I, ROBOT

I, robot         (USA, 2004)

Regie: Alex Proyas.
Buch: Jeff Vintar & Akiva Goldsman nach Kurzgeschichten von Issac Asimov
Mit: Will Smith (Detective Del Spooner), Bridget Moynahan (Dr. Susan Calvin), Alan Tudyk (Sonny), Bruce Greenwood (Lawrence Robertson), James Cromwell (Dr. Alfred Lanning) u. a.
115 Minuten         (4 von 10 Punkten)

Synopsis: Im Jahre 2035 gehören nach menschlichem Vorbild gestaltete Roboter zum Alltagsbild in Chicago. Jeder solvente Bürger kann einen dieser nützlichen Helfer besitzen, deren programmierte Aufgabe es ist, nur Gutes zu tun und dem Menschen stets zu Diensten zu sein. Missbrauch und Fehlfunktion ausgeschlossen. So verspricht es zumindest die U.S. Robotics Corporation (USR), die gerade die neueste Roboter-Generation „NS-5“ unters Volk bringen will. Vielseitiger, robuster und auch äußerlich ansehnlicher ist sie, die moderne Reinkarnation der Sklaverei, für die die Grundsätze der Menschenrechte nicht gelten, weil es sich schließlich nur um eine Maschine handelt. Somit ist es verständlich, dass Detective Spooner auf wenig Gegenliebe stößt, als er die Perfektion der „New Series“ durch seine Untersuchungen in Frage stellt. Denn ausgerechnet USR-Chefingenieur Lanning stürzte in der Firmenzentrale zu Tode und als Tatverdächtiger kristallisiert sich bald einer der neuen Roboter (Sonny) heraus. Das ist schlecht fürs Image, weshalb das Management rasch von einem bedauerlichen Einzelfall spricht. Spooner, der den Blechkisten sowieso nicht über den Weg traut, glaubt indes nicht daran, dass mit der angeordneten Verschrottung von Sonny wieder alles ins Lot kommt…

Kritik: Es geht also wieder um nichts weniger als die Rettung der Menschheit, deren Existenz oder zumindest Freiheit auf dem Spiel steht. Da verrate ich sicherlich nicht zu viel. Aber heutzutage gehört es zum guten Ton auch im Sci-Fi-Action-Genre, diese Bedrohung in einen realen Bezug zu setzen und damit auch dem intellektuell bedaften Teil des Publikums etwas zum Nachdenken zu bieten. So birgt I, ROBOT neben aller Verfolgungsjagden und Ballerei tatsächlich Aspekte und Themenstellungen in sich, an die tiefer gehende Diskussionen anknüpfen könnten.

Da ist zum einen der Gedanke, ob die Zukunft, wie sie der Film darstellt, in 30 Jahren wirklich so aussehen kann. Je weiter der zeitliche Abstand, desto mehr bietet er dem Erfindungsvermögen der Visionäre Raum, im Fall von drei Jahrzehnten darf man sich allerdings nicht zu weit von der Gegenwart entfernen, um noch glaubwürdig zu sein.

Nun, Großstädte, deren Straßen von Menschen überquellen und Verkehrsführung über mehrere Trassen (horizontal wie auch vertikal) verläuft, sind auch heute schon vorhanden, wenngleich auch nicht in der klinisch sauberen Ausgestaltung wie im Film. Aber für Sauberkeit sorgen ja die sprechenden Roboter, die als Haushaltshilfe, Straßenfeger, Müllarbeiter arbeiten. Utopie? Den künstlichen Hund kann man jetzt schon kaufen. Vielleicht nicht als menschengleiches Abbild, aber durchaus vorstellbar sind weitere Roboter, die einem bei den lästigen Pflichten des Alltags zur Hand gehen. Deren programmtechnisches Update erfolgt kabellos und zentral durch eine EDV-Weltfirma mit Monopolcharakter. Die exponentielle Weiterentwicklung von Prozessoren und Speicherchips sowie die Fortschritte in der Nanotechnologie machen es möglich. Unreflektierte Nachfrage wird es genug geben: Wer hätte ihn nicht gerne, den Staubsauger mit Autopilot?

