THE VILLAGE

The Village – Das Dorf         (USA 2004)

Buch und Regie: M. Night Shyamalan
Mit: Bryce Dallas Howard (Ivy Walker), Joaquin Phoenix (Lucius Hunt), Adrien Brody (Noah Percy), William Hurt (Edward Walker), Sigourney Weaver (Alice Hunt), Judy Greer (Kitty Walker) u.a.
108 Minuten         (4 von 10 Punkten)

The Village
(Bildrechte: Buena Vista)

Nachdem ich mit meinem Ausflug in DAWN OF THE DEAD (2004) einen persönlichen Reinfall erlitten habe und in meinem Kummer die Rückkehr des subtilen Horrors auf die große Leinwand erflehte, glaubte ich, in diesem Monat sei mit der Aufführung von M. Night Shyamalans THE VILLAGE mein Stoßgebet erhört worden. Dessen THE SIXTH SENSE ist hoffentlich noch in guter Erinnerung, die Nachfolgefilme UNBREAKABLE und SIGNS konnten aber trotz Vorschusslorbeeren und Starbesetzung nicht an seine Qualität und Einspielergebnisse heranreichen. Umso gespannter wartete ich auf VILLAGE, dessen Wallpaper mich schon vor Anlaufen der Werbekampagne in Deutschland beeindruckte.

Rein optisch fühlt man sich dann auch zurück versetzt in das ländliche USA gegen Ende des 19. Jahrhunderts, die Bauten und Kostüme versprühen den Charme eines Freilichtmuseums der „National Heritage Foundation“. Durchaus heimelig, wie die Schafe auf die Weide getrieben werden, wie zwei holde Maiden im Gleichtakt die hölzerne Veranda fegen und wie jungfräulich-verliebt die flügge gewordene Kitty um die Hand des schweigsamen Lucius anhält. Über dem Idyll erklingt federleicht die von Hilary Hahn virtuos gespielte Geige, die fortan wie anno dazumal Michael Nymans Piano im gleichnamigen Film nicht mehr von unserer Seite weicht.
Das friedliche Leben ist ein teuer erkauftes, denn die Bewohner des 100-Seelen-Dorfes vermögen keinen Schritt in die sie umringenden Wälder zu tun, ohne dass von den dort hausenden „Von-Denen-Man-Nicht-Spricht“-Monstern furchtbare Rache genommen wird. Und manchmal gar erlaubt es sich die Gegenseite, die Demarkationslinie für den einen oder anderen derben Spaß zu übertreten.

Eine interessante Ausgangslage; ich gebe zu, ich liebe Belagerungen oder Geiselnahmen und die soziale Interaktion innerhalb der und zwischen den beiden Parteien. Sicherlich ist das eine oder andere Element schon bekannt, ich erinnere nur an die (freilich selbst gewählte) Isolation der Gemeinschaft in THE BEACH oder an die Bedrohlichkeit des Waldes in BLAIR WITCH PROJECT. Umso bedeutsamer in der Beurteilung ist daher, was Autor und Regisseur Shyamalan aus den Vorgaben macht.

Und da habe ich leider den Eindruck, dass er allzu selbstverliebt seinen Vorstellungen gefolgt ist und keinen auch nur kurzen Seitenblick darauf geworfen hat, ob und wie sein Film beim Publikum ankommen wird. Denn THE VILLAGE funktioniert weder als Gruselstreifen noch als Liebesgeschichte noch als Parabel auf den Wunsch, „die Unschuld zu bewahren“, indem man sich zwanghaft seine eigene Welt schafft. Shyamalan bemüht sich um eine vielschichtige Charakterisierung, widmet sich mehr als in seinen vorherigen Filmen einer Vielzahl von Personen, was z.T. in langen Einstellungen und durchaus schönen (poetischen) Bildern eingebettet wird. Für das Element Liebesgeschichte wurde hier ein bedeutender Grundstein gelegt. Allerdings soll durch die Präsenz des Waldes und die stetige Einblendung des „Schutzfarbe“ Senfgelb die permanente Bedrohung sichtbar und fühlbar bleiben, was leider nicht gelingt. Die Monster sind einfach schwach, eine Enttäuschung, und die Furcht der Dorfbewohner überträgt sich viel zu selten auf das Publikum. Das ist einfach tödlich für den Gesamteindruck.

Daher verpuffen auch die zweifellos vorhandenen Geniestreiche. Dass zum Beispiel der vermeintliche Retter plötzlich in der Mitte des Filmes ausgeschaltet wird. Die diversen „Kisten der Pandora“. Die Darsteller (allen voran die mir vormals völlig unbekannte Bryce Dallas Howard verfügt über erstaunliche Kamerapräsenz) mühen sich redlich, die Strukturen einer archaisch-oligarchischen Gesellschaft zu repräsentieren. Aber die beklemmende Spannung eines SIXTH SENSE kommt zu kaum einer Minute auf. Ab und an reißen Schockeffekte (= Blicke in die Tiefe) das Publikum aus der wohligen Verzückung, der es sich angesichts der feuerroten Haare und der entschlossen graugrünen Augen der schönen Ivy hingegeben hat. Aber die Unterbrechung empfindet man bald beinahe schon als störend angesichts der Gewissheit, dass doch wieder Fahrt weggenommen wird.

Vorschlag: In der gegenwärtigen schöpferischen Verfassung sollte sich Mister Shyamalan als nächstes Projekt die Neuverfilmung von WUTHERING HIGHTS vornehmen. Echt jetzt.


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