SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW

Sky Captain and the world of tomorrow         (USA/GB/I, 2004)

Buch und Regie: Kerry Conran
Mit: Gwyneth Paltrow (Polly Perkins), Jude Law (“Sky Captain“ Joe Sullivan), Giovanni Ribisi (Dex Dearborn), Angelina Jolie (Franky), Laurence Olivier (Dr. Totenkopf) u.a.
107 Minuten         (3 von 10 Punkten)

Synopsis: New York City, Ende der 30-er Jahre: Die unbeirrbar investigative Zeitungsreporterin Polly Perkins (Gwyneth blond bis in die Haarspitzen, die Frisur sitzt, das Lippenstift-Rot auf makellos reinem Teint) kommt einem schrecklichen Komplott auf die Spur: Die Erde soll vernichtet werden! Dahinter steckt Dr. Totenkopf, der auch schon flugs darauf die Haupt-Städte auf den Kontinenten von seinen Robotern überfallen lässt. Da kann nur der unerschrockene Sky Captain Joe Sullivan (ganz im Stil der Fliegerasse: Jude Law mit Sturmhaube und Lederjacke mit Pelzkragen) helfen.

Kritik: So sieht er aus, der Stoff, aus dem Heldengeschichten gestrickt ist. Die Obrigkeit kapituliert vor dem schier allmächtigen Bösen und das Schicksal der Welt liegt in den Händen der wenigen, die durch Geschick, Tapferkeit und Genie die Wende zum Guten noch einmal schaffen können. Nichts Neues also von der Abenteuerfront. Ebenso ist in SKY CAPTAIN … die Frage nach Plausibilität und Logik eine überflüssige. Unterhaltungswert kommt vor Schlüssigkeit, Bauch und meinetwegen Herz vor Kopf, Aktion und Dynamik vor Tiefe. Wie jubelt man das einem gesättigten Publikum unter?

Angesichts unerreichbarer Vorbilder setzt Regiedebütant und Autor Kerry Conran vor allem auf zwei Trümpfe:

Einerseits bedient er sich hemmungslos bei eben jenen, die das Genre des Sci-Fi- bzw Abenteuer-Filmes in der Kinogeschichte ausgemacht haben, und SKY CAPTAIN … ist auf seine Art ein ständiges Déjà-vu-Erlebnis. Nach vorsichtiger Analyse trifft man auf Reminiszenzen aus BATMAN, CASABLANCA, DAS FÜNFTE ELEMENT, GODZILLA, GHOST BUSTERS, HERR DER RINGE, I, ROBOT, INDIANA JONES, JURASSIC PARK, JAMES BOND, KING KONG, MATRIX, METROPOLIS, MARS ATTACS, 1941, PEARL HARBOR, SPIDERMAN, STAR WARS, TOMB RAIDER, X-MEN und last but not least den ZAUBERER VON OZ. Dem aufmerksamen Beobachter fallen sicher weitere ins Auge, der eigentliche Film tritt glattweg in den Hintergrund. Die Eigenheit von SKY CAPTAIN … besteht nur darin, diese Versatzstücke miteinander zu verbinden. Und er schießt leider am etwaigen Ziel vorbei, eine Persiflage oder Hommage zu sein, weil durch die Überfülle an fremden Zutaten nur wehmütig daran erinnert wird, wie andere es früher besser gemacht haben.

Andererseits versucht er, mit der visuellen Gestaltung Punkte zu machen. Und tatsächlich entstehen das New York der 30er-Jahre, die weiteren Locations und fast alle Requisiten ganz und gar aus dem Computer, ein Neo-Metropolis in sepia. Statisten werden in einem Abwasch gleich mit generiert, nur verhältnismäßig wenige Sprechrollen mit echten Schauspielern besetzt. Es sieht in etwa so aus, als haben sich die Darsteller in einen Zeichentrickfilm verirrt. Das Zusammenspiel geht formal über weite Strecken gut, die Bilder wirken wie durch einem Weichzeichner photographiert, scharfe Konturen und grelle Farben fehlen vollkommen. Auf diese Weise fällt der zzt. noch vorhandene Abstand zwischen den echten Darstellern und den digitalen Alter Egos nicht weiter auf. Allerdings sieht man sich an der lieblichen Welt à la David Hamilton früher oder später satt und kann sich des Eindrucks der „Blutleere“ nicht erwehren.

Mit Gwyneth Paltrow, Jude Law und Angelina Jolie ist der Film hochkarätig besetzt und die Stars sind nett anzuschauen, sie liefern aber in ihren Rollen nicht mehr als Pflichtleistungen ab. Schuld daran ist das Drehbuch, das neben stereotyper Handlungsfolge auch nichts anderes an Dialogen zu bieten hat. Die angedeuteten Nickeligkeiten zwischen Polly und Joe verharren im Ansatz, Angelina (Lara Croft mit Augenklappe) Jolie als vermeintliche Rivalin um des Helden Herz katapultiert sich alsbald selbst vom Platz, und die über weite Strecken gesichtslose Bedrohung der Welt kriegt am Ende gerade ein paar Zeilen ab. Kurzum: Auch auf der Schiene „bissige und spritzige Dialoge“ herrscht Flaute. Unterdessen dröhnt es bombast-orchestral aus den Lautsprechern, was weder den Ohren goutiert noch dem spannungsarmen Streifen durch die Kurve bringt.


About this entry