Über das Thema Roboter hinaus hat der Film allerdings im Bereich Zukunftsvisionen nicht viel im Angebot. Der Vorschlag zur Abschaffung des Parkproblems ist einfach absurd, die Frage nach der Energiegewinnung für die sich auf unsichtbaren Stromleitbahnen bewegenden Fahrzeuge bleibt ungelöst, und auch sonst können wir in 30 Jahren auf nicht viel Veränderung hoffen.

Zweitens ist es sicherlich interessant, den Aspekt der künstlichen Intelligenz zu verfolgen. Ist es möglich und wünschenswert, dass sich Roboter bzw. deren Computergehirne selbständig Wissen aneignen und ihre Fähigkeiten über den voreingestellten Zustand hinaus erweitern? Die NS-5-Roboter im Film sind so konstruiert, dass sie nur nach einem begrenzten Programmschema verfahren, Sonny hingegen verhält sich fehlerhaft, stellt Rückfragen, ist Verhören gewachsen. Gibt es ihn wirklich, den – wie Chefkonstrukteur Dr. Lanning formulierte – Geist in der Maschine? Kleine Programmteile, die, obwohl gelöscht, unbemerkt im Speicher u.ä. verbleiben und sich dann zu neuen, selbständigen Elementen verbinden. Auf diese Weise, so will I, ROBOT suggerieren, könne die Maschine so etwas wie eigenen Geist, Gefühle, gar eine Seele entwickeln.

Dieses Phänomen (diese Fähigkeit) vorausgesetzt: Worin läge dann letztlich der Unterschied zwischen dem Menschen und seinen Repliken? Wie lange ist die nach Vorgabe selbständig agierende Maschine noch eine Sache, ein künstlicher Sklave, den man besitzen und nach Belieben abschalten darf? Dem Menschen, der auf der Suche nach Steigerung der Lebensqualität gerne auch mal Gott (der Natur) ins Handwerk pfuscht, eröffnet sich hier ein weiteres Feld der kritischen Reflexion.

Dass diese Fragen nicht nur theoretischer Natur sind, unterstreicht die Tatsache, dass die Szenen, in denen der Roboter Sonny mit Spooner und an anderer Stelle mit Dr. Calvin in Dialog tritt, die dramaturgisch stärksten des ganzen Filmes sind.

Überhaupt ist dieser meist computergenerierte Darsteller über weite Strecken der heimliche Star des Films. Bei der Kreation seines Gesichtes haben die Verantwortlichen ganze Arbeit geleistet, es ist meilenweit entfernt von der furchteinflößenden Grimasse eines T-800. Seine Mimik drückt Naivität, Unschuld und Neugier aus, die Stimme ist wohldosiert und so, wie sie die Masse potentiellen Käufer im Jahre 2035 überzeugen soll, so einschmeichelnd freundlich wirkt sie auch auf das heutige Kinopublikum. Mit dem Namen gewinnt Sonny inmitten seiner baugleichen Modelle Individualität und Persönlichkeit. Ist hier nicht doch mehr als nur eine Maschine präsent, anders als Spooner es sehen will? Spätestens, als Dr. Calvin Sonny mit einer Art Giftinjektion aus dem Verkehr ziehen soll, sind wir allzu geneigt, es zu glauben.

