DEEP BLUE

*** DEEP BLUE * Großbritannien 2003 * Regie: Andy Byatt und Alastair Fothergill * Erzähler: Michael Gambon * Darsteller/-innen: Wale, Krabben, Krebse, Korallen, Seelöwen, Quallen, Kaiserpinguine, Eisbären, Albatrosse und ziemlich viele Fische, sowie allerlei Undefinierbares (schwimmende Geschwüre?) * 91 Minuten * (6 von 10 Punkten) ***

Deep Blue
(Bildrechte: Kinowelt)

Synopsis: Fällt heute aus. Aber. Nee. Dann doch nicht: DEEP BLUE ist ein Dokumentarfilm der BBC über das Leben in den Ozeanen. Er kommt fast ohne erklärenden Kommentar aus (aber eben nicht klar) und versetzt den Zuschauer ausschließlich mit seiner Macht der Bilder und seiner von den Berliner Symphonikern eingespielten, bisweilen (arg) dramatischen Musik in das tiefe Blau des Meeres.

Kritik: Der Anfang des Films ist richtig mies. Sogleich wird dem geneigten Betracher klar, dass dieser Film nicht wirklich überragend sein kann, denn anstatt den Zuschauer an die Materie Meer heranzuführen, schwelgt DEEP BLUE sogleich in Bildern sondergleichen und dröhnt ihm die Ohren mit hochdramatischer Klassik voll – ohne dass dabei auch nur das kleinste Fischlein zu sehen wäre … der Cinéast wird nur mit Impressionen von !hey! Wellen bombardiert und !muss! das natürlich sofort toll und atemberaubend finden. Muss man aber eben nicht.

Doch der misslungene Beginn ist schnell vergessen, denn alsbald geht es unter Wasser – und die Kamera wird in den kommenden eineinhalb Stunden dieses Terrain auch kaum noch verlassen. Was sich als mehr als angenehm gestaltet, denn die Kameraleute dieses Dokumentarfilms haben wirklich ganze Arbeit geleistet. Diese Doku zieht seine Berechtigung, auf der großen Leinwand und nicht auf dem silver screen veröffentlicht zu werden, nämlich ausschließlich aus seinen Bildern. Denn diese sind – gelinde gesagt – atemberaubend und verleihen dem Film eine Kurzweil, dass man nach knapp 90 Minuten fast wie in Trance erwacht und sich fragt, warum der Film denn nach 30 Minuten schon zu Ende ist.

Ich habe wirklich !noch nie! einen derartig kurzweiligen Film im Kino gesehen – die Zeit verging wie im Fluge. Aber die Trance ist leider eben nicht vollkommen, was aber ausschließlich an der völlig missratenen post production dieses Streifens liegt. Hatten die Verantwortlichen etwa nur noch ein paar Minuten Zeit, um dem !wirklich überragenden! Filmmaterial die Ehre, die ihm über alle Maßen gebührt, zukommen zu lassen?

Anscheinend ja, denn so schlechte Schnitte, so wenig Sinn für Timing (ein Dokumentarfilm muss zwar keine Story erzählen, aber sollte doch zumindest in sich schlüssig sein), die bisweilen merkwürdig deplazierte Kommentation aus dem Off (offensichtliche Dinge werden pathetisch kommentiert, während für den Zuschauer absolut unverständliche Dinge (also: diverse Fische & Co.) keinerlei Erwähnung finden) und die an nicht allen Stellen passende Musikuntermalung lassen leider den Schluss zu, dass hier am Ende entweder gespart werden musste oder einfach handwerklich schlampige Arbeit geleistet wurde: Der Schluss des Films kommt beispielsweise urplötzlich und der Ton fällt einfach aus!

Das hätte – angesichts !Nochmal: Diese Bilder! der absolut sehenswerten Kameraarbeit im Vorfeld einfach nicht passieren dürfen. Schade. Wirklich schade. Und leider nicht zu ändern.

Dennoch bleibt DEEP BLUE ein absolut sehenswerter Dokumentarfilm mit – wie oft soll ich es noch sagen – Bildern, bei denen einem die Spucke wegbleibt. Entspannend (am besten so spät am Abend wie möglich in einem möglichst leeren, weil ruhigen Kino ansehen!), meditativ, bisweilen komisch, informativ und spannend zugleich. Und: Man darf wieder ganz ohne special effects im Kino ins Staunen geraten! Dat tun schon die Fischchen besorgen! (Dat mit dem Staunen jetzt.)


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