GARDEN STATE

Garden State         (USA 2004)

Buch und Regie: Zach Braff
Mit: Zach Braff (Andrew „Large“ Largeman), Natalie Portman (Sam), Peter Sarsgaard (Mark), Ian Holm (Mr. Largeman), Ann Down (Sams Mutter) u.a.
102 Minuten        (8 von 10 Punkten)

Garden State
(Bildrechte: Buena Vista)

„Hallo, Marty ist erwachsen geworden!“ ging es mir durch den Kopf, als die temperamentvolle Sam den unbedarften Large im Wartezimmer unvermittelt anspricht. Die braunen Locken etwas länger, das kecke Lächeln, der Leberfleck auf der linken Wange, kein Zweifel, das ist die ehemals 13-jährige Nachbarstochter, die in Beautiful girls (1996) dem Barpianisten Willie (Timothy Hutton) den Kopf verdrehte und ihm vorschlug, er möge 5 Jahre warten, dann könnten sie miteinander ausgehen. Natalie Portman knüpft an ihre Rolle von vor 8 Jahren an und gefällt darin weitaus besser als in der der (allerdings Golden-Globe-prämierten) Alice in Closer (2004) oder in der als Senatorin Padmé Amidala in den neueren Star Wars-Episoden.

Aber nicht nur die Schauspielerin zählt zum Bekannten, auch die Handlung in Garden State ähnelt im Prinzip der von Beautiful girls: Andrew „Large“ Largeman, ein junger Mann, dessen Karrierehoffnungen sich in der großen Stadt (Los Angeles) noch nicht recht erfüllt haben, muss aus privaten Gründen für ein paar Tage zurück in seinen Geburtsort (nach New Jersey). Dort wird er mit den Traumata seiner Kindheit konfrontiert und schlägt sich mit ehemaligen Schulfreunden durch die provinzielle Eintönigkeit. Alles sieht nach einem kurzfristigen Intermezzo aus, wäre da nicht plötzlich die Frau, die die fürs Leben werden könnte…

Zach Braff schrieb sich eigene Erfahrungen von der Seele, klettere in den Regiestuhl und übernahm in seinem Erstlingsfilm auch gleich die männliche Hauptrolle. Sein Large ist mit des Barry Egan in Punch Drunk Love (2002) vergleichbar, etwas unbekanntes Schweres bedrückt diesen Mann, sein Gesicht zeigt den melancholischen, leicht abwesendem Ausdruck, der sich über die ganze Story nur wenig ändert. Das verlangt dem Publikum Gewöhnung und Akzeptanz ab, allerdings geht Braff im Gegensatz zu Adam Sandler unbelasteter ins Rennen, letzterer konnte in der ernsten Rolle sein Image als Komiker nicht recht ablegen.. Die Begründung für Larges seelische Verfassung wird nach und nach offenbart, Braff versucht durchaus, die Tragik seiner Hauptfigur nicht nur als zusätzliches Beiwerk seiner bunten Geschichte beizumengen, sondern schlüssig in den Handlungszusammenhang zu integrieren.

Dass dieses Bemühen ziemlich im Film untergeht (und deswegen auch von der Rolle von Larges Vater, gespielt von Ian Holm, kaum Impulse ausgehen), liegt fatalerweise an der virtuosen Weise, wie Braff die anderen, amüsanteren Elemente seines Filmes ausführt und damit viel eher die Erwartungshaltung des Publikums trifft. Gleich zu Beginn sind es die plakativen Bilder, die Large als sympathischen Loser darstellen (der abgefahrene Tankschlauch, der Badezimmerschrank voller Pillendosen, das Wandteppichhemd), dann wird der Garden State mit den üblichen spleenigen Gestalten einer langweiligen Kleinstadt unter die Lupe und aufs Korn genommen. Dabei offenbart Brach stets den Blick eines Insiders, der den Absprung geschafft hat, aber im Herzen seinen Wurzeln gewogen bleibt.

In jenem Mikrokosmos entspinnt sich nun endlich der rote Faden namens Liebe: Anfangs ist es Sam, die die Initiative ergreift und in deren Bann sich Large auf bemerkenswert unbedarfte Weise einlässt. Ihr Auftritt gleicht einer turbulenten Strömung, die sein bis dahin dümpelndes Dasein aus Psychopharmaka und Anteilslosigkeit eine neue Dynamik verleiht. Als die gegenseitige Sympathie erst einmal gefestigt ist (was auch in teils poetisch anmutenden Bildern und einem fein nuancierten Soundtrack ausgedrückt wird), ist Sam einfach nur bei Larges „Abenteuern“ dabei, die Intimität wird diskreter, aber nicht weniger intensiv. Ähnlich wie bei Bob und Charlottes „Zug durch die Gemeinde“ in Lost in translation (2003) erleben wir amüsiert, wie die beiden von äußeren Geschehnissen mitgerissen werden und stellen nach den Turbulenzen beseelt fest, dass aus der Liebelei eine echte Beziehung geworden ist. Hach, schade, dass ein solcher Film dann doch ein Ende finden muss.


About this entry