Die Einbindung von existentieller, gar philosophischer Themen kann also durchaus zur Qualität eines von Action dominierten Filmes beitragen, wenn man es nicht übertreibt. In I, ROBOT hielten sich die Drehbuchschreiber Vintar und Goldsman allerdings deutlich zurück und verwendeten diese exotische Zutat nur in schätzungsweise 10 Minuten. Der überwiegende Teil der 115 Minuten Gesamtlänge besteht aus der Rezeptur des Actionfilmes, die hinlänglich bekannt ist:

Man nehme einen männlichen Helden, vorzugsweise einen Polizisten, der sich durch einige Macken von der uniformen Masse seiner Kollegen abhebt und von ihr als Sonderling belächelt wird. Er trägt schwarze Klamotten, lebt alleine, hat aber “street credibility“. Der scheinbar einfache Fall entpuppt sich als gravierender als erwartet. Sein Boss glaubt ihm nicht und suspendiert ihn. Unser Held macht eigenhändig weiter, profitiert durch das Insiderwissen einer (weiblichen) Hilfe, bewährt sich gegen die Übermacht und rettet nichts weniger als die Welt.

Kenner des Genres werden immer wieder Elemente aus Klassikern wiedererkennen, die in der einen oder anderen Form Eingang in „I, robot“ gefunden haben. Die Roboter selbst ähneln von der Anatomie her denen aus TERMINATOR (1986), sind nur vom Gesichtausdruck freundlicher gestaltet. Spooner ist wie ehemals Deckard aus BLADE RUNNER (1982) hinter fehlfunktionierenden Maschinen her. Der Abrissroboter und noch einiges mehr erinnern an die ROBOCOP (1987), das Outfit des Helden an das derer aus MATRIX (1999), nur ohne Sonnenbrille. Die Stadt, in der sich Spooner bewegt, ist das Sonnen durchflutete, klinisch reine Chicago, also das Umkehrbild des dunklen, verregneten Dschungels von Los Angeles, den Ridley Scott in seinem Klassiker geschaffen hat.

Wollte man I, ROBOT mit seinen Genre-Vorgängern vergleichen, dann ist er zumindest in der Person der Hauptdarsteller ebenbürtig. Will Smith, der zum Glück in I, ROBOT größtenteils seiner Klodderschnauze ledig ist, präsentiert sich ganz gut in der Rolle des unerbittlichen Jägers und sein Name auf dem Plakat trägt sicherlich maßgeblich dazu bei, die Menschen ins Kino zu locken. Gelegenheit zur Präsentation seines gestählten Körpers hat er genug, in den rasanten Actionszenen wehrt er sich tapfer gegen die später hineingeschnittenen digitalen Feinde und die ein oder andere ausgefeilte Dialogzeile findet sich auch für ihn im Drehbuch. Als Sympathieträger verleiht er dem Film einen Pluspunkt, obwohl ihm – wie gesagt – „Sonny“ in einigen Schlüsselszenen die Schau stielt.

In anderen Teilbereichen muss Regisseur Proyas’ Film allerdings gehörig Federn lassen.

Vorzuwerfen ist ihm insbesondere, dass er sich keinen Gefallen tut, wenn er die Actionszenen mit einer Grundgeschwindigkeit versieht, die für das normale Auge kaum mehr fassbar ist. Mit anderen Worten: Kämpft Sponner gegen die bösen Roboter, die ihm ans Leder wollen, dann geschieht das nicht in realer Zeit, sondern – so schien es mir – mit 20 Bildern pro Sekunde mehr als üblich. Einzelheiten verwischen im Getümmel, ständig werden neue uniforme Gegner in die Schlacht geworfen, die genauso rasch in Einzelteile zerschellen. Ein Zerstörungswerk als Zumutung für den Betrachter. Stattdessen wünscht man sich insgeheim die filigrane Zeitlupen-Choreographie aus MATRIX zurück.

Den Robotern, wenn sie denn in Actionszenen verbraten werden, sieht man ihre Herkunft aus dem Computer deutlich an. Seltsam blass, beinahe durchsichtig und zweidimensional stehen sie da. Sie bewegen sich manchmal ungelenk, manchmal behänder, als es jede Spinne kann und werden dadurch den Beigeschmack der Künstlichkeit nicht los. Betrachtet man I, ROBOT als Ausdruck des gegenwärtigen Standes der Technik, dann hat sich offenbar seit z.B. STARSHIP TROOPERS (1997) nichts Wesentliches getan.

