DAWN OF THE DEAD

*** DAWN OF THE DEAD * USA 2004 * Musik: Johnny Cash, u. a. * Drehbuch: James Gunn, nach dem gleichnamigen Film von George A. Romero aus dem Jahre 1978 * Regie: Zack Snyder * Darsteller/-innen: Sarah Polley, Ving Rhames, Mekhi Phifer, sowie ein paar andere Menschen, und Tausende Zombies. * 97 Minuten * (4 von 10 Punkten) ***

Synopsis: Erübrigt sich fast. Durch eine weltweite Epidemie unbekannten Ursprungs werden die Toten wieder lebendig und fallen die Lebenden an, die durch einen Biss der Untoten selber zu welchen werden. Ein paar Menschen in Milwaukee, Wisconsin, USA, flüchten sich daraufhin in das größte Einkaufszentrum vor Ort, wohl wissend, dass sie dort nicht für immer bleiben können. Ein tollkühner Fluchtplan wird entworfen … und letztlich auch ausgeführt … während um sie herum die Zombiemeute anwächst und ihnen das letzte Lichtlein ausblasen … pardon, das letzte Beinlein abbeißen will …

Kritik: Okay. Was kann ich sagen? Dass der Film nicht völlig scheiße ist? Sag’ ich gerne. Dass der Film demnach gut ist? Nein, keinesfalls. Ist er denn wenigstens spannend? Aber hallo! Warum ist er dann nicht gut? Nun …

Ich kenne – leider – das Original aus dem Jahre 1978 von George A. Romero nicht, bin aber der festen Überzeugung (nein, ich weiß es!) dass es weitaus besser sein muss. Denn trotz durchaus illustrer Schauspielerregie (Sarah Polley (MEIN LEBEN OHNE MICH), Ving Rhames (PULP FICTION) und Mekhi Phifer (8 MILE)) verkommen die Personen in Zack Snyders Remake zu Abziehbildern, wie man sie aus unzähligen dumpf-tumben und vor allem amerikanischen Action-Filmen kennt. (Hey! DAWN OF THE DEAD ist ein Action-Film!)

Dann wäre da die Story – wie schon an der Synopsis erkennbar, handelt es sich hierbei schlichtweg um ein Nichts. Der Film hat ein Drehbuch? Echt? Wie lang ist das? Zwei Zeilen? – Denn was dem durchaus (jetzt mal in positiver Hinsicht) schockierten Zuschauer hier an sprachlichen und charakterlichen Platitüden geboten wird, ist schon gelinde gesagt eine Frechheit. Zombie-„Erfinder“ Romero hat dagegen in seinem Erstlingswerk und zurecht als Kultfilm abgefeierten, noch in Schwarzweiß und mit einem völlig winzigen Budget 1968 gedrehten NIGHT OF THE LIVING DEAD/ DIE NACHT DER LEBENDEN TOTEN gezeigt, welche Abgründe sich bei (selbst familiär verbandelten) Menschen auftun können, wenn sie in eine solch sagenhafte Alptraum-Situation geraten: eingekesselt von lebenden Toten. Kurz: Der Film war zugleich furchterregend, schockierend und … hatte ein Story. Eine gute noch dazu.

Snyder ist sich dagegen nicht zu blöde, Waffennarren, Familienehre und dergleichen als Kontrapunkte gegen die Zombiearmee einzusetzen – so einfach, so wirkungsvoll, so vollends verblödet (und ja … eine amerikanische Flagge weht auch noch irgendwann theatralisch im Bild herum … wie schaffen die das bloß immer?)

Substanz hat der Film also nicht. Dafür ist er technisch (leider viel zu) perfekt – Snyder hat als Werbefilmer angefangen und DAWN OF THE DEAD ist sein Debüt als Spielfilmregisseur. Wer jetzt blöde Sprüche wie „Schuster, bleib’ bei deinen Leisten!“ kloppt, hat hier ausnahmsweise mal zutiefst ins Schwarze getroffen. Denn das Zombie-Genre, wie es Romero geschaffen hat, war nunmal dreckig und verrucht und stieß verständlicherweise (und zumindest anfangs) die Kritiker ab. Snyder hat dagegen ein (trotz beträchtlichem Blut-, Ekel-und Schockfaktor) gelacktes Industrieremake geschaffen, das so offensichtlich mit Horrorfilmzitaten (Achtung, lieber Horrorfilmfan! Jetzt führe ich die Kettensäge ein! Na, freust du dich schon?) spielt, dass es schon fast wieder lustig sein könnte. Ist es aber nicht.

