etwas von Barfuß über die Jahre hinweg in Erinnerung bleiben wird, dann ist es ihre hinreißende Darstellung der Leila, die dem Loser Nick nicht mehr von der Seite weicht, nachdem dieser sie nach einem Selbstmordversuch vor dem Tode bewahrt hat. Obschon körperlich eine erwachsene Frau, wird ihr geistig der Entwicklungsstand eines Kindes attestiert, und diese Veranlagung muss man erst einmal mit der notwendigen Sensibilität und Hingabe auf die Leinwand bringen, ohne ins Lächerliche oder Rührselige abzugleiten. Schon klar, dass Schweiger nicht die hässlichste Schauspielerin an seine Seite gestellt hat und Leila in ihrem weißen Anstaltsjäckchen und ihren nackten Füßen wie ein gefallener Engel erscheint, dem jeder Mann gerne schützend den Arm um die schmalen Schultern gelegt hätte. Aber, hey, das ist Kino der Gefühle, und ganz egal, wie man zu Schweigers Stil als Darsteller und Filmemacher (so kann man ihn inzwischen wohl nennen) steht: Frau Wokalek ist das Glanzlicht und jede Einstellung mit ihr das Geld wert.


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