Den größten Vorwurf muss sich der Film aber angesichts seines fortschreitenden Mangels an Spannung gefallen lassen. Im Labor des in den Tod gestürzten Dr. Lanning empfindet man die Bedrohung noch, die durch die ungeklärten Umstände in der Luft liegen. Einige Momente später, als Spooner in der Produktionshalle unter 1001 gleich aussehenden Robotern den flüchtigen Sonny finden soll, ist der Höhepunkt erreicht. Wiederum drängt sich die Parallele zu BLADE RUNNER auf, als Deckard Pris in der Wohnung des Puppenmachers zu entdecken versucht. Nach der Festnahme des „Einzeltäters“ ist es allerdings mit dem Gruseln vorbei. Schon die nächste, eigentlich für solche Zwecke prädestinierte Location (das verlassene Haus des Chefkonstrukteurs) wird dem schnellen Hackfleisch-Kick geopfert. Das setzt sich fort mit einer wohlwollend dosierten Abfolge von Kämpfen Marke „Allein gegen alle“, bei denen Spooner noch manchen Trumpf im Ärmel hat. Kurzweilig anzusehen, aber beileibe nicht mehr fesselnd. Zu vorhersehbar ist die Story geworden.

Angesicht der oben genannten Kapitalfehler ist es beinahe Makulatur, die logischen Mängel und offenen Fragen zu nennen, mit denen uns die Drehbuchschreiber alleine lassen.
– Wie konnte Dr. Lanning dermaßen lange und unbemerkt im USR-Hauptgebäude isoliert gehalten werden? Und sich dann die Charade mit „Hänsel und Gretel“ ausdenken müssen?
– Im Grunde bleibt unverständlich, warum Spooner die Abneigung gegen die NS-4-Roboter empfindet, die im Prinzip fehlerfrei funktionieren.
– Warum gab es während seiner Begegnung mit den Trucks zu keiner Sekunde Gegenverkehr im Tunnel? Wie konnten den Kollegen die Spuren entgangen sein, obwohl sie Sekunden nach den Geschehnissen am Tatort erschienen sind?
– Im Service-Trakt des USR-Gebäude soll es keine Sicherheitsmaßnahmen geben? Die Eingangsklappe liegt am Fuße der Haupttreppe zum Eingangsportal, auf dem die Roboter zu Dutzenden postiert waren. Das Gebäude war geräumt, aber ohne Wachen, ohne andere Überwachungsgeräte? Schwer vorstellbar.
– Spooner und vor allem Dr. Calvin kommen nach 2300 Stufen ohne einen Schweißtropfen und erhöhtem Pulsschlag im obersten Stock an?
– Wie können die Roboter die Fassade des Hochhauses hochklettern, wenn sie wie Sonny nur stählerne Finger und Füße besitzen, also keinerlei Haftoberflächen?

Und dergleichen mehr. Mag sein, dass Logik und das Gespür für Details um der Action Willen auf der Strecke bleiben. Und für das Gros der Zielgruppe dieses Filmes werden oben genannte Kleinigkeiten sicherlich keine Rolle spielen. Dann sollte man aber so konsequent sein und den Film genregemäß und heldenstrahlend enden lassen.

Stattdessen stülpt Regisseur Proyas noch einen Epilog drauf, der mit seiner messianischen Bildhaftigkeit mehr Kopfschütteln hervorruft als Sinn macht. Unangemessen, das Publikum mit diesem Bild (das von der Optik her zu allem Überfluss einem Comic entnommen zu sein scheint) auf den Heimweg zu schicken, wo doch die eigentlich wichtigen Themen kaum in den 115 Minuten Filmhandlung zur Sprache gekommen sind. Schade.


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