Eins muss man DAWN OF THE DEAD aber bei all der Kritik lassen: Er hat Tempo. Und ist dabei bisweilen blutig-brutal konsequent. Nix für schwache Herzen, Mägen und Augen. Nach fünf Minuten Vorspiel geht das Massaker schon los und geht – mit einigen Ruhepausen, die aber auch fast immer tödliche Längen bedeuten – beinahe 90 Minuten lang so weiter … bis zu einem völlig verhunzten Abspann: Wenn man eine Geschichte (so banal und dünn sie auch sein mag) erzählen will, so erzähle sie man doch bitte bis eben dahin zu Ende. Snyder macht das nicht, sondern hängt statt ruhig ausklingenden Credits noch eine Art Heavy-Metal-Horror-Videoclip an das eigentliche Finale dran, um damit die Geschichte in Sekundenbruchteilen von Bildern zu Ende gehen zu lassen. (Höchstwahrscheinlich der Grund: Das eigentliche Ende des Films ist unfassbar schwach.)

Schade, hatte DAWN OF THE DEAD doch so verheißungsvoll mit dem wunderbaren „The man comes around“ von Johnny Cash begonnen … und mit angsteinflößenden, wirklich entsetzlichen Bildern – von denen es übrigens im Verlauf des Streifens (im positiven, Schock-Horror mäßigen Sinne jetzt mal gesehen) doch noch angenehm viele gibt. Irgendwann sind die zwei Zeilen Drehbuch dann aber zu Ende und Snyders einzige Regieleistung besteht dann nur noch darin, in Großaufnahme (es gibt sogar Zeitlupen, oh Gott, wie furchtbar innovativ!) Zombieköpfe platzen zu lassen … und zwar zu Hunderten!

Eine Zeit lang hat das sogar irgendwie „Charme“, denn die Kamera wirbelt dabei wie wild durch die zombieverseuchte Gegend, die Schnitte zerhacken das Zelluloid in tausend kleine Schnipsel … das Tempo des Films – wenn er denn schnell wird – ist wie gesagt absolut gelungen, teilweise sogar atemberaubend. Und er ist (vielleicht einzig und allein durch Tempo, Kamera und Schnitttechnik?) bisweilen mächtig spannend.

Das reicht aber nicht, um dem eigentlich toten Untoten-Genre wieder Leben einzuhauchen – vor allem sollte Hollywood das langsam mal sein lassen, denn gelackte Industrie-Remakes von Werbefilmern (siehe auch die Neuverfilmung von TEXAS CHAINSAW MASSACRE) künden meines Erachtens nach wenig vom vielbeschworenen Rückkehrs des harten Horrors, ist DAWN OF THE DEAD doch zuallererst ein Action-Film.

Dafür müssen also tausende Meter von herrlichem „straight-to-video“-Horror-B-Movie-Schund, der zumeist so viel ehrlicher als die Großproduktionen an den Schock heran geht, weichen? Nein, dafür bitte nicht.

P.S.: Egal ob Horrorfilmfan oder nicht – das Münsteraner Programmkino „Cinema“ an der Warendorfer Straße (das es – nebenbei erzählt – dringend zu unterstützen gilt, steckt es doch finanziell ziemlich in der Krise) zeigt ab kommendem Donnerstag eine Woche lang den preisgekrönten Dokumentarfilm AMERICAN NIGHTMARE – DER AMERIKANISCHE ALPTRAUM über die Blütezeit des harten Horrorkinos in den USA (von 1968 bis 1980). In diesem Streifen wird u. a. auch George A. Romero zu Wort kommen, nebst seinen filmischen Schandtaten selbstverständlich …


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