5 x 2 [FÜNF MAL ZWEI]

5 x 2         (Cinque fois deux, Frankreich, 2004)

Buch und Regie: Francois Ozon
Mit: Valeria Bruni-Tdeschi (Marion), Stéphane Freiss (Gilles), Géraldine Pailhas (Valérie), Francoise Fabian (Monique), Michael Londale (Bernard), Antoine Chappey (Christophe) u.a.
91 Minuten         (5 von 10 Punkten)

5×2
(Bildrechte: Polyfilm Filmverleih)

Synopsis: Die gemeinsame Zeit von Marion und Gilles ist vorbei. Der Scheidungsrichter (Notar?) verliest die Papiere und erklärt die Ehe für beendet, ein anschließendes Treffen der beiden unterstreicht nur noch die Zerrüttung und die Zukunft der getrennten Wege. Dieser filmischen Episode von knapp 18 Minuten schließen sich weitere vier „Szenen einer Beziehung“ an, die chronologisch der Scheidung vorangehen und Eckpunkte im gemeinsamen Leben der Protagonisten beleuchten: Der Besuch des Bruder und dessen Freund, die Geburt des Sohnes, die Hochzeit und das erste Kennenlernen auf Sizilien.

Kritik: Die Geschichte von Marion und Gilles kommt unspektakulär daher, sie ist fern jener Schmonzetten, die manche Macher jenseits der großen Teiches gerne und mit voller Absicht auf das soap-verdummte Publikum loslassen. Die Hauptpersonen werden ohne Schwarz-Weiß-Malerei präsentiert und scheinen mit ihren Meinungen, Gefühlen, Schwächen und Stärken aus unserer Mitte genommen zu sein. Niemand bricht über dem einen oder der anderen den Stab, das, was sie tun, wird nüchtern und mit Distanz dargestellt und es dem Publikum überlassen, auf die Gründe zu schließen bzw. sich sein eigenes Bild zu machen. Die Einspielung eines prägnant emotionalisierenden (gibt es das Wort?) Schlagers (liedermachermäßig à la Paolo Conte) bezeichnet das Ende einer jeden Episode, die Spurensuche geht auf neuer Ebene weiter.

Allerdings: FÜNF MAL ZWEI hat nicht das Potential, sich dauerhaft in mein Gedächtnis zu brennen.

Das liegt einerseits daran, dass die Aufteilung in 5 Kernsituationen dem Geschehen etwas Fragmentarisches gibt und das Ausfüllen der Zwischenräume dem Betrachter selbst überlassen bleibt. Es gibt keinen direkten Bezug auf das vorherige Kapitel, als Betrachter konsumiert man das Gesehene, kann für den Moment an den gezeigten Gefühlswallungen teilhaben, aber ein profundes Mitempfinden kommt aufgrund fehlender erlebter Entwicklung nicht zustande. Mag sein, dass sich hinter dem für einen sensibleren Beobachter merklichen subtilen Spiel der Protagonisten Abgründe auftun (Marion vergießt hier mal ein Tränchen, Gilles stopft apathisch Steakscheiben in sich rein…), aber die wahren Gründe für den Fortgang (den Niedergang) der Beziehung bleiben spekulativ. Autor und Regisseur Ozon überlässt seinem Publikum eine Kopfarbeit, deren Umsetzung in Bilder er nicht zu leisten bereit war und die er hinter dem Deckmantel der kompositorischen Lücke versteckt.

Andererseits war für mich das Verhalten der Protagonisten innerhalb der gezeigten Episoden zum Teil befremdlich. In den oben erwähnten, fast schon klassischen Situationen „Hochzeit“ und „Geburt des ersten Kindes“ werden von den Hauptdarstellern dermaßen eklatante beziehungstechnische Fehler gemacht, dass die Glaubwürdigkeit Schaden nimmt. Kein Wunder, denkt man sich, dass auf diese Weise die Grundfesten einer Liebe erschüttert werden, und da wie gesagt nicht gezeigt wird, wie sie wieder gekittet werden, ist die Zwangsläufigkeit des Scheiterns nicht weiter tragisch. Die Mit-Leiden(s)schaft des Betrachters versiegt, die Story wird allerweltlich: Ein Paar, das sich verliebt und wieder auseinanderlebt, und wir kennen ohnehin nur die großen Schlagzeilen.

Ozon gibt seiner Geschichte formal eine versöhnliche Gegenrichtung, indem er die Chronologie umkehrt und die positiven Stationen an den Schluss stellt. Vielleicht hat ihn dieser Modetrend animiert, sicherlich ist aber das Hoffen und Eintreffen auf schöne Dinge allemal schöner als das Miterleben des quälenden Abstieges. So brennt sich das glutrote Schlussbild der beiden Turteltäubchen vor Strandkulisse in unsere Netzhaut ein wie eine plakativ inszenierte Vermischung aus Eric Rohmer-Romantik und TUI-Prospekt.


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