AVP: ALIEN VS. PREDATOR

*** AVP: ALIEN VS. PREDATOR * Deutschland / Kanada / Tschechien / USA 2004 * „Drehbuch“ und „Regie“: Paul W. S. Anderson * Darsteller-/innen: Sanaa Lathan, Raoul Bova, Lance Henriksen, Ewen Bremner, Agathe de la Boulaye, viele Predatoren und noch viel mehr Aliens, u. a. * 104 Minuten (davon 10 Minuten Abspann) * (3 von 10 Punkten) ***

(Versuch einer ernsthaften) Synopsis: Ein Satellit der Weyland Corporation des gleichnamigen Großindustriellen Charles Bishop Weyland (Lance „no Alien, no fame“ Henriksen), fängt im Oktober 2004 über der Antarktis ein ungewöhnliches Hitzesignal auf, das aus einer unterirdischen Pyramide zu kommen scheint. (Ja, „Hitzesignal“. Ja, „Antarktis“. Ja, „Pyramide“. Mmh-mmh, „unterirdisch“. Ja, das steht alles wirklich so im Drehbuch, falls es eins gegeben haben sollte.)

Weyland trommelt sogleich weltweit die besten Wissenschaftler/-innen zusammen und startet auf einem Eisbrecher mitsamt dessen vielköpfiger Crew einen waghalsigen Erkundungstrip in die Antarktis. Dort angekommen, müssen Weyland & Co. feststellen, dass unterhalb einer im Jahre 1904 plötzlich und scheinbar ohne Grund verlassenen Walfangsiedlung sich ein Schlund auftut … welcher geradewegs zur Pyramide zu führen scheint.

Ein Teil der Expeditionscrew macht sich sogleich auf den Weg Richtung Erdinneres, aber das ist schon bald egal. Denn sowohl überirdisch als auch (und vor allem) unterirdisch geraten die Menschen in einen Krieg zwischen den von den Menschen der Antike als Gottheiten (sic!) verehrten Predatoren und ihren in Menschenkörpern herangezüchteten Gegnern, den wie bekannt mehr als schleimigen Aliens, welche den Predatoren schon in der Antike einzig und allein dazu dienten, ihre Trophäen, respektive Todfeinde darzustellen.

Nachdem ein Großteil der Expedition (darunter auch die französische Charakterdarstellerin Agathe de la Boulaye und der als Grimassen schneidende „Spud“ aus TRAINSPOTTING bekannte Ewen Bremner) als Brut für die Aliens sich wohl oder übel hat hergeben müssen, muss sich der Rest der antarktischen Menschheitsvertretung entscheiden: Für die Aliens oder für die Predatoren. Schließlich herrscht Krieg zwischen diesen beiden Spezies, und Mensch möchte nunmal nicht gerne auf der Verliererseite stehen … was automatisch zu dem Wahlspruch „Der Feind meines Feindes ist mein Freund!“ führt. (Woher kennt man das nur?)

Kritik: Die Vorgeschichte zu AVP ist fast so abstrus wie die Handlung dieses wahrhaft unterirdischen Streifens. Denn bereits im Jahre 1990, als der zweite, ziemlich erfolglose Teil des PREDATOR über die Kinoleinwände flimmerte und dessen Ära damit schon beendet schien, tauchte im Trophäenraum dieser interstellaren Killermaschine ein Alien-Schädel auf. Was eigentlich nur als kleiner insider gag gedacht war, entwickelte bald eine Eigendynamik, denn nur ein Jahr später wurde die Comic-Serie ALIEN VS. PREDATOR ins Leben gerufen, mit einigem Erfolg. Erst dreizehn Jahre später sollte dann die filmische Umsetzung dieses Kampfes der Giganten folgen …

Dreizehn Jahre Vorlaufzeit! Oh geil, denkt sich da der geneigte Betrachter, da müssen die Ideen ja nur so gesprudelt haben! Zumal sowohl die letzten beiden Episoden der ALIEN-Saga, als auch eben jener zweite Teil des PREDATOR – dessen erster Teil im übrigen zu den wenigen ansehnlichen Filmen mit Arnold „I’ll be back“ / „Four more years“ Schwarzenegger (Wann bringt Arnie endlich seinen ersten Nebensatz auf DVD raus?) zählen dürfte – doch arg zu wünschen übrig ließen.

