DIE BOURNE-VERSCHWÖRUNG

Die Bourne-Verschwörung         (The Bourne supremacy, D/USA, 2004)

Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Tony Gilroy, basierend auf dem Roman von Robert Ludlum
Mit: Matt Damon (Jason Bourne), Joan Allen (Pamela Landy), Brian Cox (Ward Abbott), Karl Urban (Kirill), Franka Potente (Marie), Julia Stiles (Nicky) u.v.a.
109 Minuten         (5 von 10 Punkten)

Habe ich doch gewusst, dass mir die Irena Neski bekannt vorkam, als sie Jason Bourne gegenüber sitzt und glaubt, ihr letztes Stündchen habe geschlagen. Es ist Oksana Akinshina, die so bravourös vor zwei Jahren die Titelrolle in LILJA 4-EVER (2002) verkörperte. Ein später Lichtblick eines düsteren Filmes. Aber wahrscheinlich hat damals wieder kein Schwein dieses Juwel gesehen und mein Wissen ist nur nutzlos belegter Gedächtnisspeicher.

Das nur am Rande, ich wende mich dem eigentlichen Thema zu: Jason Bourne ist wieder auf der Flucht vor seinen Verfolgern und auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Das war auch schon im ersten Teil DIE BOURNE IDENTITÄT (2002) der Fall, mit Matt Damon erschien ein neuer Stern am Agentenhimmel und brachte frischen Wind in ein Genre, das bislang von einem sichtlich in die Jahre gekommenen und gerade noch als eigene Parodie durchgehenden James Bond vertreten wurde. Obwohl es vom mimischen Vermögen her talentiertere Schauspieler gibt, passte Damon in die vorgegebene Rolle des Killers im Auftrag des Geheimdienstes, bewies in den Action-Szenen physische Präsenz und hatte nicht zuletzt in Franka Potente eine Partnerin an seiner Seite, die ihm die nötige Bodenhaftung gab, wenn die Schatten der Vergangenheit allzu übermächtig wurden.

Leider segnet Frankas Marie nach 20 Minuten das Zeitliche, geräuschlos wird in einem indischen Fluss Abschied genommen und Jason ist fortan solo unterwegs. Mit dem überraschenden Erfolg von Teil 1 im Rücken konzentriert man sich also ganz auf die Zugkraft des US-Stars. Dessen Figur ist inzwischen zur vollwertigen Kampfmaschine gereift und weiß mit seinen Fähigkeiten umzugehen. Damit diese im passenden Rahmen auch voll zur Geltung kommen, behielt man das Prinzip des Katz- und Mausspieles bei und pumpte die bekannten Komponenten ein wenig auf. Als Locations wurden Goa, Neapel, Berlin, Moskau und ein bisschen New York auserkoren, die Statistenzahlen in den Massenszenen erhöht, der Soundtrack in schwelgerischer Dichte eingesetzt und noch mehr Wert auf spektakulär choreographierte Autoverfolgungsjagden gelegt. Nachdem der indische Subkontinent abgehakt ist, verfinstert sich das Geschehen, es ist winterlich-kalt oder die Handlung spielt nachts, im Halbdunkel blinken gerade mal die Computerbildschirme des CIA-Einsatzteams auf.

Ja, man wird das Gefühl nicht los, dass sich die Macher vorgenommen haben, ein ordentliches Stück Filmarbeit abzuliefern, ohne sich allzu weit vom Vorgänger zu entfernen. Mit Joan Allen und Brian Cox wurden zwei Leute ins Boot geholt, deren Rollen sich im CIA-Leitstand herrlich auf dem Kieker haben, der vermehrte Einsatz der Handkamera (Wackelkamera) in den Actionszenen soll alles noch authentischer machen und mit ein wenig Übersicht und Toleranz gelingt es auch, der Logik des Drehbuches zu folgen.

Allerdings vermisse ich doch den Charme und die Überraschungseffekte der BOURNE IDENTITÄT: Ersterer drückte sich in der zunächst unfreiwilligen Kooperation zwischen Jason und Marie aus, letztere immer dann, wenn Bournes Fähigkeiten nach und nach zutage traten. An deren Stelle ist nun ein Mann getreten, der mit stoischer Entschlossenheit („terminatorisch“) seine Mission vollendet, die da lautet: Die eigene Vergangenheit aufklären und nebenbei ein paar lästige Killer und (deutsche und russische) Polizisten loswerden. Dass dies so nahtlos gelingt, wird den Konsumenten von soliden und rasanten Agentenfilmen freuen, für den Feinschmecker, der auf der Suche nach unbekannten Gaumenfreuden ist, bietet sich leider nur gelegentlich Neues. Allerlei Kurzweil ist garantiert, aber letztlich enttäuschte mich der Film als ein peinlich genau dosiertes Menü aus dem Rezeptbuch, dem das gewisse Etwas fehlt.


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