Das Ergebnis dieser Vorlaufzeit spottet nun aber wirklich jeder Beschreibung. Wie entsetzlich schlecht AVP geraten ist, trotz des Aufeinandertreffens von zwei der mit Abstand furchterregendsten Monster der Filmgeschichte, ist mit Worten nicht zu beschreiben. Um eine hinlänglich hinreichende Kritik dieses Machwerks abzuliefern, müsste man eigentlich 104 Minuten seinen Kopf gegen die nächstbeste Wand hämmern und sich dabei wünschen, es sei dasjenige Körperteil, welches das Gehirn des „Regisseurs“ womöglich ja doch enthält. Den Namen dieses Subjekts, das allen Ernstes glaubt, auch noch so etwas wie ein „Drehbuch“ zu AVP verfasst zu haben, auszuschreiben, verbietet sich der Verfasser dieser Zeilen, wäre es doch ein Verbrechen an der Riege der Filmemacher, seinen Namen in einem Atemzug mit dem Wörtchen „Regisseur“ (geschweige denn in einem Atemzug mit der Berufsbezeichnung „Drehbuchautor“) zu nennen. – Selbst der in Unehren verstorbene, legendäre Z-Movie-Regisseur Ed Wood, dessen Größenwahn herrlich dämliche Horrorfilmchen hervorbrachte, die offiziell als schlechteste Zelluloidprodukte der Filmgeschichte gelten, würde sich beim Anblick von AVP im Grabe umdrehen.

Die wenigen positiven Aspekte sind daher schnell abgeklappert; im Grunde gibt es eh nur den einen: Die Spezialeffekte, hier beinahe ausschließlich dazu eingesetzt, um die wirklich ästhetischen und schön anzusehenden Kämpfe zwischen Aliens und Predatoren effektvoll in Szene zu setzen, sind rundherum gelungen. Und dies, obwohl aus Kostengründen mal wieder die Globalisierung gnadenlos zuschlug und sich ausschließlich deutsche und tschechische Trickkünstler an den zwei galaktischen Serienkillern austoben durften: Das Ergebnis ist in seinen besten Momenten ein Augenschmaus, nie hat die Leinwand schleimigere Aliens und geschmeidigere Predatoren gesehen, vor allem die Königin der Aliens ist wunderbar scheußlich geraten.

Das war es dann aber auch schon – und, noch viel schlimmer: Das ist es ja gerade, was an AVP so enttäuschend, ja geradezu verstörend ist: Der „Regisseur“ darf zwei lebende Horrorfilmlegenden gegeneinander antreten lassen, er kann sich zudem sicher sein, dass die Abteilung Spezialeffekte allein schon aufgrund des technischen Fortschritts (der erste ALIEN-Film ist inzwischen 25 Jahre alt!) hervorragende Arbeit abliefern wird … und dann das!

Keinerlei Spannung. AVP ist nicht eine Sekunde lang spannend. Das ist schon ein Kunststück. Das einzig Erschreckende an diesem Film ist seine vollkommene Humorlosigkeit. Nicht einmal unfreiwillig komisch wird’s, normalerweise ja ein sicheres Zeichen bei Kleinoden der Kategorie Z, die es zumeist gar nicht erst ins Kino schaffen, sogenannten „straight-to-video“-Produktionen. Im Gegenteil: Die zynische Art und Weise, wie der „Regisseur“ von AVP seine beiden sympathischsten Protagonisten und zugleich mimisch stärksten Schauspieler/-innen (die hinreißend schöne Agathe de la Boulaye und der personifizierte Hundeblick, Ewen „Spud“ Bremner) zur Mitte des Films abschlachten lässt, zeugt von einem beeindruckenden Mangel an Herz und Verstand (letzteren hat der „Regisseur“ offenbar bereits bei seinen sich in ihrer Durchschnittlichkeit suhlenden Machwerken EVENT HORIZON und RESIDENT EVIL vollends verbraucht).

Es passt einfach nichts in diesem Film. Hinten und vorne nicht. Der ohnehin schon hanebüchene Plot, an dem Erich von Däniken seine helle Freude gehabt hätte, hat Löcher, die größer sind, als die von den Aliens in Stücke gerissenen Brustkörbe ihrer bedauernswerten Wirte. Aber es ist nun wirklich müßig, Stecknadeln in diesem Heuhaufen von Plot zu suchen, wenn sich schon der Untertitel von AVP „Egal wer gewinnt – wir verlieren“ zur Hälfte des Films als schlichtweg falsch und irreführend entpuppt, schlagen sich die wenigen Überlebenden doch auf die Seite der … (na, auf welche Seite wohl? Gähn!), die sich auch noch nicht zu blöde sind, diese minderwertigen und atemberaubend schlichtes Zeugs von sich gebenden Kreaturen namens Menschen an ihrer Seite zu dulden. – Beispiel gefällig?:

„Wir werden hier nie wieder raus kommen. – Haben Sie Kinder?“
„Ich habe einen Sohn.“
„Ich habe zwei! – Lassen Sie uns also zusehen, dass wir hier raus kommen.“

Der inzwischen in dieser Rezension namenlos gewordene „Regisseur“ hätte sich ein Denkmal setzen können, wenn er eine 90minütige ALIEN VS. PREDATOR-Schlacht inszeniert hätte, allerdings in Abwesenheit der menschlichen Rasse – einen modernen Stummfilm quasi, zumindest ohne menschliche Stimmen – dafür randvoll mit Predator-Grunzen und Alien-Kreischen: Schleimiger, Säure verspritzender Biomechanoid gegen hochgerüsteten, interstellaren Kopfgeldjäger, und nirgendwo ein homo sapiens sapiens in Sicht, der seine Bezeichnung durch „Dialoge“ wie den obigen ad absurdum führt – was wäre das für ein Mordsspaß geworden! – Etwas sehr Menschliches fehlt allerdings dann doch in AVP: Blut. Denn dieser Film hat in den USA doch glatt ein PG 13 rating (vergleichbar mit dem deutschen „Frei ab 12 Jahren“) verpasst bekommen: Das einzige Blut, das hier verspritzt wird, ist Alien-Säure. – Kein Blut also, immerhin das Lebenselixier von modernen Horrorfilmen, wenn der Plot schon vollends missraten ist. Nicht einmal das. Es ist einfach unfassbar.

Fazit: Schade um Predatoren und Aliens und ihre hässliche Schönheit, respektive schöne Hässlichkeit. Was dieser Film an Potential verschwendet hat, ist in Worten nicht auszudrücken. Wenn ein Wort AVP hinlänglich beschreiben kann, dann nur: „erbärmlich“.

Kurz: Antarktis auf, Pyramide auf, beides schnell wieder zu und hoffen, dass man auch keine Filmkopie vergessen hat und das Schmelzen der Polkappen sich noch irgendwie stoppen lässt. Denn Horrorfilme haben bekanntlich aufgrund von Genre-üblicher Vererbungslehre quasi ein naturgegebenes Anrecht auf Fortsetzungen.

Mögen sämtliche Aliens und Predatoren dieses Universums aus ihren Löchern kommen (Und hey!: Sie werden wissen, was sie zu tun haben!), sollte jenes Wesen, dass niemand je wieder „Regisseur“ schimpfen sollte, auch nur an ein sequel denken!


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